Vereitelter Terroranschlag in Texas Ermittler vermuten islamistischen Hintergrund

Steckt die IS-Terrormiliz hinter dem versuchten Anschlag auf eine Mohammed-Karikaturen-Ausstellung in Texas? Was bisher bekannt ist - und was nicht.

Von , Washington


Es ist kurz vor sieben Uhr am Sonntagabend in Garland, einem Vorort von Dallas, als die beiden Männer mit ihrem Auto vorm Westeingang des Konferenzzentrums stoppen. Ein Polizeiwagen versperrt ihnen die Zufahrt zum Parkplatz. In diesen Wagen sitzen ein Verkehrspolizist sowie der unbewaffnete Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Drinnen, im Curtis Culwell Center, einem erst vor zehn Jahren errichteten, geduckten Bau, haben sich seit zwei Stunden gut 200 Unterstützer der islamfeindlichen "Amerikanischen Initiative zur Verteidigung der Freiheit" (AFDI) versammelt. Zweck ihres Treffens: ein Wettbewerb um Mohammed-Karikaturen, für den Gewinner sind 10.000 Dollar ausgelobt. Auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ist angereist.

Draußen, auf der Zufahrt zum Parkplatz, verlassen die beiden Attentäter ihr Auto. Sie tragen schusssichere Westen und Sturmgewehre, eröffnen das Feuer. Bruce Joiner, der Mann vom Sicherheitsdienst, wird am Knöchel getroffen. Der Polizist hingegen erwidert das Feuer mit seiner Dienstpistole, tötet beide Angreifer. Nach etwa 15 Sekunden ist alles vorbei.

Garlands Polizeisprecher Joe Harn: "Sehr gute Arbeit"
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Garlands Polizeisprecher Joe Harn: "Sehr gute Arbeit"

Später wird Garlands Polizeisprecher Joe Harn sagen, sein Kollege habe "sehr gute Arbeit geleistet, er hat möglicherweise Leben gerettet". Es ist die glückliche Verhinderung eines grausamen Vorhabens. Am Tag danach wissen wir bisher dies über das versuchte Attentat:

Wer sind die beiden mutmaßlichen Täter?

Behördenangaben zufolge handelt es sich um den 30-jährigen Elton S. und den 34-jährigen Nadir S. aus dem 1600 Kilometer entfernten Phoenix im Bundesstaat Arizona. Beide teilten sich offenbar eine Wohnung, die das FBI am frühen Montagmorgen durchsuchte.

US-Medienberichten zufolge geht die Bundespolizei davon aus, dass Elton S. die Attacke kurz vor dem Eintreffen am Konferenzzentrum auf Twitter angekündigt hat. Der entsprechende Tweet ist mittlerweile gelöscht.

Zudem soll S. dem FBI bereits bekannt gewesen sein: Demnach wurde er vor vier Jahren verurteilt, weil er die Polizei über Reisepläne nach Somalia belogen hatte. Möglicherweise habe er dort einer Terrorgruppe beitreten wollen. Und bereits im Jahr 2006 war Elton S. Gegenstand polizeilicher Ermittlungen wegen seiner Verbindung zu einer Person, von der das FBI annahm, sie wolle eine Terrorzelle in Arizona aufbauen.

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Anschlag in Texas: Schüsse auf eine Karikaturenausstellung
Steckt die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hinter dem Attentat?

Das ist noch unklar. Erste Ermittlungen deuten auf einen islamistischen Hintergrund hin. Ein IS-Kämpfer verkündete dem auf die Auswertung islamistischer Internetportale spezialisierten US-Unternehmen SITE zufolge, der Anschlag sei von Sympathisanten verübt worden. "Zwei unserer Brüder" hätten das Feuer eröffnet, schrieb demzufolge der Dschihadist Abu Hassain al-Britani auf Twitter. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass eine islamistische Gruppe Verantwortung für eine Tat übernimmt, mit der sie nichts zu tun hat.

Waren die Behörden in Garland auf einen Anschlag vorbereitet?

Ja. Es gab Drohungen im Vorfeld, über mehrere Monate erarbeitete die Polizei ein Sicherheitskonzept. Am Sonntag war das Konferenzzentrum abgesperrt, hinein durften nur Besucher mit Einladung. Zudem standen FBI, Sprengstoffexperten sowie ein SWAT-Team, also eine Spezialeinheit der Polizei, für alle Fälle auf dem Gelände bereit. Die Veranstalter selbst investierten laut Polizeisprecher Harn zusätzlich 10.000 Dollar in die Sicherheit.

Warum versammelten sich die Islamgegner ausgerechnet in Garland?

Nach dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" im vergangenen Januar in Paris organisierte die muslimische US-Lobbygruppe "Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen" (CAIR) ein Treffen in Garland - just in jenem Konferenzzentrum, in dem sich an diesem Sonntag auch die AFDI-Leute versammelten. "Gemeinsam mit dem Propheten gegen Terror und Hass", lautete der Titel der CAIR-Veranstaltung. Schon damals kam es zu Gegendemonstrationen, und AFDI-Chefin Pamela Geller kündigte den Karikaturen-Wettbewerb an.

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Pamela Geller: US-Aktivistin gegen den Islam
Was ist die "Amerikanische Initiative zur Verteidigung der Freiheit" (AFDI)?

Eine Organisation rechtsradikaler Islamgegner, die von Kritikern in den USA als Hategroup bezeichnet wird. Anführerin Geller warnt vor der vermeintlichen Islamisierung Amerikas und hält US-Präsident Barack Obama für einen Muslim, der die USA zerstören wolle. (Lesen Sie hier mehr über Pamela Geller).

Mit Material von AFP, AP

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