Attentatsplan in Washington Obama sucht weltweit Verbündete gegen Iran

Die US-Regierung reagiert schnell und hart auf den mutmaßlichen Terrorplot: Sie bereitet neue Sanktionen gegen Iran vor. Präsident Obama sieht den vereitelten Attentatsplan als Chance, das Land international massiv unter Druck zu setzen.
US-Präsident Obama: Internationalen Druck auf Iran erhöhen

US-Präsident Obama: Internationalen Druck auf Iran erhöhen

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Mancher in den USA fühlt sich plötzlich an die US-Serie "24" erinnert. Darin geht es um eine Anti-Terror-Einheit, die rund um die Uhr gegen diverse Attentatsversuche kämpft. Einmal kämpft sie gegen ein mexikanisches Drogenkartell, das Terroristen eine biologische Waffe liefern will, um sie gegen die USA einzusetzen. Alles Fiktion, glücklicherweise.

Seit Dienstag steht die Wirklichkeit dem kaum mehr nach.

Das mexikanische Drogenkartell Los Zetas; ein iranischer Gebrauchtwagenhändler mit US-Pass; eine Operation mit dem Decknamen "Chevrolet"; ein Mitglied der Kuds-Brigaden, der Spezialeinheit der Revolutionswächter Irans; Geld und Auftrag aus Teheran: So soll den Ermittlungen amerikanischer Behörden zufolge ein im Iran initiiertes Mordkomplott gegen Adil al-Dschubeir, den Botschafter Saudi-Arabiens in den USA, geschmiedet worden sein. Männer des Drogenkartells hätten die Tat ausführen sollen.

Aggressiver Plan? Ungewöhnliche Taktik?

Aber die Iraner verhandelten nicht, wie sie glaubten, mit einem Vertreter der Drogenbarone, sondern mit einem Informanten der US-Drogenfahndungsbehörde DEA. Und so flog die Sache auf.

Die entscheidende Frage, die sich die Amerikaner nun stellen: Welche Rolle spielte Irans Regierung bei diesem Terrorplot? Wer ordnete es an? Wer war daran beteiligt?

US-Beamte gehen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mittlerweile von einer Verwicklung der iranischen Führung in den mutmaßlichen Attentatsplan aus: Es sei "mehr als wahrscheinlich", dass die oberste Ebene der Kuds-Brigaden sowie der Revolutionsführer vom Terrorplot wussten. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte die mögliche Verbindung des Iran mit den Anschlagsplänen eine "gefährliche Eskalation" von Teherans Rolle als Terror-Sponsor. Die USA verhängten Sanktionen gegen die iranische Fluggesellschaft Mahan. Begründung: sie unterstütze die Kuds-Brigaden und die Hisbollah.

Die ganze Aktion sei "so fernab ihrer anderen Aktivitäten", zitiert die "New York Times" einen hochrangigen Beamten der Strafverfolgungsbehörden mit Blick auf Iran: "Entweder ist das ein aggressiver Plan oder sie nutzten eine ungewöhnliche Taktik. Wir wissen es einfach nicht."

Klar ist: Die US-Regierung wird den mutmaßlichen Attentatsversuch nutzen, um den internationalen Druck auf Iran, auch mit Blick auf dessen Atomprogramm, zu erhöhen. Man arbeite jetzt mit anderen Nationen zusammen, um Iran weiter zu isolieren, sagte US-Vizepräsident Joe Biden dem TV-Sender "CBS". Er wolle "nicht darüber spekulieren", wie weit hinauf in Irans Machthierarchie das Wissen um das Mordkomplott reiche.

Das State Department habe Depeschen an alle US-Botschaften und Konsulate in der Welt mit der Bitte geschickt, den Fall den jeweiligen Regierungen darzulegen, verlautete am Mittwoch aus diplomatischen Kreisen in Washington.

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Iranische Agenten: Terrorplot in Washington

Foto: Jacquelyn Martin/ AP

Offenbar gingen die Pläne der Terroristen über einen Anschlag auf den Botschaftern hinaus. So sollte das Los-Zetas-Drogenkartell nach Informationen der "New York Times" zudem dafür bezahlt werden,

  • die israelische Botschaft in Washington anzugreifen
  • und Bombenattentate auf die Gesandtschaften der Saudis und Israelis in Argentinien zu verüben.
  • In einer Art Neben-Deal sollte Opium vom Mittleren Osten nach Mexico geliefert werden.

Gebrauchtwagenhändler im Fadenkreuz der Ermittler

Die Amerikaner jedenfalls hatten ausreichend Zeit, sich ihre Reaktion auf die versuchte Attacke zurechtzulegen. Vor fast zwei Wochen konnten sie den Gebrauchtwagenhändler Manssor Arbabsiar am New Yorker Kennedy-Flughafen festnehmen. Gholam Schakuri, das in das Komplott verwickelte Mitglied der Kuds-Brigaden, das in Iran lebt, sei für die US-Behörden nicht auffindbar. Direkt nach der Verhaftung von Arbabsiar reiste Tom Donilon, der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, nach Saudi-Arabien, um König Abdullah vertraulich zu informieren.

Die "Washington Post" zitiert einen US-Regierungsbeamten, der Irans Regime nun für verletzlich hält: "Wir sehen das als Chance, um in die Hauptstädte der Welt zu gehen und mit unseren Alliierten und Partnern darüber zu reden, was Iran zu tun versuchte." Man werde es "nicht tolerieren", dass ein Diplomat in Washington zum Ziel gemacht worden sei. "Wir werden versuchen, das zu nutzen, um sie bis zum maximal möglichen Ausmaß zu isolieren." Das US-Außenministerium hat alle seine Botschaften und Konsulate bereits angewiesen, die Iran-Problematik mit den jeweiligen Regierungen zu diskutieren.

Die EU warnte Iran bereits vor "sehr ernsten Konsequenzen". Wenn sich die Vorwürfe bestätigten, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, handele es sich um "eine klare Verletzung" zwischenstaatlichen Rechts, die "nach internationalem Strafrecht" verfolgt werden müsse.

Vizepräsident Biden kündigt Sanktionen an

Vizepräsident Biden erklärte, Washington arbeite nun an einer neuen Runde internationaler Sanktionen gegen Iran. Die USA diskutieren bereits mit Saudi-Arabien und anderen Alliierten die Möglichkeit, den Attentatsversuch im Uno-Sicherheitsrat zu thematisieren.

Ein Sprecher des britischen Premiers David Cameron sagte mit Blick auf Sanktionen, die USA und Großbritannien verhandelten über "weitergehende Aktionen".

Im saudischen Königshaus wächst derweil die Wut auf den Nachbarn am Persischen Golf: "Überwältigend" seien die Beweise, dass Iran hinter dem Komplott stehe, sagte Prinz Turki, früher selbst Botschafter in Washington: "In Iran wird jemand dafür den Preis zu zahlen haben."

Dort weist man bisher jeden Verdacht von sich. In einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nennt der iranische Botschafter Mohammed Chasai die Vorwürfe "erfunden und unbegründet". Sie seien "ein politisch motivierter Schachzug" der USA. Ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums sprach von einer "lächerlichen Show".

Die Amerikaner indes veröffentlichten eine weltweite Terrorwarnung. Die jüngste Verschwörung "könnte auf einen aggressiveren Ansatz der iranischen Regierung bei terroristischen Aktivitäten hinweisen", heißt es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums.

Mit Material von Reuters, AP
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