Femen unter Verdacht Die nackte Granate

Greift Femen zu den Waffen? Im Hauptquartier in Kiew wurden eine Pistole und eine Granate sichergestellt, den Ober-Feministinnen droht Haft. Die Frauen sprechen von einer Racheaktion des Staates.

DPA

Hamburg/Kiew - Als beste Waffen der modernen Feministin gelten den Femen-Frauen stets die eigenen Brüste. Mit ihrem Oben-ohne-Protest wollen sie die Aufmerksamkeit auf die Unterdrückung der Frau richten. Jetzt steht die Frage im Raum, ob sich Femen auch anderer Waffen bedient.

Im Hauptquartier der Feministinnen-Bewegung in Kiew fand die ukrainische Polizei eine Pistole und eine Granate. Sie ermittelt wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Den Femen-Chefinnen droht eventuell gar eine mehrjährige Haftstrafe.

Auch wenn vieles in diesem Fall, der Femen seit Tagen in Atem hält, noch unklar ist, deutlich wird: In der Ukraine, wo die Femen-Bewegung ihren Ursprung hat, wird die Luft für die radikalen Feministinnen dünner. In den vergangenen Wochen wurden die Anführerinnen immer wieder Opfer von Übergriffen und Misshandlungen. Sie sehen darin eine Racheaktion des Staates, der sie loswerden wolle.

Den vorläufigen Höhepunkt markiert die Razzia. Am Dienstag stürmten Polizisten mit Hunden das Büro der Organisation in Kiew und fanden dort nach wenigen Minute eine Pistole und eine Granate. Oder genauer: "Gegenstände, die einer Pistole des Typs TT und einer Granate ähnelten", wie es in einer Erklärung hieß.

Femen-Chefin Anna Huzol betonte, die Gruppe besitze keine Waffen. Jemand müsse die Waffen dort deponiert haben, um Femen zu schaden. Die Schuldigen laut Femen: der russische Geheimdienst, ukrainische Sicherheitsbehörden oder gar beide. Sie unterstellen eine "Racheaktion". Die Polizei teilte mit, es habe einen anonymen Hinweis auf einen Sprengsatz gegeben.

Überfalle und Misshandlungen

Die Feministinnen erklärten, sie würden ihr Büro in Kiew ganz schließen. Es sei verwanzt. "Aus Sicherheitsgründen ist es nicht mehr möglich, dort zu arbeiten", sagte Huzol.

Seit Wochen gehen die Behörden in der Ukraine verstärkt gegen Femen vor. Im Juli wurde drei Frauen und ein Fotograf während eines Besuchs Wladimir Putins festgenommen - sie klagten anschließend, sie seien von den Polizisten geschlagen worden. Die Behörden befürchteten wohl eine Aktion wie im April in Hannover, als Femen-Frauen auf den russischen Präsidenten und Kanzlerin Angela Merkel losstürmten.

Femen-Chefin Huzol wurde danach mehrfach zusammengeschlagen, nach einem Überfall in Odessa veröffentlichte sie Fotos, auf denen sie mit einer geschwollenen Nase zu sehen ist, ihr Begleiter mit einer Platzwunde an der Stirn. Danach forderte sie vom Innenminister Rund-um-die-Uhr-Schutz. Die Gruppe sei in Lebensgefahr. Die Antwort: Die Behörden ermitteln lediglich wegen "geringfügiger Körperverletzung".

Auf dem Waffenfund reagierten die Schwestern im Ausland umgehend auf Femen-Art. Sie zogen blank. In Paris, in Brüssel und auch vor der ukrainischen Botschaft in Berlin-Mitte machten sie am Donnerstag kurze Aktionen. Auf ihren Oberkörpern prangte in Deutsch, Englisch, Russisch die Botschaft: "Mein Körper ist meine Waffe." Auch wenn sie dabei Plastikpistolen trugen.

Ein unglücklicher Abstecher

Die Proteste zeigen, wohin sich das Zentrum der Femen-Bewegung verlagert. Co-Chefin Inna Schwetschenko ist schon seit Monaten viel in Paris. Nach eigenen Angaben hat man im dortigen Trainingszentrum mehr als tausend Frauen in Aktionen à la Femen ausgebildet. Anfang August fand in Paris die "erste internationale Versammlung der Sextremisten" statt, man schulte junge Frauen in Fitness und Feminismus.

