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Aufstände im Nahen Osten Amerika bangt um Bahrain

Die Lage in Bahrain bleibt angespannt: Das Militär geht gegen das revoltierende Volk vor, es gibt Tote und Verletzte. Vor allem die USA beobachten die Eskalation der Gewalt mit Besorgnis, sie fürchten um einen wichtigen Verbündeten. Auch in anderen Staaten im Nahen Osten halten die Proteste an.

Washington/Manama/Tripolis - Bahrain kommt nicht zur Ruhe: Bei einer Trauerfeier für Opfer der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in dem Golfstaat haben am Freitag mehrere hundert Menschen den Sturz des Königs gefordert.

Bahrain

Hillary Clinton

Die Gewalt in war zuletzt eskaliert, vor allem in den USA beobachtet man die Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und Sicherheitskräften mit wachsender Besorgnis. verurteilt das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten scharf. Die US-Außenministerin zeigte sich "tief besorgt" über die Lage in dem Golfstaat.

Ihre Regierung lehne Gewalt gegen Demonstranten ab und unterstützte demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe das Vorgehen der Sicherheitskräfte auch in einem Telefongespräch mit ihrem Amtskollegen, Chalid al-Chalifa, kritisiert, erklärte sie am Donnerstagabend (Ortszeit).

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Proteste in Bahrain: Tote und Verletzte

Foto: HAMAD I MOHAMMED/ REUTERS

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten kamen laut Augenzeugen und Oppositionellen fünf Menschen ums Leben, mehr als 220 wurden verletzt. In der Hauptstadt Manama zogen Panzer auf. "Sie bringen uns um", sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur Reuters. Das Militär erklärte im Staatsfernsehen, die Streitkräfte hätten die Lage unter Kontrolle. Protestveranstaltungen wurden verboten.

Ein Armeesprecher rechtfertigte im staatlichen Fernsehen den Einsatz von Soldaten. Dies diene der Sicherheit der Bürger, sagte er. Der Oppositionelle Scheich Ali Salman, Vorsitzender der schiitischen Wifak-Gesellschaft, verurteilte im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira am Donnerstag das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte. Der Lulu-Platz - das Zentrum der Proteste - sei geräumt worden, während die meisten Regimegegner schliefen. "So darf man nicht mit friedlichen Demonstranten umgehen", sagte Salman. Seine Organisation, die bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr 18 der insgesamt 40 Sitze errungen hatte, unterstützt die Proteste - sie verlangt Reformen und eine Regierung, die gewählt wird und nicht mit Günstlingen des Königs besetzt ist.

Die Demonstranten fordern den Rücktritt der regierenden sunnitischen Königsfamilie. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit beklagt, dass sie in dem vor Saudi-Arabien gelegenen Inselstaat vom Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen und von Jobs im öffentlichen Dienst ausgeschlossen werde. Gestützt wird die Führung in Bahrain von Saudi-Arabien und den USA, die in der Herrscherfamilie ein Bollwerk gegen den schiitischen Iran sehen. Das kleine Königreich ist Hauptquartier der fünften US-Flotte.

Dutzende Tote in Libyen, Demonstrationen im Jemen und in Ägypten

Tausende Regimegegner

Auch in anderen Staaten im Nahen Osten halten die Proteste an. In Libyen lassen sich nicht von staatlicher Gewalt abschrecken. An diesem Freitag werden neue Proteste erwartet. Aktivisten verbreiteten im Internet einen Aufruf für Demonstrationen gegen Gaddafi, die nach dem Freitagsgebet beginnen sollten.

Muammar al-Gaddafi

Landesweit folgten die Regimegegner schon am Donnerstag dem Aufruf der Opposition zum "Tag des Zorns". Bei Protesten gegen Staatschef starben nach unbestätigten Berichten binnen zwei Tagen Dutzende von Menschen. Allein in der Stadt Baidha seien 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Oppositionszeitung "Libya al-Jum" am Donnerstagabend.

Zahlreiche Tote soll es in der Stadt Bengasi gegeben haben. Nach unbestätigten Berichten von Regimegegnern sollen in der Küstenstadt Derna Darna drei Menschen getötet worden sein. 15 Demonstranten seien verletzt worden, hieß es. Zuvor war von insgesamt 14 Toten bei den Protesten gegen den seit 1969 amtierenden Staatschef die Rede gewesen.

Im Jemen kam am Donnerstag bei neuen Protesten mindestens ein Mensch ums Leben. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN weiter. Rund 1500 Regimegegner hatten am Donnerstag im Zentrum der Hauptstadt Sanaa friedlich für den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih demonstriert, als sie von den Unterstützern des Regimes angegriffen wurden, berichteten Augenzeugen.

Husni Mubarak

Die Demokratiebewegung in Ägypten rief für Freitag zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Dabei soll der "Sieg" über gefeiert werden. Bei den Demonstrationen zum Sturz Mubaraks kamen nach vorläufigen Regierungsangaben mindestens 365 Menschen ums Leben. Weitere 5500 Menschen seien während der 18-tägigen Proteste verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium laut Berichten staatlicher Medien mit. Seit einer Woche herrscht in Ägypten das Militär.

Die Proteste und Unruhen in der Region können nach Ansicht von Prinz Talal bin Abdul Asis in Saudi-Arabien gefährlich für die Herrschaft von König Abdullah werden, wenn dieser die Reformen im eigenen Land nicht beschleunige. Abdul Asis, ein Halbbruder des Königs, erklärte am Donnerstag im Sender BBC Arabic, noch sei es nicht zu spät, um Proteste auch in Saudi-Arabien zu verhindern. Aber der König sei die einzige Person, die diese Veränderungen einleiten könne. Die Menschen liebten ihn. Wenn er nichts unternehme, könne es sehr gefährlich für das Land werden.

ler/dpa/Reuters/dapd
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