Atomstreit Nordkorea droht USA mit menschlichen Bomben

Die USA bereiten im Atomstreit mit Nordkorea eine massive Verlegung von Truppen in die Pazifik-Region vor. Die Regierung in Pjöngjang warf den Amerikanern vor, zu einem tödlichen Schlag auszuholen.

Seoul/New York - Nordkorea warf den USA vor, das kommunistische Land "militärisch ersticken" zu wollen. Staatschef Kim Jong Il besichtigte einen Marinestützpunkt und rühmte die Matrosen nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA als "unbezwingbare Kämpfer". Sie seien bereit, im Kriegsfall zu "menschlichen Bomben" zu werden.

Die kommunistische Regierung Nordkoreas spricht seit Tagen von einem möglichen Krieg gegen die USA. Die Eskalation in den Beziehungen beider Staaten hatte Ende vergangenen Jahres mit der Wiederaufnahme des Atomprogramms in Nordkorea begonnen. Dies dient nach Einschätzung der USA dem Versuch, atomwaffenfähiges Material zu gewinnen. Die USA haben Nordkorea einen Dialog angeboten, dies aber von einem Verzicht auf das Atomprogramm abhängig gemacht. In der staatlichen Zeitung "Rodong Sinmun" wurde das Angebot zum Dialog als "zynisches Spiel" zurückgewiesen.

US-Bomber, Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe könnten näher an die koreanische Halbinsel verlegt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Dies solle Nordkorea vor aggressiven Handlungen während eines Irak-Kriegs abhalten. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte kürzlich erklärt, dass er die Entsendung eines Flugzeugträgers in das Seegebiet vor Korea und die Stationierung zusätzlicher Bomber auf dem Stützpunkt Guam im Indischen Ozean erwäge.

Der Befehlshaber der US-Truppen im Pazifikraum, Admiral Thomas Fargo, hatte eine Verstärkung der Truppen gefordert. Rumsfeld habe die Verlegung von B-52-Bombern, F-16-Kampfflugzeugen oder Kriegsschiffen jedoch noch nicht abschließend genehmigt, hieß es aus Washington. Eine Aufstockung der 37.000 in Südkorea stationierten US-Soldaten sei ausdrücklich nicht vorgesehen.

Nordkorea hat angekündigt, Sanktionen der Uno als Kriegserklärung zu werten. Die meisten Experten gehen davon aus, dass auch ein präzise ausgeführter Militärschlag gegen die Reaktoranlagen zu einem nordkoreanischen Angriff auf Südkorea führen würde. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul liegt in der Reichweite von 10.000 nordkoreanischen Artilleriegeschützen.

Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes NIS hat Nordkorea 1,17 Millionen Soldaten unter Waffen, verglichen mit 690.000 Soldaten in Südkorea. Beide Staaten befinden sich seit dem Koreakrieg 1950 bis 1953 formell noch im Kriegszustand.

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