Atomstreit mit Iran Inspekteure sollen Siegel in Isfahan entfernen

Der Atomstreit spitzt sich zu: Die Inspekteure der Atomenergiebehörde sind an der umstrittenen Atomanlage Isfahan eingetroffen, um dort Überwachungskameras zu installieren und ihre Siegel zu entfernen. Die iranische Regierung will heute offiziell auf die jüngsten Kompromissvorschläge der EU antworten.


Techniker in der Atomanlage Isfahan (Archivbild): "Ernsthafte internationale Krise"
REUTERS

Techniker in der Atomanlage Isfahan (Archivbild): "Ernsthafte internationale Krise"

Teheran/Berlin - Die Stellungnahme des Außenministeriums im Streit um das iranische Atomprogramm soll nach Angaben aus Diplomatenkreisen heute Mittag den Botschaftern des sogenannten EU-Trios überreicht werden. Großbritannien, Deutschland und Frankreich hatten Teheran am Freitag eine enge Kooperation bei Handelsfragen und der friedlichen Nutzung der Kernenergie angeboten, sollte Iran auf die Urananreicherung dauerhaft verzichten.

Das Trio, das sich seit Monaten um eine Lösung im Atomstreit bemüht, hat für den Fall einer Wiederaufnahme des Programms mit einem Abbruch der Gespräche gedroht. Zudem wollen die so genannten EU-3 die Angelegenheit dann möglicherweise im Uno-Sicherheitsrat vorlegen.

Gestern hatte der iranische Außenminister Kamal Charrasi die EU-Vorschläge zurückgewiesen, weil sie die Forderung Irans nach einem eigenen atomaren Brennstoffkreislauf nicht berücksichtigten. Gleichzeitig bekräftigte er, dass Iran die Arbeit in der Atomanlage von Isfahan bereits heute wieder aufnehmen werde. Dies soll unter der Aufsicht von Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) erfolgen.

In der seit Dezember 2004 stillgelegten Anlage wird Uran in das Gas Uranhexafluorid umgewandelt. Aus diesem Grundstoff kann mit Gaszentrifugen angereichertes Uran hergestellt werden, das - je nach Anreicherungsgrad - zur Herstellung von atomarem Brennstoff oder von Atomwaffen verwendet wird.

Der SPD-Außenexperte Gernot Erler befürchtet eine weitere Zuspitzung der Lage. "Wir stehen jetzt wirklich einen Schritt vor einer ernsthaften internationalen Krise", sagte Erler in der ARD. Es gebe "keine richtigen Zweifel", dass Iran Atomwaffen bauen wolle, da das Land in der Vergangenheit gegen Auflagen der IAEA verstoßen habe.

Wenn die Anlage in Isfahan angefahren werde, dann könne der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde gar nicht anders, als noch einmal eine letzte Warnung auszusprechen oder den Fall direkt an die Vereinten Nationen zu leiten. Dort werde dann über Sanktionen geredet.



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