Atomstreit Iran sieht sich für Krieg gewappnet

Die Konfrontation zwischen Iran und den USA wird schärfer. US-Top-Journalist Hersh berichtet, das Pentagon unterhalte eine Planungsgruppe für einen Luftkrieg. Ein Militärschlag könne innerhalb von 24 Stunden ausgeführt werden. Teheran hält dagegen: Man sei auf Krieg vorbereitet.


Teheran/Washington - Iran lässt sich nicht einschüchtern. Auch weitere Sanktionen der Vereinten Nationen (Uno) würden die Islamische Republik nicht zum Stopp des Atomprogramms führen, sagte der stellvertretende Außenminister Manuchehr Mohammadi laut der Nachrichtenagentur Isna. Sein Land sei "sogar auf Krieg" vorbereitet.

Auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich in der Atomfrage entschlossen. Iran bewege sich bei diesem Thema wie ein Zug ohne "Bremsen und Rückwärtsgang", zitierte Isna den Politiker.

Die Uno hatten im Dezember Sanktionen gegen Iran wegen dessen Atomprogramm verhängt. Am Montag wollen die fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats und Deutschland Beratungen über eine Verlängerung oder Verschärfung der Strafmaßnahmen aufnehmen, nachdem Iran eine Frist zum Stopp seiner Urananreicherung verstreichen lassen hat.

Doch die Verlängerung und Verschärfung der Sanktionen ist nicht die einzige Gefahr, die Teheran droht, sollte das Regime sein Atomprogramm nicht stoppen. In der neuesten Ausgabe des "New Yorker" schreibt der Pulitzer-Preisträger und Mann mit gewöhnlich besten Quellen, Seymour Hersh, dass ein Militärschlag gegen Iran auf Befehl des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden ausgeführt werden könne. Beim Generalstab des Pentagons sei eine spezielle Planungsgruppe für einen Luftkrieg gegen den Iran geschaffen worden.

Zurzeit gehe es jedoch darum, Ziele ausfindig zu machen, die Aufständische im Irak versorgten. Bei der Verfolgung iranischer Agenten hätten US-Sondereinheiten vom Irak aus auch die Grenze zu Iran überschritten.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, wies den Bericht zurück. "Die Vereinigten Staaten planen nicht, gegen den Iran in den Krieg zu ziehen. Alle gegenteiligen Behauptungen sind schlicht falsch, irreführend und bösartig." Nach Angaben von Ministeriumsvertretern gibt es für dutzende potenzielle Krisengebiete Notfallpläne der USA. Diese würden regelmäßig aktualisiert.

Ein Flottenverband um den zweiten Flugzeugträger "USS John C. Stennis" ist inzwischen in den Persischen Golf eingelaufen. US-Vizepräsident Dick Cheney nennt das ein "sehr starkes Signal an jedermann in der Region", dass die von Iran ausgehende Gefahr sehr ernst genommen werde. Die USA haben auch Minensuchboote für den Fall stationiert, dass Iran die Routen der mit Rohöl beladenen Tankschiffe in der Straße von Hormus, einer Meeresenge im Persischen Golf, mit Minen blockieren sollte.

Und schließlich spitzten US-Militärkommentatoren bei der Berufung eines Admirals zum neuen Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos die Ohren. Die Ernennung von Admiral William Fallon deute darauf hin, dass die USA etwas anderes als einen Bodenkrieg im Sinn hätten, schreibt Patrick Lang, früherer Mitarbeiter des Armeegeheimdienstes, in einem Diskussionsforum im Internet.

1500 Ziele im Visier

Für Iran bedarf es keiner Spione im Pentagon, um zu wissen, was bei einem Donnerschlag aus der Luft und von der See aus auf das Land zukommen könnte. Nach Informationen des US-Nachrichtenmagazins "Time" sollen zur Auslöschung des iranischen Atomprogramms 1500 Ziele bombardiert werden.

