Verhandlungen in Genf Durchbruch im Atomstreit mit Iran

"Wir haben eine Einigung": Bei den internationalen Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Genf ist eine Übergangslösung erreicht worden. Iran soll Teile seines Atomprogramms aufgeben und tägliche Kontrollen ermöglichen, die Weltgemeinschaft lockert im Gegenzug ihre Wirtschaftssanktionen.
Iranischer Außenminister Dschawad Sarif (rechts) mit Schweizer Amtskollegen Didier Burkhalter: Deal in der Nacht auf Sonntag

Iranischer Außenminister Dschawad Sarif (rechts) mit Schweizer Amtskollegen Didier Burkhalter: Deal in der Nacht auf Sonntag

Foto: MARTIAL TREZZINI/ AFP

Genf - Der Übereinkunft ging ein Verhandlungsmarathon voraus. "Wir haben in den 5+1-Gesprächen eine Einigung", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am frühen Sonntagmorgen. Vertreter der fünf Uno-Vetomächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschlands (5+1) hatten bereits den vierten Tag mit der iranischen Delegation über eine Übergangslösung verhandelt.

Diplomaten verließen in der Nacht das Interconti-Hotel in Genf, nannten den wartenden Journalisten aber keine Details. Auch die iranische Seite bestätigte aber, dass eine Übereinkunft gefunden worden sei. US-Präsident Barack Obama wollte die Einigung später persönlich kommentieren.

In dem Abkommen wurde nach Angaben des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif das Recht Irans auf Urananreicherung anerkannt - allerdings werde die Anreicherung auf mehr als fünf Prozent für zunächst sechs Monate eingefroren. Dazu sollen die Verbindungen zwischen den Zentrifugen unterbrochen werden, berichtete die "New York Times". Zudem sollen tägliche Kontrollen von internationalen Inspekteuren erlaubt werden. Der Westen hatte bisher stets vermutet, dass Teheran unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms an Nuklearwaffen arbeitet.

Eine Quelle im Weißen Haus betonte, das Recht auf Urananreicherung sei nicht anerkannt worden.

Als Gegenleistung erhält Teheran vom Westen eine vorläufige Aufhebung der Sanktionen. Das soll dem Land eine finanzielle Entlastung von rund sieben Milliarden US-Dollar bringen. Manche iranischen Auslandsguthaben, die eingefroren wurden, könnten nun entsperrt werden.

Israel nennt Abkommen "schlechten Deal"

Ziel der Gespräche war es, den jahrelangen Streit um das iranische Atomprogramm beizulegen. Am Freitag und Samstag stießen die jeweiligen Außenminister zu den Gesprächen hinzu. Der russische Außenminister Sergej Lawrowwar am Freitagabend in der Schweiz eingetroffen, sein US-Kollege John Kerrykam am Samstag an.

Es war die dritte Verhandlungsrunde innerhalb von fünf Wochen, sie hatte am Mittwoch begonnen. Diese erste Vereinbarung soll offenbar sechs Monate gültig sein, um dann eine grundsätzliche Einigung erreichen zu können. Die Weltgemeinschaft verdächtigt die Regierung in Teheran, nach Atomwaffen zu streben, was diese bestreitet.

Israel kritisierte das Abkommen heftig. "Das ist ein schlechter Deal", sagte ein Mitarbeiter des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag in einer ersten Reaktion. Wirtschaftsminister Naftali Bennett, der Netanjahus Sicherheitskabinett angehört, erklärte im israelischen Armeerundfunk, Israel sehe sich nicht an die Vereinbarung gebunden. Es sei ein "schlechtes, sehr schlechtes Abkommen" unterzeichnet worden.

sef/itz/dpa/AFP/Reuters
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