Aufruhr in Libyen Polizei feuert auf Gaddafi-Gegner

Die Regimegegner in Libyen verstärken ihre Proteste gegen Diktator Gaddafi. In mehreren Städten löste die Polizei Demonstrationen gewaltsam auf, Oppositionellen zufolge wurden mindestens 35 Menschen erschossen. Auch in Bahrain schlug die Polizei Proteste nieder.
Anti-Gaddafi-Demonstrant: Proteste in mehreren libyschen Städten

Anti-Gaddafi-Demonstrant: Proteste in mehreren libyschen Städten

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS

Proteste

Muammar al-Gaddafi

Tripolis - Die in Libyen haben sich am Donnerstag verstärkt. Trotz massiver Einschüchterungsversuche der Sicherheitskräfte versammelten sich Regimegegner in mindestens vier Städten und forderten unter anderem den Rücktritt von Präsident . Bei den Kundgebungen wurden Berichten der Opposition zufolge mindestens 35 Demonstranten getötet.

Allein in der Stadt Al-Baidha seien 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Oppositionszeitung "Libya al-Yaum" am Donnerstagabend. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht. Zahlreiche Tote soll es auch in den Städten Beida, Bengasi und Sentan gegeben haben. Nach Angaben der libyschen Opposition wurden die Demonstranten in der Stadt Beida von Scharfschützen beschossen.

Zuvor war von insgesamt 14 Toten bei den Protesten gegen den seit 1969 amtierenden Staatschef die Rede gewesen. Anderen Berichten zufolge starben 20 Demonstranten.

Insgesamt 14 Protestierende seien festgenommen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit. In der Hauptstadt versammelten sich Hunderte Anhänger der Regierung zu Kundgebungen.

Nach Angaben auf Internetseiten der libyschen Opposition und eines Gaddafi-Gegners fanden in vier Städten des Landes am Donnerstag Protestkundgebungen statt. Die Aufrufe zur Teilnahme an den Demonstrationen am "Tag des Zorns" wurden wie auch in Tunesien und Ägypten per Facebook und Twitter verbreitet.

Mehrere Tote in Bahrain

Ähnlich wie auch andere arabische Herrscher versuchte Gaddafi, die Bevölkerung mit Zugeständnissen zu beruhigen. Er verdoppelte die Löhne der Staatsbediensteten und entließ 110 mutmaßliche islamistische Extremisten.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur meldete, waren für Donnerstag auch Kundgebungen von Tausenden Gaddafi-Anhängern in Tripolis und anderen Städten geplant. Sie sollten die "ewige Einigkeit mit dem Führer der Revolution" zeigen, hieß es. Zeugen berichteten, in Tripolis hätten Regierungsanhänger libysche Flaggen an ihren Autos befestigt. Ansonsten sei die Situation in der Hauptstadt aber ruhig.

Auch in Bahrain gab es am Donnerstag Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Bereitschaftspolizisten lösten eine mehrtägige Protestaktion auf dem zentralen Perlen-Platz in der Hauptstadt Manama mit Gewalt auf. Nach Angaben von Ärzten gab es vier Tote. Der Außenminister äußerte später Bedauern über die Gewalt.

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Proteste in Bahrain: Tote und Verletzte

Foto: HAMAD I MOHAMMED/ REUTERS

Nach Räumung des seit Montag besetzten Platzes patrouillierten erstmals Soldaten und Panzer in der Hauptstadt. US-Präsident Barack Obama rief die Regierung zu einem Ende der Gewalt gegen Demonstranten auf. Auch jede andere Form der Repression müsse unterbleiben, sagte sein Sprecher. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Bestrafung der Verantwortlichen in Bahrain. "Dort und anderswo darf Gewalt nicht gegen friedliche Demonstranten und gegen Journalisten eingesetzt werden. Das muss aufhören!", sagte er in New York. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die brutalen Polizeieinsätze. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes halten sich derzeit etwa 700 Deutsche im Land auf.

In Ägypten wurde der verhasste frühere Innenminister Habib al-Adli nach Korruptionsvorwürfen festgenommen. Außerdem festgenommen wurden der ehemalige Bauminister Ahmad Maghrabi, der frühere Tourismusminister Suhair Garana und der Stahlindustrielle Ahmad Izz, der eine führende Rolle in der Nationaldemokratischen Partei Husni Mubaraks spielte. Alle sollen wegen der laufenden Ermittlungen 15 Tage in Haft bleiben. Al-Adli wird von vielen Gegnern für das brutale Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demonstranten bei den landesweiten Protesten gegen Mubarak verantwortlich gemacht. Ägyptens Demokratiebewegung rief zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Dabei soll am Freitag der Sieg über Mubarak gefeiert werden.

Die Regierung in Algerien versprach weitere Reformen und eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustands. Unter dem Eindruck der politischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten hatte sich in den vergangenen Wochen auch in Algerien Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land formiert.

jok/lgr/dapd/dpa/AP
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