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16. Dezember 2008, 14:25 Uhr

Attacke auf Bush

Irakischer Schuhwerfer bei Festnahme angeblich verletzt

Schwere Vorwürfe: Die Familie des Schuhwerfers Saidi beschuldigt irakische Behörden, den Journalisten misshandelt zu haben. Der Mann hatte US-Präsident Bush beschimpft und mit Schuhen beworfen. Bei der Festnahme soll er Knochenbrüche und weitere Verletzungen erlitten haben.

Bagdad - Der wegen seines Schuhwurfs auf US-Präsident George W. Bush weltweit beachtete irakische Fernsehjournalist Muntaser al-Saidi ist von den irakischen Sicherheitsbehörden offenbar schwer verletzt worden. Wie sein Bruder, der 32-jährige Durgham, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, seien bei al-Saidi ein Arm und mehrere Rippen gebrochen, zudem habe er Verletzungen an Auge und Bein erlitten. Auch die Nachrichtenagentur dpa meldet, dass die Familie Saidis Misshandlungen befürchtet.

Während eines Treffens Bushs mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki hatte der Journalist am Sonntag seine beiden Schuhe in Richtung des US-Präsidenten geworfen, ohne ihn jedoch zu treffen. "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!", rief der Journalist dabei.

Sein Bruder werde von Sicherheitskräften des nationalen irakischen Sicherheitsberaters Muwaffak al-Rubai in der "Grünen Zone" in Bagdad gefangen gehalten, sagte Durgham. Rubai wollte zu den Aussagen nicht Stellung nehmen. Als der 29-jährige Saidi vom Ort des Angriffs abgeführt worden war, waren dort Blutspuren zu sehen. Die Familie äußerte die Befürchtung, dass Saidi später misshandelt wurde.

In Bagdad wurde weiter darüber gestritten, ob Saidi als "Held" oder "Schande für die irakischen Journalisten" angesehen werden sollte. Seit seiner Schuhattacke ist der Journalist in Haft. Zu den wenigen Kommentatoren, die den Schuhwerfer kritisieren, gehört Tarik al-Homaid von der überregionalen arabischen Tageszeitung "Asharq Al-Awsat". Er schrieb am Dienstag, als normaler Bürger seines Landes hätte Saidi das Recht gehabt, seine Schuhe auf Bush zu werfen. Da er aber als Journalist zu der Pressekonferenz gegangen sei, habe er durch seine Attacke "den Ruf der Journalisten beschädigt".

Der libanesische Fernsehsender New TV (NTV) bot Saidi in einer am Montagabend ausgestrahlten Nachrichtensendung eine Stelle an. Er solle "von dem Moment an bezahlt werden, in dem er den (ersten) Schuh warf", sagte die Nachrichtenchefin Fadja Bassi. Zudem sei NTV bereit, die Kaution für Saidis Freilassung und seine Anwaltskosten zu übernehmen. Der Sender ist für seine antiamerikanische Ausrichtung bekannt.

cte/AFP/dpa

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