Attentat in Arizona Anschlagsopfer Giffords ist ansprechbar

Es ist ein Zeichen der Hoffnung: Die US-Politikerin Gabrielle Giffords ist nach Angabe der Ärzte zeitweise aus dem Koma erwacht und war ansprechbar. Bei einem Attentat in Arizona hatte sie am Samstag einen Kopfdurchschuss erlitten.

Anschlagsort in Tucson, Arizona: Ärzte sind "vorsichtig optimistisch"
REUTERS

Anschlagsort in Tucson, Arizona: Ärzte sind "vorsichtig optimistisch"


Washington - Einen Tag nach dem Mordanschlag auf die US-Politikerin Gabrielle Giffords haben sich die behandelnden Ärzte "vorsichtig optimistisch" über ihren Gesundheitszustand geäußert. Die Politikerin sei ansprechbar gewesen und befinde sich nun in einem künstlichen Koma, sagten die Ärzte Michael Lemole und Peter Rhee vom Traumazentrum des Universitätsklinikums in Tucson ( Arizona) am Sonntag.

Die 40-jährige Kongressabgeordnete sei in der Lage, "einfache Kommandos" zu befolgen. Das zeigt nach Einschätzung der Mediziner "ein hohes Maß an Gehirnfunktion".

Giffords, die einen glatten Kopfdurchschuss erlitten hatte, werde künstlich beatmet und könne nicht sprechen. Die Kugel habe die linke Hirnhälfte durchschlagen. Wie weiter mitgeteilt wurde, ist Giffords das einzige von zehn in das Klinikum gebrachten Schussopfern, dessen Zustand noch als kritisch gilt.

Schüsse aus nächster Nähe

Der 22-jährige Täter hatte Giffords am Samstag aus nächster Nähe mit einer halbautomatischen Pistole gezielt in den Kopf geschossen. Bei der Schießerei in einem Einkaufszentrum im Bundesstaat Arizona waren insgesamt sechs Menschen ums Leben gekommen - darunter ein neunjähriges Mädchen und ein hochrangiger Bundesrichter. Insgesamt 14 Menschen wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag teils schwer verletzt. Die Abgeordnete stand seit längerem im Fadenkreuz der Tea-Party-Bewegung.

Der Anschlag galt laut Polizei eindeutig Gabrielle Giffords. Die 40-Jährige hatte das Gesundheitsreformgesetz von Präsident Barack Obama vehement unterstützt und war zur Zielscheibe radikalkonservativer Gegner geworden. Vor einiger Zeit waren bereits die Fensterscheiben ihres Büros in Arizona zerschmettert worden.

Der zuständige Bezirkssheriff Clarence Dupnik machte das angeheizte politische Klima im Land und insbesondere in Arizona, dem Ziel vieler illegaler Zuwanderer aus Mexiko, für die Bluttat mitverantwortlich. Auch US-Medien warfen die Frage auf, ob und in welchem Maße die hitzige Ausländerdebatte in dem Staat und die zunehmend vergiftete Atmosphäre insgesamt zum Blutbad beitrugen.

Jared Lee L. schweigt

Der als Jared Lee L. identifizierte Schütze sitzt in Untersuchungshaft. Zwei Passanten hatten ihn nach den Schüssen überwältigt und damit ein noch schlimmeres Blutvergießen verhindert. Den Behörden zufolge verweigert der Täter jede Aussage, seine Motive sind unklar. Bizarre Erklärungen und Videos des Schützen im Internet deuten jedoch auf einen wirren politischen Hintergrund hin.

Die Polizei hält es für möglich, dass der 22-Jährige nicht allein gehandelt hat. Sie sucht nach einem Mann, der am Tatort in der Nähe des Schützen gesehen worden war. Es soll sich möglicherweise um einen Komplizen handeln.

Präsident Obama äußerte sich erschüttert und sprach von einer "unsagbaren Tragödie". Gewalt dürfe keinen Platz in der Politik haben. Ähnlich äußerten sich auch der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner. Sheriff Dupnik legte die Finger in die Wunde: Eine aufgeheizte Stimmung wie die in Arizona könne psychisch labile Menschen beeinflussen. "Wir sind zu einem Mekka des Hasses und der Vorurteile geworden", sagte er. Das Abgeordnetenhaus in Washington sagte alle Sitzungen in der nächsten Woche ab.

Schüsse beim Gespräch mit Wählern

Das Verbrechen ereignete sich am Samstagvormittag, als Giffords einige Wähler vor einem Supermarkt traf. Es kam zu chaotischen Szenen. Augenzeugen sprachen von einer "Hölle". Es seien zwischen 15 und 20 Schüsse abgefeuert worden.

