Atomstreit Iran setzt auf Konfrontation

Iran zeigt sich im Atomstreit trotz internationaler Proteste unbeeindruckt: Sein Land werde sich dem Druck nicht beugen, sagte Verteidigungsminister Schamanchi. Vorerst erwarte er keine Sanktionen.


Isfahan: Iranische Nuklearexperten arbeiten in der Atomanlage
DPA

Isfahan: Iranische Nuklearexperten arbeiten in der Atomanlage

Teheran/New York - Selbst wenn der Uno-Sicherheitsrat Sanktionen gegen sein Land verhängen würde, werde dies nichts ändern, da es auch jetzt schon Sanktionen gegen den Iran gebe, sagte Schamanchi heute. Er rechne aber ohnehin nicht damit, dass die Internationale Atom-Energiebehörde IAEA die Angelegenheit sofort an den Uno-Sicherheitsrat weiterleiten werde. Vermutlich werde zunächst eine Resolution verabschiedet werden.

Im Uno-Hauptquartier mehren sich jedoch die Stimmen, die von einer Einschaltung des Sicherheitsrates ausgehen, hieß es in Uno-Kreisen. Amerikanische Diplomaten würden bereits eine Resolution zur Verurteilung Teherans ins Gespräch bringen. Danach könne die Verhängung von Sanktionen folgen.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte unterdessen an Iran, im Streit um seine Atomenergie-Pläne Zurückhaltung zu üben. Teheran müsse die Verhandlungen mit der EU fortsetzen, erklärte Annan nach Angaben eines Uno-Sprechers bei einem Telefonat mit dem neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Auch die USA haben die Wiederaufnahme von Teilen des iranischen Atomprogramms gestern scharf kritisiert, auf eine neuerliche Androhung von Sanktionen aber zunächst verzichtet. Auf die Frage, ob Washington wie in der Vergangenheit angekündigt im Weltsicherheitsrat auf Sanktionen gegen Teheran drängen werde, wollten Regierungssprecher nicht direkt eingehen. Außenamtssprecher Adam Ereli sagte lediglich, die Haltung der USA sei bekannt. Er fügte hinzu, die USA würden die EU im Bemühen um weitere Verhandlungen mit dem Iran unterstützen. Zugleich kritisierte er, mit der Zurückweisung des jüngsten Verhandlungsangebots habe der Iran "einem produktiven Vorschlag eine lange Nase gedreht".

Dennoch hofft Washington noch, dass die Verhandlungspartner "den Geist in seine Flasche zurückzwingen können", wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums bestätigte. Neue Anreize werde man Teheran für ein Einlenken aber nicht bieten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) rief Iran im Atomstreit mit der EU zum Einlenken aufgerufen. Ihm mache die aktuelle Politik des Landes Sorge, sagte Schröder heute in München. Er rate dazu, dass die Position Irans dringend überprüft werde. Es handle sich um eine der schwierigsten Operationen in der jetzigen Zeit. Schröder sprach sich gegen eine Eskalation des Konflikts aus. "Ich sehe keine andere Möglichkeit als die Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erreichen."

Der Iran hatte gestern trotz internationaler Proteste seine Drohung wahr gemacht und seine umstrittene Atomanlage in Isfahan wieder in Betrieb genommen. Der Gouverneursrat der IAEA berät am Nachmittag in einer Krisensitzung in Wien über den Streit. Das Gremium wird Diplomatenangaben zufolge Teheran ultimativ auffordern, die Uran-Konversion zu beenden und die Verhandlungen mit der EU fortzusetzen. Die EU will der Wiener Atombehörde eine Resolution vorlegen, in der Iran zur Einstellung aller Arbeiten in Isfahan gedrängt wird.



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