Atomstreit Iran will schon 100 Kilo Uran angereichert haben

Iran lässt im Streit über sein Atomprogramm erneut die Muskeln spielen. Man habe schon über 100 Kilogramm Uran angereichert und mehr als 3000 Zentrifugen, teilte die Regierung in Teheran vor einem Treffen mit der Internationalen Atomenergiebehörde mit.

Teheran - Sein Land habe bereits einen Vorrat von 100 Kilogramm angereicherten Urans, behauptete Innenminister Mostafa Pour-Mohammadi. Außerdem verfüge das Land über mehr als 3000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung. Er sagte nichts darüber, wie hoch das Uran angereichert wurde. Das ist entscheidend dafür, ob das spaltbare Material in Kraftwerken eingesetzt oder zum Bau einer Atombombe genutzt werden kann. Nach Angaben von Fachleuten sind rund 500 Kilogramm hochangereichertes Uran für den Bau einer Bombe nötig.

Der Politiker machte diese Äußerungen unmittelbar vor einem Treffen seines Nuklearunterhändlers Ali Laridschani mit Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der Europäischen Union. Seine Angaben wurden iranischen Fachleuten zunächst nicht bestätigt.

Iran hatte erst kürzlich angekündigt, die Zusammenarbeit mit der IAEA weiter einzuschränken, falls der Uno-Sicherheitsrat neue Sanktionen gegen Teheran beschließt. Gleichzeitig warf der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen in Wien, Ali Asgar Soltanieh, der EU vor, durch die Unterstützung von Sanktionen gegen den Iran "ein Vertrauensdefizit geschaffen" zu haben. Die Forderung des Sicherheitsrates nach einer Aussetzung des iranischen Atomprogramms entbehre "jeder technischen und rechtlichen Grundlage". Teheran hatte die Zusammenarbeit mit der Wiener Atombehörde in den vergangenen Monaten bereits stark eingeschränkt.

Ahmadinedschad winkt trotz hoher Inflation Zinssenkung durch

Präsident Mahmud Ahmadinedschad gab unterdessen grünes Licht für eine massive Zinssenkung, die die Inflation in der Islamischen Republik weiter anheizen dürfte. Staatliche Banken können nun nur noch einen Zinssatz von zwölf Prozent für ihre Darlehen verlangen, Privatbanken immerhin 13 Prozent. Damit verbilligen sich Kredite künftig derart, dass sich die Geldhäuser angesichts einer Inflationsrate von rund 17 Prozent auf Verlustgeschäfte einstellen müssen. Eine Gruppe von fast 60 iranischen Volkswirten hatte bereits vorige Woche die Regierung gewarnt, eine Zinssenkung schüre die Geldentwertung und hemme das Wachstum.

Die iranische Volkswirtschaft expandiert zwar derzeit um mehr als fünf Prozent, doch hat das Land mit einer zweistelligen Arbeitslosenquote zu kämpfen. Ahmadinedschad hatte von dem für die Kreditzinsen zuständigen Expertenrat im Mai noch niedrigere Raten für Privatbanken gefordert, gab sich jetzt aber mit einer Verringerung um bis zu vier Prozentpunkte zufrieden. Dennoch befürchten Kritiker, dass das Privatisierungsprogramm der Regierung nun Schaden nehmen könnte, das eigentlich für mehr Wettbewerb in dem vom Staat dominierten Industrie- und Bankensektor sorgen soll.

Ahmadinedschad hat die Kritik an den Zinsschnitten als Versuch einiger Medien abgetan, die Regierungspolitik zu diskreditieren. Der international wegen seiner israelfeindlichen Hasstiraden und umstrittenen Atompolitik weitgehend isolierte Politiker war 2005 mit dem Versprechen ins Präsidentenamt eingezogen, den Ölreichtum des Landes gerechter unter der schnell wachsenden Bevölkerung verteilen zu wollen.

als/Reuters/AP/dpa

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