Aufstände Blutige Nacht im Irak

Der Irak droht drei Monate vor der geplanten Machtübergabe der Besatzer in einem blutigen Chaos zu versinken. Nach heftigen Kämpfen mit radikalen Schiiten haben die US-Truppen auch im so genannten sunnitischen Dreieck schwere Verluste erlitten. Zwölf Marines kamen ums Leben.

Nadschaf/Washington - Aufständische griffen einen Stützpunkt in der Stadt Ramadi an, berichtete das amerikanische Verteidigungsministerium. Zwölf US-Marineinfanteristen seien dabei getötet worden.

Die Angreifer sollen ebenfalls schwere Verluste erlitten haben. Es war zunächst nicht bekannt, wer die Angreifer waren und ob der Angriff in Zusammenhang steht mit andauernden Gefechten im nahe gelegenen Falludscha.

Dort wurden am Abend bei US-Luftangriffen auf vier Häuser mindestens 26 Iraker getötet, darunter auch Frauen und Kinder, wie Augenzeugen berichteten. Nach Angaben eines Arztes wurden 30 Menschen verletzt. Die Häuser seien nach Sonnenuntergang von Raketen getroffen worden. Falludscha ist eine der Hochburgen irakischer Rebellen. Insgesamt sind damit am Dienstag bei Kämpfen in Falludscha 34 Iraker getötet worden. Die US-Truppen versuchen seit Montag, den Widerstand der Iraker in der Stadt zu brechen.

Die US-Militäraktion in Falludscha im so genannten sunnitischen Dreieck ist eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod und die Verstümmelung von vier Amerikanern vor einer Woche. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld berichtete am Dienstag von mehreren Festnahmen. Mehrere Verdächtige seien getötet worden, als sie Widerstand geleistet hätten.

Neben den sunnitischen Widerstandskämpfern sehen sich die Besatzungstruppen mittlerweile auch radikalen Schiiten gegenüber. Der von den USA mit Haftbefehl gesuchte Schiitenführer Muktada al-Sadr drohte mit einem Aufstand. Nach Angaben von Vertrauten verschanzte er sich in der heiligen Stadt Nadschaf. Der Schiitenführer, der im Zusammenhang mit der Ermordung eines gemäßigten Rivalen vor einem Jahr gesucht wird, hatte sich zwei Tage lang in einer Moschee in Kufa aufgehalten.

Anhänger al-Sadrs lieferten sich in der Nacht zum Dienstag Gefechte mit britischen Soldaten in Amarah. 15 Iraker wurden nach Militärangaben getötet, acht verletzt. Bei Auseinandersetzungen zwischen italienischen Truppen und bewaffneten Kämpfern in Nassirija wurden am Dienstag 15 Iraker getötet. 35 weitere Iraker und 11 Soldaten wurden italienischen Angaben zufolge verletzt. Den Auseinandersetzungen mit den Schiiten fielen in den vergangenen Tagen schon insgesamt mehr als 100 Iraker und 20 Soldaten zum Opfer.

Die US-Regierung hat ihren Willen zur Fortsetzung der bisherigen Politik betont. "Unsere Entschlossenheit ist unerschütterlich, und wir werden uns durchsetzen", versicherte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush.

Verteididungsminister Donald Rumsfeld erklärte am Dienstag, dass die Kommandeure im Irak zusätzliche Truppen erhalten würden, sobald sie danach fragten. Die Militärs überprüften derzeit, ob wie sie die Zahl der Soldaten erhöhen könnten, falls sich die Aufstände ausweiten sollten.

Der vor Monaten beschlossene Plan, die Truppenzahl zu verringern, scheint damit vom Tisch. Derzeit sind 135.000 amerikanische Soldaten im Irak. Es war damit gerechnet worden, dass ihre Zahl bis Mai auf 115.00 gesenkt werden könnte. Das ist vorerst vom Tisch. Laut "USA Today" ist die geplante Heimkehr von 24.000 Amerikanern in den kommenden Wochen bereits auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bush selbst hatte zuvor betont, dass er trotz der Gewalt am 30. Juni als Termin für die Machtübergabe festhalten werde. Auch der britische Premierminister Tony Blair bekräftigte am Dienstag die Entscheidung. Angesichts der verheerenden Sicherheitslage hat das Uno-Flüchtlingshilfswerk die Rückführung irakischer Flüchtlinge aus Iran vorübergehend eingestellt.

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