Atomstreit Putin reist trotz Anschlagsgerüchten nach Teheran

Kalkül oder Courage? Wladimir Putin will heute trotz einer Anschlagswarnung und Gerüchten über eine Absage nach Teheran reisen. Wenn er solche Drohungen immer ernst nehme, könne er sein Haus nicht mehr verlassen, gab sich der Kreml-Chef selbstbewusst.


Wiesbaden – Zuerst hatte es wilde Gerüchte über eine Absage der Reise gegeben, aber dann sorgte Putin selbst für die Klarstellung. Er werde "natürlich" wie geplant nach Iran reisen, sagte der Kreml-Chef auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden. "Würde ich immer solchen Bedrohungen Aufmerksamkeit schenken, könnte ich mein Haus nicht mehr verlassen."

Putin und Merkel: Zusammenarbeit im Atomstreit mit Iran
DDP

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Die russische Presse hatte gestern Informationen veröffentlicht, wonach in Iran ein Anschlag auf den russischen Staatschef geplant werde. Gleich mehrere Selbstmordkommandos strebten Attentate an.

Aus Putins Umgebung hatte es daraufhin heute Vormittag unterschiedliche und unklare Aussagen gegeben, ob es tatsächlich zur Reise nach Teheran kommt. "Es gibt keine Information, dass der Besuch noch immer geplant ist", stellte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow die Reise gegenüber der Nachrichtenagentur AP in Frage. Später wurde er mit dem Satz zitiert: "Im Moment können wir zur Frage, ob Putin nach Teheran kommt, nichts mitteilen."

Putin will am Abend von Deutschland aus nach Teheran fliegen. Neben der Teilnahme am Treffen der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres soll er morgen in Teheran auch über das umstrittene iranische Atomprogramm sprechen.

Der Streit über das Atomprogramm Irans müsse wie im Atomstreit mit Nordkorea mit friedlichen Mitteln gelöst werden, forderte Putin. Hierfür sei Geduld notwendig. Dagegen wären Einschüchterungsversuche gegenüber der iranischen Regierung aussichtslos. Zugleich bekräftigte er seinen Willen, bei der Lösung mit der EU und den USA zusammenzuarbeiten.

Westliche Staaten verdächtigen Iran, Atomwaffen entwickeln zu wollen, was die Islamische Republik bestreitet. Der Sicherheitsrat hat wegen der Weigerung des Landes, sein Atomprogramm zu stoppen, bereits zwei Resolutionen verabschiedet. Russland steht schärferen Sanktionen skeptisch gegenüber, die vor allem von den USA und Frankreich angestrebt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie sehe eine Chance für Fortschritte auf dem Verhandlungsweg. Klar sei aber auch, dass Teheran der Resolution des Sicherheitsrates nachkommen müsse. Wenn die iranische Regierung nicht einlenke, müsse "eine Runde neuer Sanktionen" eingeleitet werden.

als/dpa/AP



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