Unruhen auf Nauru Asylbewerber revoltieren in australischem Flüchtlingslager

Auf der Südseeinsel Nauru haben mehr als hundert Iraner einen Aufstand in einem Flüchtlingslager angezettelt. Sie hoffen auf Asyl in Australien, doch die Regierung in Canberra lagert das Problem einfach aus - und setzt die Menschen auf Pazifik-Inseln fest.
Flüchtlingsboot vor australischer Küste: 2012 kamen 17.000 Asylbewerber übers Meer

Flüchtlingsboot vor australischer Küste: 2012 kamen 17.000 Asylbewerber übers Meer

Foto: DPA

Canberra - Nauru ist eine winzige Pazifikinsel, gerade einmal 20 Quadratkilometer groß. Ein Südseeparadies mit schneeweißen Stränden, Kokospalmen und einem Korallenriff vor der Küste. Aber auch mit einem Flüchtlingslager, in dem mehr als 500 Asylbewerber unter erbärmlichen Bedingungen leben müssen. Sie hoffen darauf, vom benachbarten Australien aufgenommen zu werden.

Am Freitag sind in dem Camp Unruhen ausgebrochen. Etwa 150 Insassen sollen einen Aufstand angezettelt und versucht haben, aus dem Lager auszubrechen, teilte die australische Immigrationsbehörde mit, die das Camp betreibt. Die Flüchtlinge hätten sich mit Messern aus der Lagerküche bewaffnet und innerhalb von zwei Stunden die Kontrolle übernommen, bevor die Polizei einschritt. Zahlreiche Asylbewerber und Sicherheitsbeamte seien verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Mehrere Gebäude auf dem Camp-Gelände sollen bis auf die Grundmauern niedergebrannt sein. Der Sachschaden geht in die Millionen.

Nach Angaben des australischen Fernsehsenders ABC sollen etwa tausend einheimische Männer der Polizei geholfen haben, den Aufstand niederzuschlagen. Sie seien mit Macheten und Stahlrohren auf die Flüchtlinge losgegangen und hätten sie damit am Ausbrechen gehindert. Die meisten Asylbewerber in dem Lager auf Nauru sollen aus Iran stammen.

Die Proteste waren geplant

Augenzeugen beschrieben die Zusammenstöße als die schlimmsten seit Menschengedenken auf der abgelegenen Südseeinsel. Menschenrechtsgruppen haben jedoch seit langem vor der schwelenden Flüchtlingskrise gewarnt. "Die Spannungen haben sich über lange Zeit aufgebaut. Der Vorfall sollte niemanden überraschen", sagte Ian Rintoul von der australischen Refugee Action Coalition.

Ursprünglich hätten die Asylbewerber geplant, aus dem Camp auszubrechen und zum Inselflughafen zu marschieren. Dort sollte eine Protestkundgebung stattfinden. Wegen des erbitterten Widerstands des Wachpersonals sei die Lage in dem Lager dann jedoch eskaliert.

Die Ungewissheit und die langen Bearbeitungszeiten der Asylanträge hätten die Flüchtlinge frustriert, sagte Rintoul. Zudem seien die Bedingungen, unter denen die Camp-Insassen leben müssen, unerträglich geworden, weil immer mehr Menschen dort aufgenommen werden.

Zusätzliche Brisanz erhält der Vorfall durch eine Neuregelung in der australischen Asylpolitik, die der neue Premierminister Kevin Rudd durchgesetzt hat. Von Samstag an werden alle Flüchtlinge, die in Booten in australische Gewässer kommen, nach Papua-Neuguinea abgeschoben. Ein erstes Boot mit 81 Menschen an Bord wurde am Samstag bereits vor der Küste der Weihnachtsinsel aufgegriffen.

2012 kamen 17.000 Flüchtlinge übers Meer

Parallel dazu schaltete die Regierung in Canberra Anzeigen in heimischen und internationalen Tageszeitungen. Die Botschaft: "Wenn du ohne Visum im Boot hierher kommst, wirst du nicht in Australien abgesetzt." Entsprechende Versprechungen der Schleuserbanden seien wertlos.

Doch diese Kampagne ist in Australien hoch umstritten. "So lange der 'Adelaide Advertiser' nicht in den Vororten von Jakarta ausgeliefert wird, ist das eine gigantische Verschwendung von Steuermitteln", sagte der Parlamentsabgeordnete Nick Xenophon. Auch aus den Reihen der regierenden Labor-Partei kommt Kritik. Der Labor-Chefin des Bundesstaats Victoria, Cath Bowtell, sagte, die Regierung gebe die falsche Antwort darauf, dass Tausende Menschen auf dem Meer vor Australien sterben.

Der Ministerpräsident des Bundesstaats Queensland, Campbell Newman, kritisierte, dass die Regierung das Flüchtlingsproblem nicht löse, indem sie die Asylbewerber nach Papua-Neuguinea abschiebe. Schließlich lägen an manchen Stellen nur vier Kilometer zwischen Papua-Neuguinea und der Küste von Queensland. "Kevin Rudd hat Australiens Problem zu Queenslands Problem gemacht", sagte Newman.

Die Zahl der Bootsflüchtlinge in Australien hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht. Noch 2004 kam gerade einmal ein Boot mit 15 Menschen an Bord nach Down Under. 2012 waren es 278 Schiffe mit mehr als 17.000 Flüchtlingen an Bord.

syd/AP