Atomstreit Irans Raketen könnten bis nach Europa reichen

Das US-Verteidigungsministerium hält die iranischen Drohungen für glaubhaft: Die Mittelstreckenraketen des Landes sollen eine Reichweite bis nach Europa haben. Experten sprechen dagegen weiter von einem Bluff.

Washington/Teheran - Griechenland, Serbien, Rumänien und Weißrussland könnten womöglich von iranischen Raketen erreicht werden. Das ist die Einschätzung des Leiters der US-Raketenabwehr, Trey Obering. Teile Ost- und Südeuropas könnten getroffen werden, sagte er. Obering geht davon aus, dass die islamische Republik inzwischen über eine ballistische Rakete mit einer Reichweite von 2000 Kilometern verfügt - wie vom Regime behauptet.

Auf Grundlage von Geheimdienstinformationen und iranischen Medienberichten erwartet Obering, dass Iran die Reichweite weiter vergrößern könne. Zu der Frage, ob das iranische Militär schon eine solche weiterreichende Rakete getestet habe, wollte er sich nicht äußern.

In der vergangenen Woche hatte Irans Militär mehrere Raketen getestet. Darunter war auch eine neue Version der Mittelstreckenrakete Schahab-3, die in ihrer alten Ausführung eine Reichweite von 1300 Kilometern hat und nun auf die 2000 Kilometer kommen soll.

Unabhängige Rüstungsexperten bezweifeln diese Reichweite iranischer Raketen weiterhin stark. Die "New York Times" zitiert Charles Vick von GlobalSecurity.org, der auf den Bildern der Raketentests alte Schahabs mit einer geringeren Reichweite erkannt haben will. "Es scheint, als hätte Iran seine Bestände ausräumen wollen", so Vick. Die Nachrichtenagentur AP zitierte aus Sicherheitskreisen der USA, die Tests hätten keinerlei neue Leistungsfähigkeiten bewiesen.

Doch eine Woche nach den umstrittenen Raketentests hat Iran nun neue Militärübungen angekündigt. Die Luftwaffe plane bald großangelegte Angriffs- und Verteidigungsmanöver, zitierte ein staatlicher Fernsehsender am Mittwoch den Befehlshaber der Luftstreitkräfte, Ahmad Mighani. Iran hat Schätzungen zufolge 280 Kampfflugzeuge, darunter Maschinen des russischen Typs MiG 29. Einsatzbereit sind demnach aber nur maximal 80 Prozent der Flugzeuge.

Die Raketentests haben die Spannungen im Atomstreit mit dem Westen weiter verschärft. Die USA reagierten mit einer Sicherheitsgarantie für ihre Verbündeten in der Golfregion. Die ohnehin schon hohen Ölpreise stiegen wegen Spekulationen über Angriffe der USA oder Israels auf iranische Atomanlagen und iranischen Vergeltungsschlägen auf neue Rekordstände.

Erstmals will nun ein hochrangiger Vertreter des US- Außenministeriums an einem in Genf geplanten Gespräch über das iranische Atomprogramm teilnehmen. Staatssekretär William Burns werde zu dem an diesem Wochenende geplanten Treffen des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit dem iranischen Atomunterhändler Said Dschalili in die Schweiz reisen, berichteten am Mittwoch übereinstimmend mehrere US-Zeitungen. Bei dem Gespräch soll es um das Verhandlungsangebot gehen, das die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland Mitte Juni vorgelegt hatten.

Iran bestreitet Vorwürfe, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, und lehnt einen Stopp der Urananreicherung ab.

fat/Reuters/dpa

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