Das neunjährige getötete Mädchen war mit Nachbarn zum Treffen mit Giffords gekommen: Obwohl noch so jung, hatte es sich für Politik interessiert. Richter John Roll hielt sich zufällig am Tatort auf. Unter den Toten ist auch ein Wahlkreismitarbeiter der Abgeordneten.

Medienberichten zufolge wetterte der mutmaßliche Täter L. im Internet gegen die Regierung. In sozialen Netzwerken warf er der Politik "Gehirnwäsche" vor, beklagte sich über eine hohe Zahl von Analphabeten und forderte eine neue US-Währung. Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels zählte er ebenso zu seiner Lieblingslektüre wie Hitlers "Mein Kampf". Er habe eine kriminelle Vergangenheit, sagte Dupnik, ohne zunächst Einzelheiten zu nennen. Fest steht jedoch, dass die Polizei allein im vergangenen Jahr sechs Mal wegen Unruhestiftung durch L. auf den Campus des Community College gerufen wurde, das der junge Mann besuchte.

Giffords ist seit 2007 Kongressabgeordnete. Sie gilt als moderate, aber kämpferische Demokratin, die nicht immer auf Parteilinie liegt.

suc/dpa

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Seite 1
Carla, 09.01.2011
1. ****
Den Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
emobil 09.01.2011
2. No surprise!
Definitiv ja! Und ich schätze, das ist erst der Anfang. Die Hetze und der Hass der Rechten hat in den Staaten inzwischen ein Ausmaß erreicht, das man eigentlich nur noch als "faschistisch" bezeichnen kann - auch wenn die Teebeutel und ihre Medien wahrscheinlich gar nicht wissen, was dieser Ausdruck eigentlich bedeutet. Nun, und in einem Land, in dem es gang und gäbe ist, mit Waffen im Alltag herumzufuchteln und dies für "Freiheit" zu halten, ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Waffen auch mal zum Einsatz kommen. Die Hemmschwelle ist ja jetzt bereits erschreckend niedrig. Nach dem ersten Erschrecken wird man auch schnell wieder zur Tagesordnung übergehen - business as usual - wie bei allen solchen Taten in der Vergangenheit.
Spiegeleii 09.01.2011
3. Was
hat das denn mit einem politischen Streit zu tun wenn ein Einzeltäter ein Attentat verübt? Die Politik in USA wie auch bei uns ist ein einziges schlechtes Schmierentheater. Die Darsteller spielen Demokratie vor. Wenn sich diese Politikschranzen nicht hinter Heeren von Sicherheitsdiensten und Bodyguards verstecken würden, wären die morgen alle tot. Weil der Großteil der Leute schlicht die Schnauze voll hat. Daraus jetzt einen politischen Streit und gegensätzliche Positionen zu lesen, wegen denen es zu irgendeiner Verschärfung der Atmosphäre kommt ist nichts anderes als dem Schmierentehater zuzuspielen. Oder anders gesagt, es ist völlig piepschnurzegal ob der Präsident Bush, Obama, Bob der Baumeister oder Palin heisst. Das ändert überhaupt nichts an der Politik die gemacht wird. 1:1 übertragbar auch auf die BRD. Es ist völlig kackegal ob die SPD mit den Grünen regiert oder die CDU mit der FDP, es ändert sich nichts. Die politische Klasse in unserer westlichen Welt hat mittlerweile den Unterhaltungswert von DSDS erreicht. Da kann man ruhig an den Haaren irgendwelche politischen Scharmützel herbeiziehen, die Mehrheit des Wahlviehs spürt ganz genau das seine Meinung nichts zählt. Und sie zählt nichts bei allen vorhandenen Schauspielern die man wählen darf.
emobil 09.01.2011
4.
Zitat von CarlaDen Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
Soso, das sind also Ihre Quellen der Information und Erkenntnis. Kommentar überflüssig, oder?
Emil Peisker 09.01.2011
5. Hitlers "Mein Kampf"
Zitat von CarlaDen Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
Hi Carla Und Hitlers "Mein Kampf". Ihre ideologische Ablenkung ist ja verständlich, aber unkorrekt. Er fabuliert über eine Regierung, die Gesetze erlässt, die bei genauem Studium der Verfassung als verräterisch entlarvt werden. Zitat: "Sie müssen die Bundesgesetze nicht akzeptieren, aber sie müssen die US-Verfassung lesen, um die verräterischen Gesetze zu begreifen. Sehen Sie, da wird dann ein anderer Schuh draus. Gruß Emil
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