Aufruhr im Nahen Osten Libyer nennen Gaddafi "Feind Allahs"

Die Demonstrationen in Nahen Osten gehen weiter: Aus Libyen wurden erste Proteste gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi gemeldet. Im Jemen starb ein junger Protestler durch einen Kopfschuss. Tausende Menschen griffen im Irak öffentliche Einrichtungen an.
Libyens Revolutionsführer Gaddafi: Erste Demonstrationen im Land

Libyens Revolutionsführer Gaddafi: Erste Demonstrationen im Land

Foto: Sabri Elmhedwi/ dpa

Muammar al-Gaddafi

Teheran - Die Proteste gegen autoritäre Regime in der arabischen Welt haben auch Libyen erfasst - und könnten sich in den kommenden Tagen noch ausweiten. In der Hafenstadt Bengasi demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen Revolutionsführer und dessen Regierung.

Ein libyscher Oppositionsaktivist in London, Aschur Schamis, sagte, die Demonstration in der zweitgrößten Stadt des Landes habe am Dienstag begonnen und bis in die frühen Morgenstunden des Mittwochs angedauert. Demonstranten hätten Slogans wie "Kein Gott außer Allah, Gaddafi ist der Feind Allahs" und "Nieder mit Korruption und den Korrupten" gerufen. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Wasserwerfer ein.

Wie zuvor in Tunesien und Ägypten nutzten die Demonstranten soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, um zu einem Protesttag am Donnerstag aufzurufen. Dann werden noch deutlich mehr Teilnehmer erwartet. Von der amtlichen libyschen Nachrichtenagentur gab es keine Meldungen zu den Protesten in Bengasi.

Auslöser für die Demonstration in Bengasi war das Scheitern der Verhandlungen zwischen Regierung und einem Komitee über Entschädigung von Angehörigen Hunderter Häftlinge, die 1996 bei einem Aufstand im berüchtigten Gefängnis Abu Salim getötet wurden. Schnell wurden dabei aber Forderungen nach politischen und wirtschaftlichen Reformen laut. Am Montag hatten libysche Exilgruppen zum Sturz Gaddafis aufgerufen.

Protestler in Bahrain harren aus

Bahrain

In verbrachten Tausende Demonstranten die Nacht zum Mittwoch in Zelten auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Manama, den sie seit Dienstag besetzt halten. Einige Demonstranten schlossen sich am Morgen einer Trauerfeier für einen am Vortag bei Zusammenstößen mit der Polizei getöteten Demonstranten an, dem zweiten Todesopfer seit Montag. Sie forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Scheich Chalifa bin Salman Al Chalifa.

Die US-Regierung äußerte sich sehr besorgt über die Lage in dem Königreich. Man fordere die Regierung auf, die Todesfälle möglichst rasch zu untersuchen, sagte Außenamtssprecher P.J. Crowley am Dienstag in Washington.

Irans

Führung will mit einer Großdemonstration ihrer Anhänger Druck auf die Opposition machen. Die Bewohner der Hauptstadt Teheran sollten am Freitag "ihre Wut und ihren Hass" gegen die "abscheulichen Verbrechen" von Oppositionsführern zum Ausdruck bringen, hieß es am Mittwoch. Die deutsche Bundesregierung kritisierte das harte Vorgehen gegen die Opposition scharf. Es sei "völlig inakzeptabel, wie die iranische Regierung versucht, dieses Recht auf freie Meinungsäußerung mit Gewalt zu unterdrücken", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

jemenitischen

Auch in der Hauptstadt Sanaa hielten die Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Saleh den sechsten Tag in Folge an. Die Regierung schickte 2000 Polizisten, die an der Universität verhinderten, dass sich Tausende Studenten den Kundgebungen anschließen konnten. Dabei kam nach Angaben eines Sicherheitsbeamten am Mittwoch ein 23-jähriger Demonstrant durch einen Schuss in den Kopf ums Leben. Fünf weitere Personen wurden nach Angaben eines Beamten verletzt, mindestens einer davon schwer. Proteste wurden auch aus Aden und Taas gemeldet.

Gewalt im Irak, Streiks in Ägypten

Iraks

Im Süden des kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, als rund 2000 Demonstranten öffentliche Einrichtungen angriffen. Dabei gab es nach Angaben eines Gesundheitsbeamten 49 Verletzte, unter ihnen drei Schwerverletzte. Die Demonstranten hätten Steine auf den Hauptsitz des Regionalrats geworfen, einen Anhänger in Brand gesteckt und seien auf das Gelände geströmt, berichtete eine Sprecherin der Provinz Wasit.

Rücktritt von Präsident Husni Mubarak

Gegen den Willen der Streitkräfte setzen viele Ägypter ihre Proteste fort. Nach dem richten sie sich allerdings weniger gegen die Politik, sondern meist gegen Unternehmen. Die Streiks und Proteste erschwerten die Rückkehr zur Normalität, hieß es aus Militärkreisen.

Auf dem Kairoer Flughafen demonstrierten Hunderte Angestellte im Ankunftsterminal für höhere Löhne und bessere Krankenversicherungen. Der Flugbetrieb wurde dadurch nicht behindert. In der Industriestadt Mahlla al Kubra im Nildelta streikten die Arbeiter der größten Textilfabrik Ägyptens. Auch sie verlangen mehr Geld.

Catherine Ashton

EU-Außenbeauftragte kündigte für kommenden Dienstag einen Besuch in Ägypten an. Sie bereist derzeit die arabische Welt und machte am Wochenende in Tunesien Station. Sie wäre die bislang hochrangigste Diplomatin, die nach Mubaraks Sturz an den Nil reist.

jok/dpa/AFP