Atomwaffen US-Regierung will wieder aufrüsten

Die USA planen, ihr Atomwaffenarsenal zu modernisieren. Die Vereinigten Staaten müssten nukleare Macht beibehalten, sagte der Chef der Nationalen Atomsicherheitsbehörde. Das Bekenntnis zum Aufrüsten würde eine Abkehr der Regierung vom Atomwaffensperrvertrag bedeuten.


Washington - Linton Brooks, der Vorsitzenden der Nationalen Atomsicherheitsbehörde, räumte gestern ein, dass das in wichtigen internationalen Verträgen festgehaltene Ziel von Washington nicht mehr verfolgt werde. Dies ist das erste Mal, dass ein ranghoher Vertreter der US-Regierung sich so deutlich zu dem Thema äußert. "Die Vereinigten Staaten müssen in absehbarer Zeit beides beibehalten - nukleare Macht und die Fähigkeit, Atomwaffen zu haben und diese zu modernisieren", sagte Brooks in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee, dem Sitz einer großen Atomwaffenfabrik.

"Mit dem Kalten Krieg ist nicht auch die Bedeutung von Atomwaffen verschwunden", sagte Brooks und präsentierte Pläne zur Modernisierung des Atomwaffenarsenals und zur Entwicklung neuer Atomsprengköpfe wie dem Robust Nuclear Earth Penetrator, der unterirdische Ziele zerstören soll. Nach Angaben der "Washington Post" will die Regierung bis 2030 sämtlich Produktionsanlagen modernisieren, um die Möglichkeit zu haben, schnell und effektiv neue schlagkräftige Atomwaffen herstellen zu können. Ziel sei es, binnen 18 Monaten eine neue Waffe entwerfen, entwickeln und bauen zu können.

Auch wenn die jetzige US-Regierung die Formulierung "nukleare Abrüstung" schon seit langem nicht mehr verwendet, bestätigen Brooks Äußerungen erstmals die Abkehr Washingtons von zahlreichen internationalen Verpflichtungen. Zuletzt hatten Ex-US-Präsident Bill Clinton und der damalige russische Präsident Boris Jelzin im September 1998 in einer gemeinsamen Erklärung die Verpflichtung beider Länder zum "ultimativen Ziel der nuklearen Abrüstung" bekräftigt. Vor allem aber enthält der 1968 von allen damaligen Atommächten unterzeichnete Atomwaffensperrvertrag unmissverständliche Klauseln zur nuklearen Abrüstung.

ffr/AFP



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