Atomstreit Spekulationen über Cheneys Kriegspläne gegen Iran

US-Vizepräsident Dick Cheney soll erwogen haben, die Führung in Teheran durch eine Attacke Israels so zu provozieren, dass Iran der Regierung in Washington einen Kriegsvorwand liefert. Bei der amerikanischen Luftwaffe laufen laut einem Medienbericht bereits die Planungen für einen Militärschlag.


Washington - Der ehemalige US-Luftwaffen-Colonel Sam Gardiner, der Kriegssimulationen für Militär- und Politik-Experten veranstaltet, hat sich laut "Newsweek" in der letzten Zeit auf einen möglichen Schlag gegen Iran konzentriert. Erörtert werde bei den Simulationen die Frage: Sind die Einschätzungen israelischer Geheimdienstleute zur Gefahr durch Iran übertrieben? Wird Israel Iran angreifen, wenn die USA das nicht machen? Gardiners Schlussfolgerung: Auch wenn die Vereinigten Staaten noch auf Sanktionen und Diplomatie im Atomstreit setzten, könnte ein Angriff Israels auf Irans Atomanlagen die USA in einen Krieg hineinziehen. "Wenn Israel alleine zuschlägt, wären wir blamiert" zitiert die "Newsweek" Gardiner.

Cheney: Wollte er Israel zu Raketenangriffen auf Iran überreden?
AFP

Cheney: Wollte er Israel zu Raketenangriffen auf Iran überreden?

Entscheidend ist laut dem US-Magazin deshalb nicht, ob die USA zu einem Angriff auf Iran bereit sind, sondern ob es Israel ist. Grund genug habe das Land: Ahmadinedschad habe schließlich regelmäßig verkündet, Israel von der Landkarte löschen zu wollen.

Israel als Schlüssel für einen möglichen Krieg gegen Iran - diesen Fakt wollte laut "Newsweek" US-Vize-Dick Cheney ausnutzen - mit einer Intrige: Cheney habe erwogen, die iranische Führung so zu provozieren, dass sie den USA einen Vorwand für einen Krieg liefert. Unter Berufung auf Aussagen von Cheneys früherem Berater David Wurmser berichtet "Newsweek", Cheney habe Israel zu Raketenangriffen auf iranische Atomanlagen überreden wollen. Wenn Iran dann zurückgeschlagen hätte, wäre das der Anlass für massive US-Angriffe auf militärische und atomare Ziele in dem Golfstaat gewesen. Wurmser habe das wenige Wochen vor seinem Rücktritt aus dem Cheney-Stab im August vor Zeugen gesagt.

Das stetige Abwandern neo-konservativer Politiker aus der Regierung unter Präsident George W. Bush habe jedoch die Aussichten auf die Durchsetzung eines solchen Plans in den vergangenen Wochen und Monaten geschmälert, berichtete "Newsweek". Wurmser war dem Magazin gegenüber zu keinem Kommentar bereit. Seine Frau bestritt die Vorwürfe.

Trotz aller Beteuerungen von Präsident Mahmud Ahmadinedschad: Wie groß die Gefahr Iran ist, belegt eine Studie des Londoner "Institute for Strategic Studies", aus der der britische "Guardian" zitiert. Demnach könnte Teheran im schlimmsten Fall schon 2009 eine Atombombe haben.

Vorbereitungen auf einen potentiellen Krieg gegen Iran laufen unterdessen bereits - glaubt man einem Bericht der britischen "Sunday Times" vom Wochenende. Danach hat die US-Luftwaffe die streng geheime Planungsgruppe "Checkmate" bereits Ende Juni eingesetzt, für den Fall, dass die Spannungen mit Iran im Atomstreit noch wachsen."Kämpfen des nächsten Krieges" heiße der Auftrag, mit dem "Checkmate" betraut sei. Die Gruppe solle direkt an den Chef der US-Luftwaffe, Michael Moseley, Bericht ablegen und besteht laut der Zeitung aus 20 bis 30 Luftwaffen-Offizieren sowie Verteidigungsexperten mit engem Draht zur US-Regierung.

Eine detaillierte Planung über einen möglichen Angriff auf Iran gebe es nach Aussagen der Verteidigungskräfte schon seit zwei Jahren, berichtet die Zeitung weiter. "Checkmate" solle nun eine Prise Brillianz in die Überlegungen der Streitkräfte bringen - und innovative Kriegsstrategien entwickeln.

anr



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