Attentat in Kunduz Kommandeur entgeht Anschlag auf Bundeswehr

Der Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der Bundeswehr im afghanischen Kunduz galt womöglich der Führung des deutschen Feldlagers. Der Oberst blieb aber unverletzt. Entgegen ersten Angaben wurden zwei Soldaten verletzt, ebenso mehrere unbeteiligte Zivilisten. Drei Afghanen starben.

Anschlagsort in Kunduz: Selbstmordattentäter steuerte direkt in den Konvoi
AP

Anschlagsort in Kunduz: Selbstmordattentäter steuerte direkt in den Konvoi


Potsdam/Kunduz - Der Kommandeur des deutschen Feldlagers im nordafghanischen Kunduz, Oberst Norbert Sabrautzki, ist am Sonntag nur knapp einem Anschlag entgangen. Nach Angaben der Bundeswehr war er auf dem Weg zu einem Termin in Kunduz, als sein Konvoi angegriffen wurde. Demnach steuerte eine Selbstmordattentäter sein Auto direkt in den Konvoi und sprengte sich in die Luft. Dabei seien drei afghanische Zivilisten getötet und mindestens neun weitere verletzt worden. In anderen Angaben ist von elf verletzten Afghanen die Rede. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff auf den Konvoi.

Die Bundeswehr teilte am Mittag mit, entgegen ersten Angaben seien auch zwei deutsche Soldaten leicht verwundet worden. Sie hätten sich nach ihrer Rückkehr ins Lager Kunduz im Rettungslazarett gemeldet. Bei dem Anschlag wurden zwei Bundeswehrfahrzeuge vom Typ Dingo 2 beschädigt. Oberst Sabrautzki habe nicht in diesen Fahrzeugen gesessen.

Laut einem Bericht der "Welt" war der Kommandant auf dem Weg zu einem Sicherheitstreffen mit lokalen Würdenträgern. Der Oberst sei mit seinem Konvoi auf der Straße vom Feldlager zum Amtssitz des Provinzgouverneurs unterwegs gewesen, als der Attentäter sein Auto in das vorletzte Fahrzeug der Bundeswehrkolonne gesteuert habe, berichtete die Zeitung.

Die Bundeswehr mochte nicht bestätigen, dass der Anschlag dem Kommandanten persönlich gegolten habe. Man sehe in der Tat ein Attentat gegen die internationale Schutztruppe Isaf, sagte ein Sprecher der Truppe. Der Anschlag habe sich um 9.34 Uhr Ortszeit etwa drei Kilometer nordwestlich vom Lager des deutschen Wiederaufbauteams in Kunduz ereignet, sagte der Sprecher.

Der Kommandeur der Bundeswehr in Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip, war erst Ende Mai bei einem Sprengstoffanschlag auf den Gouverneurssitz im nordafghanischen Talokan verletzt worden. Zwei Bundeswehrsoldaten wurden damals getötet.

