Atomstreit USA bieten Iran direkte Gespräche nur unter Bedingungen an

Bei den Beratungen der fünf Vetomächte und Deutschlands über den Atomstreit mit Iran sehen die Briten Fortschritte. Die USA zeigten sich für den Fall eines Stopps der iranischen Urananreicherung grundsätzlich für direkte Gespräche mit der Regierung in Teheran offen.


Washington/London - Bevor Iran nicht seine Aktivitäten zur Urananreicherung stoppe, werde Präsident George W. Bush bei seiner Ablehnung direkter Gespräche bleiben, sagte der US-Regierungssprecher Tony Snow. Die "Washington Post" hatte zuvor berichtet, dass Iran sich intensiv um direkte Gespräche mit den Vereinigten Staaten bemühe. Dazu hätten ranghohe Vertreter aus Teheran "zahlreiche Vermittler" beauftragt, Washington über Irans Bereitschaft zu direkten Verhandlungen zu informieren, meldete die Zeitung unter Berufung auf US-Behördenvertreter, iranische Experten und ausländische Diplomaten. Diplomaten zufolge will der Iran aber nur mit den USA sprechen, wenn es dafür keine Vorbedingungen gibt.

Bei den Gesprächen der fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat sowie Deutschlands stand ein neuer Kompromissvorschlag der Europäer zur Diskussion. Darin wird nach Angaben aus Diplomatenkreisen auf jegliche Drohung mit Gewalt verzichtet, um den Bedenken Chinas und Russlands Rechnung zu tragen. Diese beiden Länder lehnen einen militärischen Einsatz grundsätzlich ab.

Das Treffen ging am Abend zu Ende. Ein ranghoher britischer Regierungsvertreter sprach von "guten Fortschritten". "Wir hatten konstruktive und wertvolle Erörterungen", sagte John Sawer. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Der Kompromiss soll Iran neue Anreize geben, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Sollte das Land dieser Forderung nicht nachkommen, werden allerdings Sanktionen angedroht, wie die Gewährsleute weiter mitteilten. Dabei verweise der Entwurf auf Kapitel VII, Absatz 41 der Uno-Charta, nicht aber auf Absatz 42, der den Weg für eine mögliche militärische Durchsetzung der Resolution frei machen könnte. Vor jeglichen Schritten wären zudem weitere Beratungen der Uno-Vetomächte notwendig.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan rief Teheran vor Beginn der Londoner Gespräche zur Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auf. Iran solle "die Schatten der Ungewissheit lüften, die sein nukleares Projekt umgeben", und klarstellen, ob er nach Atomwaffen strebe oder nicht, sagte Annan am Mittwoch bei einem Besuch in Vietnam. Sowohl die Europäer als auch der Iran hätten sich zur Fortsetzung der Verhandlungen bereit erklärt. Nun gelte es, auf diesem Wege eine Lösung zu finden.

als/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.