Besuch bei Netanjahu US-Außenminister Kerry wirbt für Atom-Deal mit Iran

US-Außenminister John Kerry versucht, Benjamin Netanjahus Bedenken in Bezug auf das Atomabkommen mit Iran zu zerstreuen: In Jerusalem versicherte er, die Sicherheitsbedürfnisse Israels seien von oberster Priorität, stünden "ganz oben auf der Tagesordnung".

John Kerry und Benjamin Netanyahu: Lange Gespräche über Iran
REUTERS

John Kerry und Benjamin Netanyahu: Lange Gespräche über Iran


Tel Aviv - Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte das Übergangsabkommen mit Iran heftig kritisiert. Nun versucht der US-Außenminister die Wogen zu glätten: Die Wahrung von Israels Sicherheitsinteressen sei sowohl bei der Beilegung des Atomstreits mit dem Iran als auch bei der Suche nach einem Friedensschluss mit den Palästinensern unabdingbar, sagte John Kerry. "Israels Sicherheit hat bei den Gesprächen mit dem Iran über einen abschließenden Vertrag höchste Priorität", betonte Kerry am Donnerstag in Jerusalem. Zuvor hatte er lange mit Netanjahu gesprochen.

Doch leicht lässt sich Netanjahu nicht besänftigen: Der Regierungschef sagte, es sei unabdingbar, dass Teheran auf jegliche Fähigkeit verzichte, Atomwaffen zu erlangen. Zugleich forderte er Maßnahmen, die weitere Durchlöcherung der Sanktionen zu verhindern.

Nach jahrelangem Ringen hatten die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland im November ein vorerst auf sechs Monate angelegtes Abkommen mit dem Iran erzielt. Im Gegenzug für das teilweise Einfrieren seines Atomprogramms profitiert Teheran in dieser Zeit von gelockerten Sanktionen.

Ziel: ein umfassender Friedensvertrag

Außerdem legte Kerry Netanjahu Überlegungen der US-Regierung vor, wie die Außengrenzen eines künftigen Palästinenserstaates überwacht werden könnten. Auf die israelische Befürchtung, ein Palästinenserstaat im Westjordanland könne sich in ein feindlich gesinntes Gebiet verwandeln, aus dem Israel ähnlich wie aus dem Gaza-Streifen immer wieder angegriffen werden könnte, hätten die USA bereits reagiert: US-Präsident Barack Obama habe General John Allen beauftragt, mögliche Bedrohungen Israels aufzuzeigen und Vorschläge auszuarbeiten, wie diesen Risiken in dem angestrebten Friedensabkommen mit den Palästinensern Rechnung getragen werden könne.

Zu den Verhandlungen mit den Palästinensern sagte der Premier: "Israel ist zu einem historischen Friedensschluss auf der Basis der Zweistaatenlösung bereit."

Die Ende Juli auf Druck der USA hin aufgenommenen Verhandlungen sind auf neun Monate angelegt. Ihr Ziel ist ein umfassender Friedensvertrag und die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaates. Die Palästinenser haben wegen des fortdauernden israelischen Siedlungsbaus auf ihrem angestrebten Staatsgebiet aber zuletzt mit einem Abbruch der Gespräche gedroht. Kerry wollte anschließend Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und am Abend erneut Netanjahu treffen.

