Attentat in Kunduz Anschlag auf Bundeswehr in Afghanistan - drei Soldaten verletzt

Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille in Nordafghanistan: In der Nähe der Stadt Kunduz hat sich ein Selbstmordattentäter neben einem Fahrzeug deutscher Soldaten in die Luft gesprengt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden drei Männer leicht verletzt.


Kunduz - Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam bestätigte SPIEGEL ONLINE die Explosion, die sich um etwa 16.45 Uhr Ortszeit westlich von Kunduz in der Nähe des gleichnamigen Flusses ereignete.

Nach ersten Angaben der örtlichen Polizei handelte es sich um eine ferngezündete Bombe, die am Straßenrand deponiert war. Am Abend erklärte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos jedoch, es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. "Wir haben Leichenteile gefunden", hieß es. Vermutlich sei ein Sprenggürtel benutzt worden.

Drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer wurden bei dem Anschlag leicht verletzt: Sie erlitten Schürfwunden und Knalltraumata. Der Wagen, in dem die Patrouille unterwegs war, wurde stark beschädigt. Die Verletzten konnten mit einem anderen Bundeswehrfahrzeug in das Camp der Truppe gebracht werden. Sie wurden dort medizinisch behandelt, konnten aber noch am Nachmittag wieder aus der Klinik entlassen werden.

Die Bundeswehr ist in Kunduz unter dem Mandat der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf mit einem "Regionalen Wiederaufbauteam" mit ziviler und militärischer Komponente stationiert.

Am 19. Mai waren in Kunduz bei einem Selbstmordattentat auf einem belebten Markt drei deutsche Soldaten getötet worden. Im August starben in der Nähe der Hauptstadt Kabul drei deutsche Polizisten auf dem Weg zu einem Schießtraining, als neben ihrem Auto eine ferngezündete Bombe explodierte.

Fehlgeschlagene Anschläge im Osten und Süden

Im Osten und Süden Afghanistans schlugen heute zwei geplante Attentate fehl. In der südlichen Provinz Helmand wurden dabei zwei Kinder getötet. Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz Polizeiangaben zufolge versehentlich, bevor er sein Ziel erreichte. Demnach bereitete er sich vor einem Gelände der afghanischen Streitkräfte im Distrikt Sangin in der südlichen Provinz Helmand auf den Anschlag vor, als die Bombe explodierte.

Auch in der ostafghanischen Provinz Kunar verfehlte ein Selbstmordattentäter offiziellen Angaben zufolge sein Ziel. Vier Zivilisten seien durch die Explosion verletzt worden. Der Angreifer war laut einem Sprecher der Provinzverwaltung auf dem Weg zu einem gemeinsamen Stützpunkt afghanischer und ausländischer Streitkräfte im Distrikt Nari. Bei einer Verfolgung durch die Polizei sei er zu Boden gefallen, wodurch die Bombe an seinem Körper zur Explosion gebracht worden sei.

Bei einem Gefecht mit Aufständischen haben US-geführte Koalitionstruppen und afghanische Soldaten heute mehrere Taliban-Kämpfer, aber auch Zivilpersonen getötet. Unter den Opfern seien auch eine Frau und ein Kind, teilte Militärsprecher Chris Belcher mit.

Die Soldaten seien während einer Razzia in der Provinz Paktika beschossen worden, einige hätten Verletzungen erlitten. Die Streitkräfte kündigten eine Untersuchung des Vorfalls an und warfen den Extremisten vor, die Zivilpersonen als Schutzschilde benutzt zu haben.

Am Freitag kommender Woche will der Bundestag über eine Verlängerung der Bundeswehreinsätze in Afghanistan entscheiden.

phw/mgb/AFP/AP



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