Audiobotschaft Gaddafi ruft zum Guerilla-Krieg auf

Der untergetauchte libysche Ex-Diktator Gaddafi gibt nicht auf. Innerhalb weniger Stunden veröffentlichte er zwei Audiobotschaften - und zeigte sich dabei nach wie vor kämpferisch.

Abgerissene Poster des Ex-Diktators: Gaddafi bleibt kämpferisch
DPA

Abgerissene Poster des Ex-Diktators: Gaddafi bleibt kämpferisch


Tripolis/Doha - Muammar al-Gaddafi hat sich Fernsehberichten zufolge am Donnerstagabend erneut zu Wort gemeldet. Wie der arabische Nachrichtensender al-Dschasira in der Nacht zum Freitag berichtete, strahlte der syrische Sender al- Rai-TV eine zweite Audiobotschaft binnen weniger Stunden aus. Darin habe sich der Despot erneut kämpferisch gezeigt.

"Wir werden in jedem Tal, in jeder Straße, in jeder Oase und jeder Stadt kämpfen", habe Gaddafi mit Blick auf die Stämme in seiner Geburtsstadt Sirt und der Wüstenstadt Bani Walid gesagt. "Die imperialistischen Mächte" wollten das libysche Volk unterjochen und sich seiner Bodenschätze bemächtigen. "Wir sterben lieber, als uns unter westliche Kontrolle zwingen zu lassen", zitierte al-Dschasira Gaddafi. Bani Walid gilt als mögliches Versteck Gaddafis und seines Sohnes Saif al-Islam.

Im Vergleich zu anderen Botschaften und Reden, die in jüngster Zeit von Gaddafi verbreitet worden waren, wirkte seine Stimme in der neuen Sequenz ruhig. Er warf den Nato-Staaten, die sich an dem Lufteinsatz gegen seine Heimat beteiligen, darin vor, Libyen kolonialisieren und die Energieressourcen des Landes unter Kontrolle bringen zu wollen. "Der Kolonialismus will, dass die Libyer sich gegenseitig töten und sich unterwerfen, aber wir werden uns niemals unterwerfen, wir ziehen es vor, zu sterben", hieß es in der Botschaft weiter.

Wenige Stunden zuvor hatte der 69-Jährige seine Anhänger in einer ersten Audiobotschaft aus seinem Versteck bereits aufgerufen, das "Land zu befreien". "Geht, greift zu den Waffen und kämpft", rief Gaddafi, der vor genau 42 Jahren die Macht in dem nordafrikanischen Land ergriffen hatte.

Die neuen Machthaber in Libyen können auf breite Unterstützung der Weltgemeinschaft setzen. Vertreter von rund 60 Staaten und internationalen Organisationen versprachen ihnen am Donnerstagabend in Paris Hilfe beim Wiederaufbau des Landes. Eingefrorene Gelder des alten Gaddafi- Regimes sollen rasch bereitgestellt werden.

ler/dpa/AFP

insgesamt 64 Beiträge
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Die_Bohne 02.09.2011
1. bald ist das vorbei...
Zitat von sysopDer untergetauchte libysche Ex-Diktator Gaddafi gibt nicht auf. Innerhalb weniger Stunden veröffentlichte er zwei Audio-Botschaften - und zeigte sich dabei nach wie vor kämpferisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,783930,00.html
Bin mir sicher das es bald ganz vorbei ist mit diesem Diktator... und das ich auch gut so!
moliebste 02.09.2011
2. Trockene Pipelines
In einer zweiten Botschaft am späten Abend hat Gaddafi laut af.reuters.com folgendes nachgeschoben: Der Westen wird kein Öl fördern können, da er niemals die tausende Kilometer langen Pipelines gegen Guerrilla-Angriffe sichern kann. p.s. Die Bombardierung und völlige Ausschaltung der libyschen Radio- und Fernsehsender durch die Willigen wird soeben konterkariert. Ein reicher irakischer Geschäftsmann richtet für die libysche Regierung in sicherer Entfernung einen neuen Fernsehsender ein, der das gesamte Land erreichen wird. Sein Name : "Resistance"
jörg pk 02.09.2011
3. MG richtet sich selbst
Zitat von sysopDer untergetauchte libysche Ex-Diktator Gaddafi gibt nicht auf. Innerhalb weniger Stunden veröffentlichte er zwei Audio-Botschaften - und zeigte sich dabei nach wie vor kämpferisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,783930,00.html
MG ist es lieber sein Land niederzubrennen als seine Niderlage einzugestehen. Damit zeigt er seine hässliche Fratze. Leider gibt es Leute (gell moeliebste) die das immer noch als geringeres Übel sehen wollen (und eine prosperiende Demokratie in Libyen fürchten wie der Teufel das Weihwasser). So wird es wohl zum Showdown kommen...mit vielen weiteren Toten, darunter auch die perversen Schwerstverbrecher MG und Saif. Damit wird Daffi dem Land eine letzte schwer Last auftragen und auch für die Zukunft den Versöhnungsprozess (über den eigenen Tod hinaus) erschweren. Aber, auch ich erhalte mittlerweile von Libyern in und ausserhalb des Landes täglich den Stand der Dinge: Die Libyer werden auch dass noch auf sich nehmen und auch diese letzte Extra-Meile meistern. Bravo!
sukowsky, 02.09.2011
4. Ob das wirklich klug war
Ob das wirklich klug war von Herrn Sarkozy und westlichen Freunden die Gaddafis aus Libyen zu vertreiben wird sich zeigen. Jetzt durch das Chaos mit fast kein Trinkwasser und Nahrungsmittel. Sprit mit tagelangen Wartezeiten erschwert das Leben ohne die Gaddafis. Eine Redefreiheit mit Hunger auf ganzer Linie was ist die schon für den einfachen Menschen auf der Strasse schon wert? Nur die jetzt politischen Mächtigen und die wenigen Gedemütigten jubeln auf. Was ist mit den vielen Toten? Selbst bin ich vom Westen enttäuscht.
biobanane 02.09.2011
5. .
In Würde abtreten ist kein Markenzeichen von Despoten. Lieber will man in seiner Überheblichkeit das Land mit einem in den Abgrund ziehen.
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