ffr/dpa/dapd

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Surgeon_ 19.06.2011
1. Professionell ??
Jetzt können deutsche Soldaten zeigen, wer sie sind ! Es ist KRIEG, und das Leben ist kein Ponyhof ! Bisher haben die Amis die Drecksarbeit gemacht, und die meisten Toten zu beklagen. Krieg ist Krieg, und keine akademische Veranstaltung. Das sollten die Deutschen endlich mal lernen. Ich warte nur darauf, wann man sich in die Hose macht und rein aus Angst aus Afghanistan verschwindet. Kein Wunder, dass die Amis Finanzprobleme haben, wenn andere immer nur zusehen, nichts tun und meckern. Deutschland läßt sich lieber von radikalen Islam unterwandern, als den radikalen Islam im Ausland an der Wurzel zu bekämpfen.
jimknopf107 19.06.2011
2. ...
Es ist halt unheimlich schwierig, einen Feind zu bekämpfen, der sich nicht zeigt. Wie soll man gegen Partisanen, die sich irgendwo feige verstecken und nur auf den richtigen Moment warten, um auf den Knopf zu drücken, effektiv kämpfen? Das Problem ist, denke ich, dass diese Leute in der Bevölkerung und den Provinzfürsten nach wie vor so viel Rückhalt haben, irgendjemand muss sie ja mit Essen versorgen, mit Kleidung und Waffen - und dem Geld für all das. Der Wandel kann aber nur funktionieren, wenn er von innen heraus kommt, wenn die Afghanen in der Masse dem religiösen Faschismus abschwören würden und die notwendige Loyalität der Regierung gegenüber zeigen würden. Die Ägypter haben es vorgemacht, wie es geht. Aber gerade in den ganzen Islamischen Ländern ist die Armut oft hausgemacht, da viele einflussreiche Dorfprediger (auf der Grundlage irgendwelcher fadenscheiniger Herleitungen aus dem Koran) Bildung ablehnen- und aus diesen Verlorenen Seelen rekrutieren sie dann ihre Anhänger - und schieben die Schuld an ihrer Misere dann dem Westen zu. Das war im dunklen Mittelalter in Europa auch so, aber der Westen hat sich eben selbst aufgeklärt, und daraus entstanden dann die Bürger- und Persönlichkeitsrechte.
sveniss 19.06.2011
3. ...
Zitat von Surgeon_Jetzt können deutsche Soldaten zeigen, wer sie sind ! Es ist KRIEG, und das Leben ist kein Ponyhof ! Bisher haben die Amis die Drecksarbeit gemacht, und die meisten Toten zu beklagen. Krieg ist Krieg, und keine akademische Veranstaltung. Das sollten die Deutschen endlich mal lernen. Ich warte nur darauf, wann man sich in die Hose macht und rein aus Angst aus Afghanistan verschwindet. Kein Wunder, dass die Amis Finanzprobleme haben, wenn andere immer nur zusehen, nichts tun und meckern. Deutschland läßt sich lieber von radikalen Islam unterwandern, als den radikalen Islam im Ausland an der Wurzel zu bekämpfen.
Lieber Surgeon, vielen Dank für diese ausgezeichnete politische und gesellschaftliche Analyse. Wie Sie richtig erkannt haben, ist die Bundeswehr seit einigen Wochen selbst in Kämpfe verwickelt. Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern, bis der erste Bw-Soldat im Kampf stirbt! Und vermutlich wird dies auch - wie Sie es in chirurgischer Präzision analysieren - der Tag sein, an dem sich die Bw entscheidet, Afghanistan aus Angst zu verlassen. Ja, dann wird sich die Bw endgültig zum Gespött der Landsleute gemacht haben. Nachdem sie, trotz eindringlicher Warnungen des Bundestages, nach dem 11. September auf eigene Faust beschlössen hat, in den Krieg zu ziehen. Und obgleich die Gesamtsituation in Afghanistan in weiten Teilen dramatisch ist, ist die kriegslüsterne Gesinnung die Gleiche geblieben. Anstatt froh darüber zu sein, im sicheren Deutschland bleiben zu können, brennen die Soldaten geradezu darauf, nach Afghanistan zu dürfen. Keine kritische Analyse bzgl. der Chance auf ein befriedetes Afghanistan hat bislang auch nur einen einzigen deutschen Soldaten dazu bewogen, nicht mehr an den Ends.... zu glauben. Wie Sie dann am Ende eine Erklärung für die desolate Finanzsituation der Vereinigten Staaten finden: Chapeau Monsieur!!! An Ihrer Stelle würde ich meine Texte nicht kostenlos in Leserforen posten, Sie sollten Ihre Analysen verkaufen, Sie sind brillant!! In vorzüglicher Hochachtung Ein Bewunderer
mundi 19.06.2011
4. Ohne Besatzer würden würden die Zivilisten und der Attentäter immer noch leben
Zitat von sysopDer*Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der Bundeswehr im*afghanischen Kunduz galt womöglich der Führung des deutschen Feldlagers. Der Oberst blieb aber unverletzt. Entgegen ersten Angaben wurden zwei Soldaten verletzt, ebenso mehrere unbeteiligte Zivilisten. Drei Afghanen starben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769266,00.html
Der Anschlag galt ganz allgemein den Besatzern. Wären sie nicht vor Ort, würden die Zivilisten und der Attentäter immer noch leben. Wo bleiben in Deutschland die Massendemos gegen den Einsatz in Afghanistan? Ist das Einbuddeln eines Bahnhofs in Stuttgart wichtiger? Oder wirkt die Ablenkung mit EHEC?
mundi 19.06.2011
5. "feige" verstecken?
Zitat von jimknopf107Es ist halt unheimlich schwierig, einen Feind zu bekämpfen, der sich nicht zeigt. Wie soll man gegen Partisanen, die sich irgendwo feige verstecken und nur auf den richtigen Moment warten, um auf den Knopf zu drücken, effektiv kämpfen? Das Problem ist, denke ich, dass diese Leute in der Bevölkerung und den Provinzfürsten nach wie vor so viel Rückhalt haben, irgendjemand muss sie ja mit Essen versorgen, mit Kleidung und Waffen - und dem Geld für all das. Der Wandel kann aber nur funktionieren, wenn er von innen heraus kommt, wenn die Afghanen in der Masse dem religiösen Faschismus abschwören würden und die notwendige Loyalität der Regierung gegenüber zeigen würden. Die Ägypter haben es vorgemacht, wie es geht. Aber gerade in den ganzen Islamischen Ländern ist die Armut oft hausgemacht, da viele einflussreiche Dorfprediger (auf der Grundlage irgendwelcher fadenscheiniger Herleitungen aus dem Koran) Bildung ablehnen- und aus diesen Verlorenen Seelen rekrutieren sie dann ihre Anhänger - und schieben die Schuld an ihrer Misere dann dem Westen zu. Das war im dunklen Mittelalter in Europa auch so, aber der Westen hat sich eben selbst aufgeklärt, und daraus entstanden dann die Bürger- und Persönlichkeitsrechte.
Menschen, die ihre Heimat und ihre Kultur verteidigen, nutzen die Mittel, die sie haben. Ist der Aggressor besser bewaffnet, greift der Verteidiger zu andern Mitteln. Diese bezeichnen die Kriegswissenschaftler als einen "asymmetrischen" Krieg". Einen Partisanenkrieg als "feige" zu bezeichnen ist abwegig. Die Verlustrate der Partisanen war auch im Weltkrieg deutlich höher als bei den regulären Soldaten. Zudem ist das Hantieren am Joystick einer Drohne im Hauptquartier oder der Abschuss einer Fernrakete keinesfalls heldenhaft oder mutig. Es ist nicht ganz klar, warum das Mittelalter von manchen Menschen als "finster" bezeichnet wird. Das Mittelalter hat hervorragende wissenschaftliche, kulturelle und politische Meisterleistungen hervorgebracht. Eine kleine Recherche im Internet oder in einer Bibliothek könnte nicht schaden!
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