Attentatspläne Ahmadinedschad unterstellt USA gezielte Kampagne

Irans Präsident hat sich zu Vorwürfen der US-Regierung geäußert, sein Land habe ein Attentat gegen den saudi-arabischen Botschafter in Washington geplant: Das Komplott sei eine Erfindung der USA, sagte Mahmud Ahmadinedschad. Einen Krieg fürchte er nicht - dafür seien die USA "zu klug".

Mahmud Ahmadinedschad vor Studenten in Teheran: Attacke gegen Washington
AFP/ Iranian Presidency

Mahmud Ahmadinedschad vor Studenten in Teheran: Attacke gegen Washington


Teheran - Die Führung Irans wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, das Regime habe einen Anschlag auf den Botschafter Saudi-Arabiens in Washington geplant. Am Montag beschuldigte Präsident Mahmud Ahmadinedschad die US-Regierung, die Attentatspläne erfunden zu haben, um das Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien zu beschädigen - und von den erheblichen wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Zudem wollten die USA erreichen, dass die internationalen Sanktionen gegen Iran verschärft würden, sagte Ahmadinedschad dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira.

"Sie werden nichts damit erreichen, Iran zu beschuldigen", sagte Ahmadinedschad in dem Live-Interview mit Blick auf die USA. Gleichzeitig sah Irans Präsident keine unmittelbare Kriegsgefahr. "Ich denke, in der US-Regierung sitzen ein paar kluge Leute, die wissen, dass sie so etwas nicht tun sollten", antwortete er auf die Frage, ob die beiden Länder sich unweigerlich auf einem militärischen Konfrontationskurs befänden. Allerdings gebe es auch ein paar Regierungsmitglieder, die einen solchen Konflikt herbeisehnten.

Die Regierung in Washington wirft Iran vor, die Ermordung des saudi-arabischen Botschafters in den USA geplant zu haben. Als Drahtzieher gilt demnach ein 56-Jähriger mit iranischer und US-Staatsbürgerschaft, der Ende September in New York festgenommen wurde, sowie ein Mitglied einer Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, der flüchtig ist.

Geht es nach Ahmadinedschad, wird die Regierung in Teheran diese Vorwürfe auch nicht prüfen. Damit widersprach der Präsident dem Außenminister Ali Akbar Salehi. Dieser hatte zuvor eine solche Untersuchung zugesagt. Auch wenn es sich um "erfundene" Vorwürfe handele, sei Iran bereit, den Fall zu untersuchen, hatte die amtliche Nachrichtenagentur Irna gemeldet.

Einmal mehr stellte sich das Regime in Teheran damit als uneins dar. Bereits am Wochenende hatte das geistliche Oberhaupt Irans, Ayatollah Ali Chamenei, Präsident Ahmadinedschad scharf attackiert - er stellte sogar dessen Amt an sich in Frage. In Zukunft könne es sein, dass Amtsträger vom Parlament gewählt würden, sagte Chamenei in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede. Bislang wird der Präsident in der islamischen Republik direkt vom Volk gewählt.