Selbst der Einsatz von so genannten taktischen Atomwaffen werde erwogen, um unterirdische Bunkeranlagen zu brechen, schreibt der US-Autor Craig Unger in einem in der "Vanity Fair" veröffentlichten Iran-Dossier. Weil die USA den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hätten und damit ein Land ohne Atomwaffen wie Iran nicht mit Atomwaffen angreifen dürften, könnte der Verbündete Israel ins Spiel kommen. Israel habe zwar den Besitz von Atomwaffen offiziell nicht zugegeben, andererseits aber auch nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Israel fühlt sich in seiner Existenz bedroht, falls Iran einmal Atomwaffen besitzen sollte.

Das auf internationale Sicherheitsfragen spezialisierte Internet-Portal globalsecurity.org führt bereits eine Rubrik "Angriffsziel Iran - Zeitleiste des Countdowns". Danach wird der Weltsicherheitsrat die nächste Iran-Resolution irgendwann nach dem 9. März, nach Ende der Tagung des Gouverneursrates der Atomenergie-Behörde (IAEO), verabschieden. Sollte alle Diplomatie in den kommenden Monaten nichts fruchten, dann könnte der Angriff in den Wochen vor dem 3. September, dem offiziellen Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA erfolgen, spekulieren die Autoren.

Ungeachtet aller Drohkulissen setzt die US-Regierung derzeit weiter auf Diplomatie und ein gemeinsames Vorgehen der Weltgemeinschaft. "Wir planen nicht für einen Krieg gegen Iran", sagte zuletzt Verteidigungsminister Robert Gates. Die US-Medien berichten unter Berufung auf hochrangige Regierungsbeamte, dass Iran vor allem mit spürbaren Sanktionen im Finanzbereich zum Einlenken gezwungen werden soll. Noch besteht nach den Worten von Außenministerin Rice die Hoffnung, dass die "vernünftigen Kräfte" in Iran den Kurs ändern und das Zepter an sich reißen.

Muslimische Außenminister fordern diplomatische Lösung

Die Außenminister von sieben einflussreichen islamischen Staaten haben sich für eine "diplomatische Lösung" im Atomstreit mit Iran ausgesprochen. Die jüngste "Eskalation der Spannungen" wecke große Sorge, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Außenminister von Pakistan, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Indonesien und der Türkei, die vom pakistanischen Vertreter Khurshid Kasuri in Islamabad verlesen wurde.

Alle Streitpunkte sollten auf diplomatischem Weg und nicht durch Gewalt gelöst werden, heißt es darin weiter. Anstatt die angespannte Situation in der Golfregion weiter anzuheizen, sollte auf eine Entspannung hingearbeitet werden, erklärten die Minister. Sie forderten alle Staaten auf, gemeinsam dieses Ziel zu verfolgen.

Das eintägige Treffen, an dem auch der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, teilnahm, war auf Initiative des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf zustande gekommen. Der General hatte im Januar auf einer Rundreise durch die islamischen Staaten dafür geworben, gemeinsam nach einer islamischen Lösung der zahlreichen Konflikte im Nahen Osten zu suchen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen neben dem Atomstreit mit Iran die anhaltende Gewalt im Irak sowie der Dauerkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Die Beratungen dienten auch der Vorbereitung eines späteren islamischen Gipfels unter Leitung des saudiarabischen Königs Abdallah.

Um zu verhindern, dass Iran Atombomben entwickeln kann, plädierte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung für einen Schulterschluss mit Russland und China. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, er habe eine neue Nachdenklichkeit bei seinen Gesprächen mit der iranischen Seite wahrgenommen. Es scheine in Teheran angekommen zu sein, dass auch ein prestigeträchtiges Atomprogramm alleine "die Menschen in Iran nicht satt macht", sagte er der Zeitung "Die Welt". Offenkundig gebe es Stimmen, die über die Annahme des Kooperationsangebotes nachdächten.

asc/dpa/Reuters/AP/AFP



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