Attacke auf Bush Gerichtstermin für den Schuhwerfer von Bagdad

Seit seinem Schuhwurf auf George W. Bush ist er weltberühmt. Doch genießen konnte der irakische Journalist Saidi seinen Ruhm nicht: Seit der Tat sitzt er in Haft. Am 19. Februar soll er sich nun Gericht verantworten. Die Anklage: "Angriff auf einen ausländischen Staatsführer".


Bagdad - Der Gerichtstermin für den Schuhwerfer von Bagdad steht fest: Am 19. Februar wird der Prozess gegen den irakischen Journalist Muntasar al-Saidi eröffnet. Das teilte ein Justizsprecher in Bagdad mit. Ihm werde ein Angriff auf einen ausländischen Staatsführer zur Last gelegt. Saidi hatte am 14. Dezember er den scheidenden US-Präsidenten George W. Bush auf einer Pressekonferenz in Bagdad mit einem Schuh beworfen.

Der 30-jährige Saidi sollte ursprünglich schon im Dezember vor Gericht gestellt werden, was seine Verteidiger aber verhindern konnten. Ihrem Antrag auf Reduzierung der Anklage auf Beleidigung wurde aber nicht stattgegeben.

Welche Strafe al-Saidi im Fall einer Verurteilung erwartet, wollte der Justizsprecher nicht sagen. Dies sei Sache des Gerichts. Nach Angaben der Verteidigung droht ihm eine Höchststrafe von 15 Jahren. Saidis Bruder Dhargham beklagte, dass Angehörige und Anwälte der Zugang zu dem Angeklagten verweigert worden sei. "Dieses Gericht arbeitet auf Anweisung des Kabinetts", kritisierte er.

Saidis Arbeitgeber Abdul Hamid al Saeh, der Direktor des Satellitensenders al-Baghdadija, sagte in Kairo, der Fall stelle die irakische Regierung vor eine Herausforderung bezüglich der Meinungsfreiheit, der sich jeder demokratische Staat stellen müsse. In weiten Teilen der muslimischen Welt wurde al-Saidi für seine Tat wie ein Held gefeiert, der Schuhwurf wurde als Ausdruck des Protests gegen die US-Invasion gewertet. Inzwischen hat der Schuhwurf als Protestform auch international mehrere Nachahmer gefunden.

sac/ap



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