fdi/Reuters/AP

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Transmitter, 18.10.2011
1. Zu klug? Ja! Um allzu lange zu warten!
Da werden sich Ahmadinedschad und seine korrupte, selbstherrliche Regierung bald wundern, wie schnell die USA ernst machen. Israel attackieren, Palästinenser-Terroristen finanziell fördern, AKWs bauen, Plutonium anreichern, Raketen bauen, die Saudis beschimpfen. Haben die Machthaber in Teheran denn nichts gelernt? Das erinnert einen doch irgendwie an den durchgeknallten Sadam Hussein / Irak. Den haben seine eigenen Landsleute aufgehängt. Den durchgeknallten Gadaffi / Libyen hängen sie auch auf. Nur noch eine Frage der Zeit. Warum? Vielleicht weil er keine US-Dollars für sein Öl mehr annehmen sondern, zusammen mit anderen arabischen Staaten, einen "Arabischen Gold-Dinar" einführen wollte? Mit den USA und Israels Sicherheit spielt man nicht. Sollte der Schreihals aus Teheran das vergessen, tut es mir leid um den Iran und die Iraner. Die werden dann Irakische Zuständ viele Jahre lang ertragen müssen. Den Komiker aufgehängt zu haben, ist da sicher kein echter Trost.
BuenaBanana 18.10.2011
2. Der Anfang vom Ende..
Wollten die USA nicht bis Ende Januar 2012 ihre Truppen aus dem Iran abziehen? Das Puzzle fügt sich zusammen. Schon wird an vorgeschobenen Gründen für einen Angriff auf den Iran gebastelt. Die Israelis werden es machen und damit die Büchse der Pandorra öffnen. Millionen Menschen werden durch die Reaktorzerstörungen verstrahlt, Bürgerkriege, Umstürze werden die Folge sein. Große Teile des Irans werden unbewohnbar. Und das alles nur weil die Amerikaner und Israelis ihre imperialistische Hegemonie im Nahen Osten aufrecht erhalten wollen. Doch der Krieg wird die Amerikaner wirtschaftlich weiter schwächen und auch das bereits jetzt isolierte Israel wird als Verlierer aus diesem Konflikt hervor gehen. Es wird ein Pyrrhus-Sieg.
widder58 18.10.2011
3. Richtig
Zitat von sysopIrans Präsident hat zu Vorwürfen der US-Regierung Stellung genommen, sein Land habe ein Attentat gegen den saudi-arabischen Botschafter in Washington geplant: Das Komplott sei eine Erfindung der USA, sagte Mahmud Ahmadinedschad. Einen Krieg fürchte er nicht - dafür seien die USA "zu klug". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792347,00.html
Womit Achmadinedschad wieder einmal Recht haben dürfte. Die USA haben nach dem Bin-Laden-Fake das nächste faule Ei gelegt. Höchstpeinlich.
JDR 18.10.2011
4. ...
Zitat von sysopIrans Präsident hat zu Vorwürfen der US-Regierung Stellung genommen, sein Land habe ein Attentat gegen den saudi-arabischen Botschafter in Washington geplant: Das Komplott sei eine Erfindung der USA, sagte Mahmud Ahmadinedschad. Einen Krieg fürchte er nicht - dafür seien die USA "zu klug". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792347,00.html
Ob tatsächlich A. für die Überlegungen Chameneis so relevant ist, bleibt wohl Spekutlation. Die Sicherheitsimplikationen einer weiteren Wahl haben möglicherweise einen stärkeren Einfluss auf die Entscheidung. Vermutlich wäre es eine weise Entscheidung der Vereinigten Staaten von Amerika, der IRI Zugang zu Absabiar zu geben. Ja, theoretisch könnte ihn dies gefährden. Ja, theoretisch könnte er Botschaften erhalten, z.B. unter Druck gesetzt werden. Vieles ist denkbar. Andererseits verfügen die Vereinigten Staaten von Amerika über die Beweise, welche sie brauchen. Sollte die IRI versuchen, eine Situation zu erzeugen, in welcher ein öffentlicher Prozess nicht mehr zu Stande kommt, so könnte man immer noch gegen sie vorgehen. Die Vereinigten Staaten von Amerika könnten aber auch einen Präzedenzfall schaffen. Sie könnten an die wahre Führung in Teheran signalisieren, dass sie durchaus zu "Gentlemen Agreements" bereit sind. Sie würden eine Präzedenzsituation für die - unzweifelhaft kommende - nächste Geiselnahme durch Teheran schaffen. Die Lage im Machtgefüge in der IRI ist derzeit unklar. Auch manchem hochrangigen Vertreter des Regimes dürften Details nicht vorliegen. Ob es eher im Interesse der Verinigten Staaten von Amerika liegt, diese Unsicherheiten auszunutzen, oder ob es vielleicht sogar ganz nützlich sein kann, wenn Teheran weiß, was Washington alles gelernt hat, müssen wohl Experten abschätzen. Anwälte wären die Vertreter einer Nation, zu der keine diplomatischen Kontakte bestehen jedeenfalls nicht.
Gerdtrader50 18.10.2011
5. Möglich, dass er recht hat, aber selbst schuld
Ob wirklich eine Beteiligung des Iran an den Anschlagsplänen der genannten Personen vorliegt, kann man eigentlich nur unter Prüfung der vorliegenden Beweise feststellen. Es gibt ja auch Zweifel daran, dass es so gewesen sein könnte, wegen der lt. Berichten offensichtlich ziemlich dilletantischen Art, wie vorgegangen wurde. Das passt eigentlich nicht zu Arbeiten eines Geheimdienstes. Allerdings ist der Achmadinedschad seit Jahren ein verbaler Scharfmacher, der die Isrealis ins Meer jagen will und schon mehrfach den USA verbal gedroht hat. Damit überschätzt er sich und seinen Staat ein klein wenig. Er unterstützt die Hisbolla, Syrien und liess iranische Kriegsschiffe in der Nähe des US-Hohheitsgewässers aufkreuzen, was die Amis natürlich provozierte. Übersetzt heisst diese Politik - Sprache: Schlagt mich, bitte, bitte schlagt mich. Das bekommt er jetzt. Also, selbst wenn er mit diesen Attentatsplänen nichts zu tun hatte, ganz unschuldig ist dieser Hetzer und Scharfmacher nicht an den Vorwürfen. Auch einen möglichen US-Angriff hat er selbst durch jahrelange Provokationen zu verantworten, wenn er denn durchgeführt wird.
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