Attentatserie Blutiger Freitag in Pakistan

Welle der Gewalt in Pakistan: Bei gleich drei Anschlägen gab es viele Todesopfer. Mindestens 18 Hochzeitsgäste kamen ums Leben, als eine Mine explodierte. Auch die Armee war erneut Ziel der Terroraktionen.

Anschlag in Peshawar: Pakistan im Visier der Terroristen
AFP

Anschlag in Peshawar: Pakistan im Visier der Terroristen


Islamabad - Neue Terrorserie in Pakistan: Knapp eine Woche nach Beginn der Offensive gegen die Taliban wurde die Atommacht am Freitag erneut von einer Welle der Gewalt erschüttert. Bei der Explosion einer Mine wurden Medienberichten zufolge in Nordwest-Pakistan 18 Angehörige einer Hochzeitsgesellschaft getötet, darunter vier Kinder und zwölf Frauen. Bei einem Anschlag auf einer belebten Straße wurden nach Angaben von Rettungskräften in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar mindestens acht Menschen verletzt. Vor einer Luftwaffenbasis im Norden des Landes riss ein Selbstmordattentäter nach Angaben der Polizei mindestens sieben Menschen mit in den Tod.

Der Anschlag vor der Luftwaffenbasis in Kamra dürfte bei westlichen Verteidigungsexperten Sorge auslösen. Sie gehen davon aus, dass auf der Basis Flugzeuge stationiert sind, die Atomsprengköpfe transportieren und abwerfen können. Pakistan versichert immer wieder, dass sein Nuklearwaffen-Arsenal gesichert ist. Die Polizei teilte mit, die Toten des Anschlags rund 65 Kilometer nordöstlich von Islamabad seien zwei Angehörige der Luftwaffe und fünf Zivilisten. 14 Menschen seien verletzt worden. Der Attentäter habe sich auf einem Fahrrad in die Luft gesprengt, als er an einer Straßensperre von Sicherheitskräften gestoppt wurde.

Zu der Minenexplosion kam es im Stammesgebiet Mohmand nahe der afghanischen Grenze. Der Privatsender Geo TV berichtete unter Berufung auf Sicherheitskräfte, 18 Zivilisten seien getötet und sechs weitere verletzt worden. Der Sprengsatz sei neben ihrem Minibus mit Gästen einer Hochzeitsfeier explodiert. Unklar blieb zunächst, ob es sich um eine alte Mine oder um eine frisch gelegte handelte.

Bei dem Anschlag in Peshawar handelte es sich nach Angaben eines Journalisten am Tatort um eine Autobombe. Der Sprengsatz sei vor einem Restaurant detoniert, das dem Sohn des Chefs der in der Provinz regierenden Awami National Party gehört. Die säkulare Partei ist ein Gegner der Fundamentalisten.

Pakistan wurde in den vergangenen drei Wochen von einer Reihe von Anschlägen erschüttert, bei denen insgesamt mehr als 170 Menschen getötet wurden. Zuletzt waren am Donnerstag ein Brigadegeneral und ein weiterer Soldat bei einem Anschlag in Islamabad ums Leben gekommen. Beobachter sehen einen Zusammenhang mit der großen Bodenoffensive, die die Streitkräfte derzeit gegen die Taliban in Süd-Waziristan nahe der afghanischen Grenze führen.

als/AFP/AP



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eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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