vek/dpa/AFP

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jautaealis 05.12.2013
1. Es ist ein kontinuierlicher historischer Fehler ...
... für die Sicherheit nicht nur der Region, sondern die Sicherheit und Sicherheitsarchitektur der gesamten Welt, den Sicherheitsbedürfnissen Israels oberste Priorität einzuräumen! Vielmehr ist den Sicherheitsinteressen eines jeden beliebigen Staats gleich viel Gewicht beizumessen...
JDR 05.12.2013
2. ...
Zitat von sysopREUTERSUS-Außenminister John Kerry versucht, Benjamin Netanjahus Bedenken in Bezug auf das Atomabkommen mit Iran zu zerstreuen: In Jerusalem versicherte er, die Sicherheitsbedürfnisse Israels seien von oberster Priorität, stünden "ganz oben auf der Tagesordnung". Atomverhandlungen mit Iran: Israels Sicherheit hat für USA Priorität - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/atomverhandlungen-mit-iran-israels-sicherheit-hat-fuer-usa-prioritaet-a-937452.html)
Es ist gut, dass der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, John Kerry, in Jerusalem war. Ohne Zweifel ist er an einer echten Lösung interessiert. Es ist auch richtig, dass es völlig egal ist, wie schlecht eine Interimsvereinbarung war, wenn am Ende eine Lösung steht, welche tatsächlich das iranische Atomwaffenprogramm beendet. Darauf wird er auch hinarbeiten, schon deshalb, weil sich Obama keinen Deal leisten kann, den Kongress und Senat vom Tisch fegen. Was Sicherheitsabkommen bei einem Friedensschluss angeht, gibt es sicher keinen Spielraum in der Effizienz, wohl aber im Vorgehen. Für den Staat Israel könnte es z.B. egal sein, wenn es keine Präsenz entlang des palästinensischen Ufers des Jordan hätte, wenn es die Präsenz stattdessen auf der jordanischen Seite garantiert bekäme. Ohne Zweifel wird dies nicht die Lösung sein, obwohl Jordanien an diesem Friedensschluss ebensoviel gelegen ist, wie dem Staat Israel und den palästinensischen Arabern, aber es zeigt, was alles denkbar ist.
TheGrinder 05.12.2013
3. Titel?!?!
Zitat von JDREs ist gut, dass der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, John Kerry, in Jerusalem war. Ohne Zweifel ist er an einer echten Lösung interessiert. Es ist auch richtig, dass es völlig egal ist, wie schlecht eine Interimsvereinbarung war, wenn am Ende eine Lösung steht, welche tatsächlich das iranische Atomwaffenprogramm beendet. Darauf wird er auch hinarbeiten, schon deshalb, weil sich Obama keinen Deal leisten kann, den Kongress und Senat vom Tisch fegen. Was Sicherheitsabkommen bei einem Friedensschluss angeht, gibt es sicher keinen Spielraum in der Effizienz, wohl aber im Vorgehen. Für den Staat Israel könnte es z.B. egal sein, wenn es keine Präsenz entlang des palästinensischen Ufers des Jordan hätte, wenn es die Präsenz stattdessen auf der jordanischen Seite garantiert bekäme. Ohne Zweifel wird dies nicht die Lösung sein, obwohl Jordanien an diesem Friedensschluss ebensoviel gelegen ist, wie dem Staat Israel und den palästinensischen Arabern, aber es zeigt, was alles denkbar ist.
Meinen Sie das ernsthaft?! Warum in aller Welt sollte ein souveräner Staat Palästina UND ein souveräner Staat Jordanien eine israelische Besatzungsmacht auf ihrem Staatsgebiet akzeptieren?
meier_7 06.12.2013
4. Atom
Wie oft muss das noch gesagt werden, es gibt kein iranisches Atomwaffenprogramm, das haben auch wiederholt alle 17 amerikanischen Geheimdienste bestätigt, ich halte mittlerweile jeden der anderes behauptet für dumm oder gehässig!!!
mitundnachdenker 06.12.2013
5. Nethanjahu
Der gute Mann benimmt sich wie ein störrisches kleines Kind. Ständig erzählt er. wie bedroht sein Land ist und macht es durch sein Verhalten selbst zu einem Spielball. Er soll nur weiter an seiner Umzähmung bauen, kein Zaun ist hoch genug um sich dann in einer Ecke zu verkriechen und zu schmollen, weil niemand mit ihm "spielen" will nach dem Motto: niemand mag mich aber ich mache es auch entsprechend .Wenn man Siedlungen in Gebiete baut, die anderen zugesprochen sind und die wollen es dann zurück( mit Recht) kann man keine Freundlichkeit erwarten und einen Dank dafür schon gar nicht. Der Krieg ist nun schon so lange vorbei und ich frage mich , mit welchem Recht dieser Mann die Nazikeule schwingt, wenn man Kritik an diesem unreifen Gebaren übt. Weshalb wird er mit Waffenlieferungen und Geld "belohnt" wenn er nur mit dem Fuß aufstampft, Ständig eine Drohkulisse aufbauen, anderen ihre Fabriken zerstören(Syrien und im Iran) und dann sich beschweren, wenn diese Länder sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen und dann schnell Schutzsuchend unter die Rockzipfel Amerikas abzutauchen. So wird das nichts mit dem Frieden im heiligen Land
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