Atomstreit USA wollen Teheran Ultimatum setzen

Die US-Regierung legt Iran die Daumenschrauben an. Laut einem Pressebericht will sie erreichen, dass der Uno-Sicherheitsrat Teheran ein Ultimatum zur Aussetzung seines Atomprogramms setzt. Iran drohte unterdessen mit einem Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde.


Washington/Wien/Teheran - Ein Textentwurf für den Sicherheitsrat sehe vor, dass Teheran 30 Tage Zeit erhalte, um seine Nuklearaktivitäten auszusetzen und mit den Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zusammenzuarbeiten, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf europäische und US-Diplomaten. Andernfalls solle Iran mit "härteren diplomatischen Sanktionen" gedroht werden. Dazu gehörten ein Verbot von Auslandsreisen für führende iranische Politiker und wirtschaftliche Sanktionen oder ein Ölembargo.

Irans Chefunterhändler Ali Laridschani: Drohung mit IAEA-Austritt
DPA

Irans Chefunterhändler Ali Laridschani: Drohung mit IAEA-Austritt

Die US-Regierung geht laut dem Zeitungsbericht davon aus, dass der Streit um das iranische Atomprogramm nach der Sitzung des IAEA-Gouverneurrats am Montag an den Sicherheitsrat überwiesen wird. Washington stelle sich dann auf "schwierige Verhandlungen" unter den 15 Ratsmitgliedern ein, bei denen "viel von Russland abhängt". Der Gouverneursrat wird sich mit dem Atomstreit beschäftigen, nachdem alle Vermittlungsbemühungen der EU und Russlands gescheitert sind.

Zuvor hatte US-Außenamtssprecher Adam Ereli heute die Tagung des IAEA-Gouverneursrats als "Präludium", also als Auftakt, einer Uno-Sicherheitssitzung bezeichnet. Bei der vermutlich mehrere Tage dauernden Sitzung des Gouverneursrats könne der Bericht von IAEA-Direktor Mohamed al-Baradei diskutiert werden, der eine "Vielzahl von Sorgen und Fragen" bestätige, die die USA bereits seit einiger Zeit beschäftigten.

"Auf keinen Fall Atombomben"

Unterdessen drohte Iran heute mit dem Austritt aus der IAEA, falls sich der Uno-Sicherheitsrat in den Atomstreit mit Teheran einschaltet. "Warum wurden wir Mitglied der IAEA? Um die Atomtechnologie haben zu dürfen. Das ist ein Paradox, dass wir IAEA-Mitglied sind und trotzdem nichts tun dürfen. In diesem Fall werden wir aus der IAEA austreten", sagte der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani dem Wiener "Kurier". Anders als Indien oder Pakistan strebe Iran aber "auf keinen Fall" den Bau von Atombomben an, sagte der Diplomat, der auch Sekretär des einflussreichen Nationalen Sicherheitsrats Irans ist.

Der Iran ist seit den späten fünfziger Jahren Mitglied der IAEA und hat Mitte der siebziger Jahre den Atomwaffen- Sperrvertrag unterzeichnet, der jedem Land die friedliche Nutzung der Kernenergie ausdrücklich zusichert.

Am Freitag hatte Iran bei einem Treffen mit den Außenministern Deutschlands und Frankreichs einen vollständigen Verzicht auf die Anreicherung von Uran im eigenen Land abgelehnt. Laridschani erklärte aber am Samstag in Teheran, sein Land sei bereit, für eine begrenzte Zeit der Anreicherung von Uran in Russland zuzustimmen.

har/afp/dpa



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