Atomstreit Weltgemeinschaft fordert Iran zum Einlenken auf

Die von Iran angekündigten neuen Atom-Kapazitäten sind von der Weltgemeinschaft heftig kritisiert worden. Die USA sprachen von einem neuen "Zeichen der Missachtung", Russland von einer "Provokation". Großbritannien verlangt die Einstellung der Urananreicherung.


Moskau/Washington/Teheran - Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Iran auf, den Resolutionen des Weltsicherheitsrats vollständig zu folgen. "Ich hoffe sehr, dass sich die iranische Regierung selbst zu einer Zeit, in der sie Sanktionen des Sicherheitsrats ausgesetzt ist, auf einen Dialog mit dem Ziel der Verständigung einlässt", sagte er.

Die russische Regierung sprach von einer "Provokation". Iran zeige ein weiteres Mal, dass er nicht zu einem Kompromiss mit der Weltgemeinschaft bereit sei, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der russischen Staatsduma, Konstantin Kossatschow. Er sprach von einer "direkten Herausforderung der Weltgemeinschaft". So lange jedoch keine direkten Beweise dafür vorlägen, dass Iran an einem Atomwaffenprogramm arbeite, gebe es keine Alternative zu politischen Verhandlungen.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte neue nukleare Kapazitäten Irans angekündigt. Sein Land könne sich jetzt mit atomarem Brennstoff selbst versorgen. "Iran steht seit heute auf der Liste derjenigen Staaten, die in der Lage sind, nuklearen Brennstoff herzustellen", sagte er gestern in einer Rede in der zentraliranischen Nuklearanlage Natans, wo Uran angereichert wird. 3000 Zentrifugen sollen funktionsfähig sein - genug, um zwei Atombomben pro Jahr zu bauen.

Der iranische Atom-Unterhändler Ali Laridschani drohte mit einer härteren Gangart seines Landes und schloss eine Kündigung des Atomwaffensperrvertrags nicht aus. Heute teilte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, mit, bis zu 50.000 Zentrifugen zur Urananreicherung in der Anlage in Natans zu installieren.

Die USA äußerten sich "sehr besorgt" über die Entwicklung. Washington rufe Teheran auf, seine Verpflichtungen gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und dem Sicherheitsrat zu erfüllen, sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Gordon Johndroe. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, betonte, die jüngste Entwicklung zeige die "vergebene Chance" für die iranische Führung, die internationalen Sorgen ernst zu nehmen. Die Erklärung Ahmadinedschads zeige, dass die internationale Gemeinschaft zu Recht Sanktionen verhängt habe, sagte McCormack.

Großbritannien verlangte von Teheran erneut die Einstellung der Urananreicherung. Das bedeute einen weiteren Verstoß gegen Resolutionen der Uno und IAEA, sagte ein Sprecher des britischen Außenministeriums. Die internationale Gemeinschaft sei sich einig, dass Teheran keine Atomwaffen besitzen dürfe.

Der Sicherheitsrat hatte vor rund zwei Wochen einstimmig eine neue Iran-Resolution verabschiedet, die ein Waffenembargo, Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Auslandsgeldern vorsieht. Sollte Teheran die Urananreicherung nicht binnen 60 Tagen einstellen, drohten "weitere angemessene Maßnahmen". Die neue Resolution verschärft Strafmaßnahmen, die der Sicherheitsrat bereits im Dezember vergangenen Jahres verhängt hatte.

als/AP/dpa



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