Atomstreit Russland bezweifelt Irans Uran-Coup

Mahmud Ahmadinedschad sorgte weltweit für Empörung, als er den Durchbruch in seinem Atom-Programm ausrief. Doch Russland ist skeptisch. Es gebe keine Beweise für entscheidende Fortschritte Teherans bei der Uran-Anreicherung.


Moskau - Über eine grundlegende Änderung beim Atomprogramm der Islamischen Republik gebe es keine Erkenntnisse, teilte das russische Außenministerium mit. Es lägen auch keine Beweise für einen technischen Durchbruch Irans bei der Uran-Anreicherung vor.

Ahmadinedschad (r, in Natans): Der Präsident lässt die Muskeln spielen
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Ahmadinedschad (r, in Natans): Der Präsident lässt die Muskeln spielen

Ahmadinedschad hatte gestern behauptet, Iran sei nun in der Lage, Uran industriell anzureichern. "Iran steht seit heute auf der Liste derjenigen Staaten, die in der Lage sind, nuklearen Brennstoff herzustellen", sagte er gestern in einer Rede in der zentraliranischen Nuklearanlage Natans, wo Uran angereichert wird. 3000 Zentrifugen sollen funktionsfähig sein - genug, um zwei Atombomben pro Jahr zu bauen. Heute teilte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, mit, bis zu 50.000 Zentrifugen zur Urananreicherung in der Anlage in Natans zu installieren.

Die Weltgemeinschaft ist alarmiert und fordert Iran zum Einlenken auf. Zwei Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) trafen heute Morgen in Teheran ein, um von dort aus zu einer Routine-Inspektion der Atomanlage in Natans weiterzureisen. Insgesamt würden die beiden IAEA-Mitarbeiter eine Woche in Iran bleiben, teilte die Nachrichtenagentur Fars mit.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte Ende Dezember 2006 die Resolution 1737 verabschiedet. Darin werden Iran Strafmaßnahmen für den Fall angedroht, dass das Land atomaren Aktivitäten nachgeht, die zur Weiterverbreitung von Atomwaffen führen könnten. Teheran betont jedoch, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient.

Die Kritik am Vorgehen Irans reißt nicht ab. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, plädierte wegen der möglichen Bedrohung durch iranische Nuklearwaffen für ein Raketenschutzschild der Nato. "Meiner Ansicht nach ist Iran zur Zeit die größte Gefahr", sagte der CDU-Politiker im Inforadio des RBB. Angesichts dessen müsse man sich in Deutschland und der Nato verstärkt darüber Gedanken machen, wie man sich schützen könne. "Dazu gehört, dass wir innerhalb der Nato mit größerer Entschlossenheit die Debatte über ein Raketenabwehrsystem führen." Deutschland müsse angesichts der neuen Bedrohungslage zu einem vernünftigen Schutz kommen.

Die iranischen Darstellung, das Land könne sich jetzt mit atomarem Brennstoff selbst versorgen, sei eine schwere Provokation der internationalen Gemeinschaft. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir möglicherweise mit den Schritten, die bisher gegen den Iran unternommen worden sind, unser Ziel nicht erreichen können", sagte von Klaeden. Dies könne bedeuten, dass man weitere Strafmaßnahmen verhängen müsse. Zudem müsse man sich Gedanken machen, wie man mit einem künftig möglicherweise nuklear bewaffneten Iran umgehe. Von der internationalen Gemeinschaft sei jetzt nicht nur Geschlossenheit, sondern auch Entschlossenheit gefragt.

als/ddp/Reuters



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