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02. Februar 2010, 23:59 Uhr

Atomstreit mit Iran

Ahmadinedschad will angeblich einlenken

Mögliche Entspannung im Konflikt um das iranische Atomprogramm: Die Regierung in Teheran ist nun angeblich doch bereit, Uran im Ausland anreichern zu lassen. Dies erklärte Präsident Ahmadinedschad in einem Interview und gab an, "technische Gründe" hätten den Kurswechsel beeinflusst.

Teheran - Nach massivem internationalen Druck will die iranische Führung im Atomstreit mit dem Westen offenbar einlenken. Das kündigte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Dienstagabend überraschend in einem Interview des staatlichen Fernsehens in Teheran an.

Ahmadinedschad sagte, Iran sei bereit, einen Vertrag zum Uranaustausch mit den Nuklearmächten abzuschließen. Niedrig angereichertes Uran könne dafür aus Iran auch ins Ausland gebracht werden, sagte er. Dagegen hatte sich Teheran bislang beharrlich gesperrt.

Der Westen hatte Iran seit Monaten gedrängt, einen Vorschlag zur Urananreicherung in Frankreich und Russland anzunehmen. Demnach sollte niedrig angereichertes Uran (3,5 Prozent) aus dem islamischen Staat im Ausland auf einen Anreicherungsgrad von 20 Prozent gebracht werden, um dann als Brennstoff für einen Forschungsreaktor in Teheran genutzt zu werden.

Uran mit einem Anteil von drei bis fünf Prozent des spaltbaren Isotops U235 kann als Brennstoff in Kernreaktoren eingesetzt werden. Im Natururan kommt U235 nur zu 0,7 Prozent vor. Bei einem Grad von 20 Prozent - wie von Iran für medizinische Zwecke verwendet - gilt Uran bereits als hochangereichert. Technisch werden für den Anreicherungsprozess in der Regel Gaszentrifugen verwendet, von denen Iran Tausende besitzt.

Die internationale Gemeinschaft verdächtigt Iran, heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Die Führung in Teheran hat das stets zurückgewiesen. Für den Bau von Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent erforderlich.

Neue Verhandlungsbereitschaft aus "technischen Gründen"

Bislang hatte die iranische Führung darauf bestanden, dass der Austausch von niedrig angereichertem gegen höher angereichertes Uran in drei Phasen und auf iranischem Boden erfolgen sollte. Das lehnten sowohl die Internationale Atomenergiebehörde als auch die Weltmächte ab und drohten mit neuerlichen Sanktionen.

"Wir sind nicht dagegen, unser niedrig angereichertes Uran ins Ausland zu senden, weil wir eine konstruktive Zusammenarbeit wollen und weil wir jederzeit das niedrig angereicherte Uran wieder in Iran produzieren können", sagte Ahmadinedschad. Für seine Abkehr vom bisherigen Standpunkt nannte er "technische Gründe".

Die EU und die USA hatten zuletzt mit massiven Wirtschaftssanktionen gedroht. Unter anderem wollten die USA Firmen bestrafen, die Kraftstoff oder andere Erdölprodukte an Iran liefern. Das islamische Land ist trotz seiner reichen Erdölvorkommen dringend auf Treibstoff aus dem Ausland angewiesen, weil die Raffineriekapazitäten nicht ausreichen.

jok/dpa

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