USA, Russland, Pakistan So viele Atomwaffen sind weltweit in Umlauf

Die USA und Russland rüsten ihre Nukleararsenale ab - doch langsamer als bisher. Welche Länder wie viele Atomwaffen besitzen, zeigt die aktuelle Übersicht des Friedensforschungsinstituts Sipri.
Wartungsarbeiten an einer US-Interkontinentalrakete (Archiv): "Elemente des strategischen Kalküls"

Wartungsarbeiten an einer US-Interkontinentalrakete (Archiv): "Elemente des strategischen Kalküls"

Foto: DPA/ USAF

Stockholm - Russland und die USA fahren ihre Atomwaffenbestände langsamer zurück als noch vor zehn Jahren. Auch im Vergleich zum Vorjahr rüsteten die beiden Länder zögerlicher ab, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet . Zusammen besitzen Russland und die USA mehr als 90 Prozent aller Atomwaffen. Gleichzeitig modernisieren beide Mächte ihre Bestände. "Es wird relativ deutlich, dass das nichts mit einem ernst gemeinten Abrüstungsprozess zu tun hat", sagte der Sipri-Experte Phillip Schell der Nachrichtenagentur dpa.

Insgesamt sinkt die Zahl der Atomwaffen bereits seit Jahren - so auch von 2013 bis 2014. So hätten die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea zu Jahresbeginn über etwa 16.300 Atomsprengköpfe verfügt, schreibt das in Stockholm ansässige Institut in seinem Jahresbericht zur nuklearen Bewaffnung. Dies seien knapp 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Dieser Rückgang ist laut Sipri auf Reduktionen der Arsenale in den USA (minus 400) und Russland (minus 500) zurückzuführen. Dort wird demnach zwar zögerlicher, aber fortlaufend abgerüstet.

350 Milliarden Dollar für Modernisierung und Erhalt

Hintergrund ist der 2011 in Kraft getretene Vertrag "New START". Demnach müssen Russland und die USA die Zahl ihrer strategischen Atomwaffen je auf 1550 Stück reduzieren. Diesem Ziel kommen die Länder näher: Nach Sipri-Angaben sind die USA noch in Besitz von 1920 solcher sofort einsetzbarer Sprengköpfe (insgesamt: 7300), Russland hat geschätzt 1600 dieser Waffen (8000). Deshalb verringere sich das Tempo nun, sagte Schell.

Auf der anderen Seite planen die USA, im nächsten Jahrzehnt 350 Milliarden Dollar in die Modernisierung und den Erhalt ihrer Atomwaffen zu stecken, wie die Forscher meldeten. Auch Russland investiere kräftig.

Weiter berichtete das Institut, in keinem der über Atomwaffen verfügenden Staaten gebe es Anzeichen dafür, dass diese mittelfristig vollständig abgeschafft werden sollten. Es gebe im Gegenteil Bestrebungen, die Arsenale der Länder zu modernisieren. Sipri kritisierte, Atomwaffen blieben damit "fest verankerte Elemente des strategischen Kalküls".

Im einzelnen sind die Nuklearwaffen so auf folgende Länder verteilt:

  • Russland: 8000
  • USA: 7300
  • Großbritannien: 225
  • Frankreich: 300
  • China: 250
  • Pakistan: 100-120
  • Indien: 90-110
  • Israel: 80
  • Nordkorea: 6-8

Über sofort einsatzbereite Nuklearwaffen verfügen den Angaben zufolge nur Russland (1600), die USA (1920), Großbritannien (160) und Frankreich (290). Diese Sprengköpfe sind laut Sipri bereits auf Raketen montiert oder werden auf Militärbasen aufbewahrt, von denen aus sie gestartet werden können.

Nordkorea hat laut Sipri genug Plutonium oder hoch angereichertes Uran für sechs bis acht Sprengköpfe produziert. "Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass das Land schon einen richtigen Sprengkopf herstellen konnte", sagte Schell.

rls/dpa/AFP