Atomstreit Iran schließt Kompromisse aus

Teheran hat internationale Forderungen nach einem Stopp des iranischen Atomprogramms zurückgewiesen. Die Entscheidung sei "unumstößlich", sagte der frühere iranische Präsident Rafsandschani - zuvor hatte US-Präsident Bush dem Land mit der Einschaltung des Sicherheitsrats gedroht.


Crawford/Teheran - Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA könne ihre Hinhaltetaktik fortsetzen, solange sie wolle, "unsere Entscheidung ist unumstößlich", sagte Akbar Haschemi Rafsandschani in seiner Freitagspredigt in Teheran. Unter Anspielung auf mögliche Pläne, die iranischen Atomanlagen notfalls zu bombardieren, warnte der Verlierer der Präsidentschaftswahlen vom Juni: "Behaltet im Hinterkopf, dass ihr den Iran nicht wie den Irak oder Libyen behandeln könnt."

Am Montag hatte Iran seine umstrittene Atomanlage bei Isfahan wieder in Betrieb genommen. Die letzten Siegel der IAEA an der Anlage zur Uranaufbereitung wurden am Mittwoch entfernt. Im vergangenen November hatte sich Teheran aber verpflichtet, für die Zeit der Verhandlungen im Atomstreit alle nuklearen Aktivitäten zu suspendieren. Nach heftigen Debatten forderte der Gouverneursrat der IAEA gestern einmütig die Islamische Republik auf, zu ihrer ursprünglichen Zusage zurückzukehren. Mit einer Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats drohte der Rat in seiner Entschließung noch nicht, forderte IAEA-Chef Mohammed el-Baradei aber zu einem neuen Lagebericht bis 3. September auf.

Rafsandschani mahnte die iranische Bevölkerung, die Entwicklungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: "Das Geschehen bei der IAEA ist entscheidend, es schafft neue Bedingungen für unser Land, für die gesamte Region, es schlägt in der Geschichte der Islamischen Revolution eine neue Seite auf."

"Die Welt ist sich einig"

Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush Kritik an Iran geübt. "Die Welt ist sich einig, dass die Iraner nicht die Mittel haben sollen, Atomwaffen zu entwickeln", sagte Bush auf seiner Ranch in Crawford (Texas). Die USA unterstützten weiter die Verhandlungen der drei EU- Staaten Deutschland, Großbritannien und Frankreich mit Iran. Die Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei ein "positiver erster Schritt".

"Wenn Iran nicht die erforderlichen Schritte unternimmt, die in der IAEA-Resolution beschrieben sind, dann erwarten wir als nächsten Schritt den Gang zum Uno-Sicherheitsrat", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Adam Ereli, in Washington. Die Regierung in Teheran müsse die Uran-Umwandlung in Isfahan unverzüglich beenden, forderte er. Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan begrüßte dem Beschluss der IAEA. Der Generalsekretär hoffe, dass die Resolution umgesetzt werde, sagte ein Sprecher Annans.

Einen Tag nach der Inbetriebnahme der Atomanlage bei Isfahan hatte die Uno-Atombehörde in Wien Iran aufgefordert, seine Entscheidung rückgängig zu machen und die Uranumwandlung zu stoppen. Nach tagelangen Verhandlungen beschloss der Gouverneursrat der IAEA gestern einstimmig eine Resolution, in der das Gremium seine "ernste Besorgnis" darüber ausdrückt, dass Teheran wieder mit der Uranumwandlung begonnen habe. Iran wird darin "dringend aufgefordert", alle Aktivitäten in Hinblick auf sein Programm zur Urananreicherung wieder auszusetzen. In der Resolution wird eine mögliche Einschaltung des Uno-Sicherheitsrates, der Sanktionen verhängen könnte, aber nicht erwähnt.



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