Atomtest-Krise Kim Dae Jung warnt vor Vergeltungsschlägen aus Nordkorea

Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung befürchtet Vergeltungsmaßnahmen Nordkoreas wegen der verhängten Wirtschaftssanktionen. US-Außenministerin Rice äußerte Zweifel an dem angeblichen Verzicht Nordkoreas auf weitere Atomwaffentests.


Seoul - US-Außenministerin Condoleezza Rice kann die angebliche Bereitschaft Nordkoreas auf einen Verzicht weiterer Atomtests nicht bestätigt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte am Vortag unter Berufung auf diplomatische Kreise in China gemeldet, dass Nordkorea keinen weiteren Atomwaffentest abhalten wolle.

Machthaber Kim Jong Il mit chinesischem Gesandtem Tang Jiaxuan (li.): Kein Durchbruch
REUTERS

Machthaber Kim Jong Il mit chinesischem Gesandtem Tang Jiaxuan (li.): Kein Durchbruch

Der chinesische Sondergesandte Tang Jiaxuan hatte Kim am Donnerstag getroffen, um die gespannte Lage zu beraten. Das Versprechen wurde als möglicher Durchbruch der diplomatischen Bemühungen Chinas im Atomstreit mit Nordkorea gewertet.

Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung warnte vor Vergeltungsmaßnahmen Nordkoreas gegen die vom Weltsicherheitsrat verhängten Wirtschaftssanktionen. Militärische Gewalt des Nordens sei nicht auszuschließen, sagte Kim im Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Gefahr bestehe insbesondere, wenn die Nachbarländer gemäß den Vorgaben der Vereinten Nationen tatsächlich versuchen sollten, die Ladung nordkoreanischer Schiffe zu kontrollieren. "Wir können nicht sicher sein, ob da ein relativ kleiner Konflikt nicht in Zukunft eskalieren könnte", warnte Kim, der im Oktober 2000 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Er erneuerte seine Kritik an den Sanktionen. Stattdessen plädierte er für direkte Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang, um den Konflikt zu entschärfen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bekräftigte unterdessen in Washington, dass sein Land Südkorea im Falle eines atomaren Angriff Nordkoreas verteidigen würde. "Die USA stehen zu ihrer Verantwortung gegenüber Südkorea", sagte Rumsfeld. Dazu gehöre auch die nukleare Abschreckungswirkung, wie sie im gemeinsamen Verteidigungsabkommen seit dreißig Jahren festgeschrieben sei.

Dies habe Rumsfeld seinem südkoreanischen Amtskollegen Yoon Kwang-Ung bei dessen Besuch in Washington am Freitag versichert, sagte ein US-Vertreter. Nicht einig wurden sich die Verteidigungsminister, ob die USA auf einen nuklearen Angriff ebenfalls zu Atomwaffen greifen würden.

Rice in Moskau eingetroffen

Im Gegenzug habe der US-Minister die Hoffnung geäußert, dass Südkorea sich einer Sicherheitsinitiative gegen die Verbreitung von gefährlichen Waffen anschließen werde. Das von den USA 2003 ins Leben gerufene Programm konzentriert sich auf die Beobachtung von Ländern wie Nordkorea und dem Iran, die im Verdacht stehen, Atomwaffenarsenale anzustreben. Der Initiative sind bislang 70 Staaten beigetreten. Südkorea hat dies jedoch bisher abgelehnt, da es fürchtet, so den Aussöhnungsprozess mit dem nördlichen Nachbarn zu gefährden.

Die USA haben etwa 30.000 Soldaten in Südkorea stationiert, die die 650.000 Mann starke Armee Südkoreas unterstützen. Nordkoreas Armee umfasst 1,2 Millionen Soldaten. Die beiden koreanischen Staaten befinden sich technisch gesehen immer noch im Krieg, da zum Korea Krieg Anfang der 1950er Jahre bisher nur ein Waffenstillstandsabkommen und kein Friedensvertrag beschlossen wurde.

Außenministerin Rice trifft am Samstag in Moskau mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin, ihrem Kollegen Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Iwanow zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte der weitere Umgang mit der nordkoreanischen Regierung wegen des umstrittenen Atomwaffenprogramms stehen. Die US-Außenministerin hatte auf ihrer Asienreise zuvor Station in China, Südkorea und Japan gemacht.

Die USA bemühen sich in einer groß angelegten diplomatischen Offensive darum, dass die von den Vereinten Nationen beschlossenen Strafen gegen Nordkorea möglichst geschlossen Anwendung finden. Russland ist die letzte Station von Rices Reise; die US-Außenministerin hatte in den vergangenen Tagen Gespräche in Japan, Südkorea und China geführt. Nordkorea hatte am 9. Oktober erstmals eine Atomwaffe getestet. Der Uno-Sicherheitsrat hatte daraufhin am Samstag vergangener Woche einstimmig Strafmaßnahmen gegen die kommunistische Führung des Landes beschlossen.

cpa/Reuters/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.