Atomstreit Bush schließt Schlag gegen Iran nicht aus

Im internationalen Ringen um die Atomanlagen in Iran hält sich Amerikas Präsident George W. Bush alle Optionen offen. Wenn sich eine diplomatische Lösung nicht finden lasse, sagte er in einem TV-Interview, sei auch die Anwendung von Gewalt möglich.

Washington - Bush sagte in einem am Abend ausgestrahlten Interview des israelischen Fernsehsenders Channel 1, er setze zwar auf eine Verhandlungslösung. Zum Schutz seines Landes könne er aber andere Möglichkeiten nicht außer Acht lassen.

Bush betonte nach einer Interview-Verschriftlichung des Weißen Hauses: "Alle Möglichkeiten liegen auf dem Tisch", und: "Die Anwendung von Gewalt ist die letzte Option für jeden Präsidenten." Die USA hätten in der jüngsten Vergangenheit bereits Gewalt anwenden müssen, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten, sagte Bush in Anspielung auf den Irakkrieg. Dazu sei er als Oberkommandierender in letzter Konsequenz auch bereit.

Bush erklärte, seinen Informationen nach weigerten sich die Iraner, den Forderungen der "freien Welt" nachzukommen, die von Teheran den Verzicht auf die Entwicklung von Atomwaffen fordere. Zur Verhinderung einer Atommacht Iran werde weiterhin intensiv auf der Ebene der Diplomatie gearbeitet.

Proteste: "Tod für Europa"

In der iranischen Hauptstadt gab es anti-europäische Proteste, an denen am Freitag rund 1500 Personen teilnahmen. Sie riefen "Tod für Europa". Die Demonstranten warfen den Europäern vor, Iran das Recht auf friedliche Nutzung der Atomenergie streitig machen zu wollen.

Die EU hat sich auch nach der Wiederaufnahme der Uran-Umwandlung in Iran vorerst weiter verhandlungsbereit gezeigt. Die Drohung, die Verhandlungen im Fall der Uran-Anreicherung abzubrechen, werde "im Augenblick wohl nicht umgesetzt", hieß es gestern in Brüssel in der Umgebung von EU-Chefdiplomat Javier Solana.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: "Wenn Iran auf die Resolution der Uno-Atombehörde eingeht und an den Verhandlungstisch zurückkehrt, dann liegt das im Interesse von allen. Wir wollen eine Lösung finden, wenn Iran positiv reagiert."

Iran hatte am Mittwoch die Uran-Umwandlungsanlage bei Isfahan nach mehr als acht Monaten wieder in Betrieb genommen. Dort wird Uran-Hexafluorid, eine Vorstufe der Anreicherung, hergestellt. Die Europäische Union sieht darin einen Bruch ihres Abkommens mit Teheran vom November 2004.

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