Aufrüstung im Irak Saddam wollte Nordkoreas Nodong-Rakete

Vielleicht war es die letzte Hoffnung von Saddam Hussein: Einem Zeitungsbericht zufolge versuchte der irakische Diktator noch kurz vor Kriegsausbruch, in den Besitz von nordkoreanischer Raketentechnik zu gelangen. Doch Kims Leute lieferten nicht.


Unerfüllte Waffenwünsche: Saddam Hussein
AP

Unerfüllte Waffenwünsche: Saddam Hussein

Frankfurt am Main - Das Geschäft sei letztlich nicht zustande gekommen, weil die Führung in Pjöngjang wegen der verstärkten internationalen Beobachtung seine Vertragsverpflichtungen nicht eingehalten habe, sagte ein hoher amerikanischer Beamter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Bagdad. Die Beschaffungspläne Saddams seien sowohl den Vereinten Nationen als auch der Regierung in Washington zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt gewesen.

Die damalige Führung des Irak habe im Oktober vergangenen Jahres mit Nordkorea über die Lieferung von Raketentechnologie verhandelt, sagte der in die Suche nach Massenvernichtungswaffen eingeweihte Beamte laut "FAZ". Es habe sich um Nodong-Technologie gehandelt, die eine Reichweite von 1300 Kilometern erlaubt.

Der Testflug einer Nodong-Rakete 1998 über japanisches Territorium hatte in Tokio für große Aufregung gesorgt. Die Regierung in Bagdad habe bereits eine Anzahlung von zehn Millionen Dollar geleistet. Als sie im Februar dieses Jahres die Lieferung anmahnte, sei sie mit dem Hinweis auf die verstärkte Beobachtung abgewiesen worden, der Nordkorea wegen seines Atomprogramms ausgesetzt sei.

Das Verlangen nach Rückerstattung der Anzahlung sei kalt abgewiesen worden, sagte der Beamte, der angab, sowohl über schriftliche Belege der Verhandlungen zu verfügen als auch die Vertragsbestimmungen zu kennen. Ebenso verfüge man über Dokumente, die belegten, dass Saddam an der Verlängerung der chinesischen Rakete vom Typ Seidenraupe habe arbeiten lassen. Der Krieg habe dem ein Ende gesetzt.

Aus den Aussagen irakischer Wissenschaftler und Militärs, die sich im Gewahrsam der Besatzungstruppen befinden, gehe hervor, dass Saddam Hussein Ende 1999 begonnen habe, über einen - von diversen Uno-Resolutionen untersagten - Neubeginn seiner Raketenprogramme nachzudenken. Dieser Prozess habe sich bis ins Jahr 2001 hingezogen. In jenem Jahr "haben die Iraker ihre verschiedenen Raketenprogramme aggressiv vorangetrieben".

Gleichzeitig habe Saddam seine dafür zuständigen Söhne Udai und Kussei gefragt, wie lange es dauern werde, Programme für biologische und chemische Waffen neu zu beginnen. Er habe vor allem Senfgas und Sarin im Auge gehabt. Dies wäre insbesondere brisant vor dem Hintergrund der Kriegsgrunddebatte. Sollte es stimmen, so liegt der Schluss nahe, dass der Irak damals tatsächlich nicht über solche Substanzen verfügt hat.

Auffällig ist der Zeitpunkt, von dem an Saddam Hussein die Anweisung gegeben haben soll, Raketentechnologie zu beschaffen oder bestehende System zu modernisieren. Am 17. Dezember 1999 verabschiedete der Uno-Sicherheitsrat bei Enthaltungen Frankreichs, Russlands und Chinas die Resolution 1284. Diese Resolution sah ein verschärftes Inspektionsregime vor und eine faktische unbefristete Verlängerung der Sanktionen. Sie war weit strenger als die ursprüngliche Waffenstillstandsresolution 687 nach Ende des Golfkriegs 1991. Saddam Hussein sei klar gewesen, dass die Sanktionen, die er zu recht als Hindernis und drückende Last gesehen habe und die er deswegen habe loswerden wollen, unter der Resolution 1284 möglicherweise niemals aufgehoben würden, berichtet die "FAZ" weiter. Von diesem Punkt an habe er sich neuen Trägersystemen und neuen biologischen und chemischen Waffenprogrammen zugewandt.



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