In Westeuropa sind den Frauen Schlagzeilen für ihre bildstarken Aktionen sicher. Auch dort werden sie nach Protesten kurzzeitig festgesetzt, es drohen ihnen aber keine Misshandlung oder lange Haftstrafen.

Ein Ausflug nach Tunesien wird auch in der Bewegung von manchen mittlerweile als unglücklich gesehen. Zwei Französinnen und eine Deutsche saßen nach einer Oben-ohne-Aktion für die tunesische Aktivistin Amina Sboui wochenlang im Gefängnis in Tunis. Die Aktion rief Ärger bei Feministinnen in Tunesien und der Heimat hervor, bei Islamisten wie moderaten Muslimen. Und dann erklärte Sboui auch nochden Bruch mit den Femen - sie warf ihnen Islamfeindlichkeit vor.

Nach dem Durchbruch, dem verunglückten Abstecher nach Tunesien und dem Ärger im Stammland Ukraine muss Femen schauen, wie es weitergeht. Am ehesten wohl im Westen. Zuletzt wurden Ableger in Belgien, Holland und Spanien gegründet.

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
EvilGenius 30.08.2013
1.
Ziemlich absurde Geschichte. Was soll Femen mit Waffen? Das passt überhaupt nicht zu ihrer Strategie.
mfetzer 30.08.2013
2. Putin lässt grüssen
hier zeigt es sich wieder einmal wie die Russen ganz offensichtlich reagieren. Ukraine und Putin. Es tut mir leid es immer wieder zu betonen, wie offensichtlich politische und unbequeme Gegner ins Gefängnis gebracht werden zeugt von einer Überheblichkeit ohnes Gleichen. Entschuldigung, aber für mich ist die ukrainische und rusische politische Führung nichts anderes als ein diktatorisches Sysem.
Jasro 30.08.2013
3. Femen mit Waffen? Kaum!
Zitat von sysopREUTERSGreift Femen zu den Waffen? Im Hauptquartier in Kiew wurden eine Pistole und eine Granate sichergestellt, den Ober-Feministinnen droht Haft. Die Frauen sprechen von einer Racheaktion des Staats. http://www.spiegel.de/politik/ausland/auf-femen-steigt-nach-waffenrazzia-druck-in-der-ukraine-a-919548.html
Nicht, dass ich "Femen" nicht für kritikwürdig hielte, aber in der Ukraine kann man getrost davon ausgehen, dass Geheimdienst und/oder Polizei "Femen" die Waffen untergeschoben haben, um die ganze Bewegung öffentlich zu diskreditieren.
yournightmare 30.08.2013
4.
Zitat von mfetzerhier zeigt es sich wieder einmal wie die Russen ganz offensichtlich reagieren. Ukraine und Putin. Es tut mir leid es immer wieder zu betonen, wie offensichtlich politische und unbequeme Gegner ins Gefängnis gebracht werden zeugt von einer Überheblichkeit ohnes Gleichen. Entschuldigung, aber für mich ist die ukrainische und rusische politische Führung nichts anderes als ein diktatorisches Sysem.
Diese Diktatoren wurden aber mit großer Mehrheit gewählt. Mag sein, dass Ukraine unter Timoschenko eine Diktatur war. Aber diese Zeit ist vorbei und die Diktatorin sitzt im Gefängnis. Und im Gegensatz zu Ägypten wurde Sie von den Wählern gnadenlos bestraft und nicht von Militärs. Und Ukraine hat keinen Krieg gebraucht um diese Diktatorin abzusetzen.
metronomfahrer 30.08.2013
5.
Zitat von EvilGeniusZiemlich absurde Geschichte. Was soll Femen mit Waffen? Das passt überhaupt nicht zu ihrer Strategie.
Nicht? Bis vor kurzem zierte deren Homepage noch eine Frau, die einen mit einer Sichel abgetrennten Hodensack in die Höhe hielt. Im ZEIT-Interview sagte Femen-Anführerin Alexandra Schewtschenko daß "das Blut der Männer" fließen werde. Nur weil die Femen sich irgendwie feministisch geben, bedeutet das noch lange nicht Gewaltfreiheit.
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