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Chinas Aufrüstung: Flugzeugträger auf Probefahrt

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Aufrüstung China feiert erste Flugzeugträger-Fahrt

Das Schiff ist mehr als 300 Meter lang und beunruhigt bereits jetzt Chinas Nachbarstaaten: Der erste Flugzeugträger der Volksrepublik ist zu einer Testfahrt aufgebrochen. Er wurde Ende der neunziger Jahre von der Ukraine gekauft und im Hafen von Dalian aufgerüstet.

Peking - China verfügt über einen der größten Verteidigungsetats der Welt - geschätzte 100 Milliarden Dollar gibt Peking jährlich dafür aus. Zur Ausrüstung der Chinesen gehören Kampfjets, moderne U-Boote - und ein Flugzeugträger. Es ist der erste Flugzeugträger der Volksrepublik, und er ist nun zu einer ersten Testfahrt aufgebrochen.

Das 300 Meter lange Schiff habe die Werft im nordostchinesischen Dalian verlassen, die Fahrt solle aber nur von kurzer Dauer sein, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Dann sollten die Arbeiten weitergehen und zusätzliche Tests erfolgen.

Der Flugzeugträger sollte ursprünglich für die sowjetische Marine gebaut werden, die Arbeiten an dem damals "Warjag" genannten Schiff wurden aber mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 eingestellt. Die Regierung in Peking kaufte 1998 der Ukraine das stillgelegte Schiff ohne Motoren, Waffensysteme und andere wichtige Ausstattung ab und schleppte es für eine Generalüberholung in den Hafen von Dalian. Ende Dezember meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ranghohe chinesische Beamte, dass der Koloss schon 2011 einsatzfähig sein könnte - ein Jahr früher, als US-Militärs erwartet hatten.

Inzwischen soll das Schiff "Shi Lang" heißen - benannt nach jenem chinesischen Admiral, der 1681 Taiwan erobert hat. Offiziell bestätigt ist der Name noch nicht - doch das Detail dürfte nicht nur auf der Insel, die Peking als abtrünnige Provinz betrachtet, für Unruhe sorgen.

Erst vor wenigen Wochen hatte Peking mitgeteilt, der erworbene Flugzeugträger solle nur für Forschungs- und Übungszwecke verwendet werden. China habe keine Ambitionen, das umgerüstete Schiff als Bestandteil seiner Flotte zu nutzen, sagte damals ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Chinas Nachbarstaaten aber verfolgen die Modernisierung und Aufrüstung der Streitkräfte des Landes mit großer Sorge. China macht zunehmend Besitzansprüche im ost- und südchinesischen Meer geltend, wo mehrere andere asiatische Länder ebenfalls Ansprüche erheben. In jüngster Vergangenheit hatte China immer wieder Streitigkeiten über Territorialfragen, unter anderem mit Japan, Vietnam und den Philippinen.

Auch die USA sind beunruhigt. Bei einem China-Besuch im Januar 2011 betonte der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates, die USA würden chinesischer Aufrüstung im Pazifik nicht tatenlos zuschauen. Washington sieht seinen Machtanspruch dort bedroht, der in erster Linie mit Flugzeugträgern demonstriert und durchgesetzt wird. Die riesigen, leicht zu ortenden und verwundbaren Schiffe in konfliktbeladene Gebiete wie die Taiwain-Straße zu schicken, könnte durch Chinas neue Waffensysteme schlicht zu gefährlich oder zu kostspielig werden.

kgp/AFP/dapd
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