Weltkulturorganisation Audrey Azoulay soll künftig die Unesco führen

Die frühere französische Ministerin Audrey Azoulay soll demnächst an der Spitze der Uno-Kulturorganisation Unesco stehen. Sie hat sich knapp gegen einen Gegenkandidaten aus Katar durchgesetzt.

Audrey Azoulay
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Audrey Azoulay


Die krisengeschüttelte Uno-Kulturorganisation wird in Zukunft von der französischen Ex-Ministerin Audrey Azoulay geleitet. Die 45-Jährige habe sich im Unesco-Exekutivrat gegen den katarischen Kandidaten Hamad bin Abdulasis al-Kawari mit 30 Stimmen zu 28 Stimmen durchgesetzt, teilte die Unesco am Freitagabend in Paris mit.

Die Organisation war in Turbulenzen geraten, als zunächst die USA unddann Israel am Donnerstag überraschend ihren Austritt erklärt hatten. Azoulay folgt auf die aktuelle Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa aus Bulgarien.

Die Französin mit jüdisch-marokkanischen Wurzeln war 2014 zur Kulturberaterin von Macrons Amtsvorgänger François Hollande aufgestiegen. 2016 übernahm die Absolventin der Elitehochschule ENA dann für etwa ein Jahr lang das französische Kultur- und Kommunikationsressort. Sie nennt sich selbst eine "Weltbürgerin mit familiären Bindungen nach Marokko". Ihr Vater ist der einflussreiche marokkanische Bankier und Politiker André Azoulay, der König Mohammed von Marokko berät wie zuvor dessen Vater Hassan. Azoulays Mutter ist die Schriftstellerin Katia Brami.

Nominierung Azoulays ist auch Erfolg für Emmanuel Macron

Ihre jüdischen Wurzeln und ihr marokkanisches Erbe könnten ihr dabei helfen, die Gräben in der Unesco zu überwinden, die durch die umstrittene Aufnahme Palästinas 2011 aufgerissen wurden und durch eine Reihe von Entscheidungen zum Schutz des palästinensischen Kulturerbes noch vertieft wurden. In der Folge hatten die USA bereits ihre Zahlungen an die Organisation eingestellt. Sie wären eigentlich der größte Beitragszahler.

Das Wahlverfahren für die Generaldirektion hatte am Montag mit Kandidaten aus sieben Ländern begonnen. Der Exekutivrat hat 58 Mitglieder. Die nun nominierte Azoulay braucht noch die Zustimmung der Unesco-Generalkonferenz am 10. November.

Frankreich und auch Deutschland fordern schon seit Längerem ein neues Konzept für die Organisation, um tiefe politische Gräben zu überwinden und Vertrauen zu schaffen. Die Zukunft der Unesco hat für Frankreich als Sitzland eine besondere Bedeutung. Die Nominierung Azoulays ist auch ein diplomatischer Erfolg für den seit Mai amtierenden Staatspräsidenten Emmanuel Macron.

Die Unesco ist vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt. Doch die Organisation mit 2100 Mitarbeitern und einem dreistelligen Millionenetat ist in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung. Ihr Auftrag ist es, das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen zu fördern.

mja/AFP/dpa



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