Aufstand gegen Assad Aktivisten melden heftige Gefechte in Syrien

Die Unruhen in Syrien spalten die syrische Armee. Nach Angaben von Aktivisten liefern sich Deserteure und Regimetreue in der Provinz Idlib heftige Kämpfe, eine 18-Jährige wurde erschossen. Für Freitag mobilisieren die Gegner von Präsident Assad zu einer Großdemonstration.


Damaskus/Istanbul - Desertierte Soldaten und Einheiten der Armee sollen sich am Donnerstag in der syrischen Provinz Idlib heftige Gefechte geliefert haben. Das berichteten Aktivisten der Protestbewegung. In der Stadt Homs sei eine 18 Jahre alte Frau erschossen worden.

Die Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad haben für diesen Freitag zu einer Demonstration unter dem Motto "Erhebt euch, Bürger von Syrien, Rastan wird abgeschlachtet" aufgerufen. Aus der Ortschaft Rastan waren am Vortag Berichte über Kämpfe zwischen Deserteuren und Regierungstruppen gemeldet worden.

Das Regime Assad geht seit Monaten mit brutaler Gewalt gegen die Opposition vor, die seinen Rücktritt fordert. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sollen bisher etwa 3000 Menschen getötet worden sein, Zehntausende gelten als vermisst. Wegen der Medienblockade der syrischen Regierung lassen sich solche Angaben aber nicht unabhängig überprüfen. Die Uno hatte vor gut einem Monat von 1900 Toten gesprochen, inzwischen hat es aber neue Militäreinsätze gegeben.

"Hört die Repression nicht auf, muss Assad mit Sanktionen rechnen"

Auf Sanktionen haben sich die Vereinten Nationen bisher nicht einigen können. Der Uno-Sicherheitsrat hat am Mittwochabend (Ortszeit) nur noch über eine entschärfte Variante des von den vier EU-Ländern vorgelegten Resolutionsentwurfs beraten. Der Hauptgrund sind mögliche Vetos von Russland und China trotz der Tausenden Toten in Syrien. Aber auch Brasilien, Indien und Südafrika haben Vorbehalte gegen Sanktionen.

Wegen des Widerstands von Russland und China war ein von den Briten initiierter Resolutionsentwurf im Sommer gescheitert. Der Rat hatte sich im August nur auf eine sogenannte präsidentielle Erklärung einigen können, die aber nicht verbindlich ist. Russen und Chinesen sind wichtige Handelspartner des Regimes und Waffenlieferanten, zudem hat Russland in Syrien einen Militärstützpunkt. Die Russen hatten Anfang der Woche sogar einen Gegenentwurf einer Resolution vorgelegt.

Der neue Versuch einer Resolution hatte vor allem appellativen Charakter und sollte die Gewalt der syrischen Regierung verurteilen, Reformen fordern, Menschenrechtsbeobachter entsenden und einen Sonderbeauftragten des Uno-Generalsekretärs einsetzen. Dem Regime sollte mit Sanktionen zumindest gedroht werden, wenn es die Gewalt nicht stoppt. Letztlich konnte sich der Rat am Mittwoch auf Drängen von Russen und Chinesen, aber auch Indern, Südafrikanern und Brasilianern nur auf einen ausgedünnten Entwurf einigen, der von den Europäern - Großbritannien, Frankreich, Portugal und auch Deutschland - neu gefasst und am Donnerstag beraten werden soll. Bereits am Freitag könnte es zu einem Kompromiss kommen.

"Es ist gut, dass es heute zu Textverhandlungen auf der Grundlage unseres europäischen Kompromissvorschlags kam", sagte der deutsche Uno-Botschafter Peter Wittig. "Für den von uns angestrebten Kompromiss mit den bisher ablehnenden Staaten müssen wir Konzessionen machen. Aber das darf nicht als Konzession gegenüber Damaskus missverstanden werden. Es geht im Kern um eine geschlossene Botschaft des Rates: Assad muss dem Foltern und Töten ein Ende setzen." Wittig bedauerte, dass nicht klare Konsequenzen angedroht werden könnten: "Ein Sanktionsregime ist im Rat derzeit noch nicht durchsetzbar. Aber Assad muss klar sein: Hört die Repression nicht auf, muss er mit Sanktionen rechnen und sich für sein Tun verantworten."

Auch andere Diplomaten bezeichneten den überarbeiteten Entwurf als Kompromiss. Ziel sei ein gemeinsames Signal an die syrische Führung in Damaskus. Es sei ein Fortschritt, dass sich die bislang ablehnenden Staaten nun nicht mehr den Textverhandlungen verweigern. "Es fällt ohnehin schwer zu glauben, dass demokratische Länder wie Brasilien, Indien und Südafrika die brutale Unterdrückung des syrischen Volkes weiterhin schweigend hinnehmen wollen", sagte ein Diplomat. "Und es ist ein gutes Zeichen, dass die Russen angekündigt haben, ihren konkurrierenden Resolutionsentwurf zunächst nicht weiterzuverfolgen."

ffr/dpa/dapd

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Marginalius 29.09.2011
1. fgfgfy
Ich wundere mich, dass es hier eine halbe Stunde nach Erscheinen des Artikel immer noch keinen Eintrag gibt. Müssten denn jetzt nicht die üblichen Verdächtigen hier auftauchen und schreiben, dass die NATO jetzt also ihren bezahlten und manipulierten Schergen in Syrien den Angriffsbefehl gegeben hat? Grüße
Babs50+ 29.09.2011
2. .
Die "üblichen Verdächtigen" holen sich gerade die Popcorn Vorräte aus dem Schrank und warten auf die andere Fraktion der "üblichen Verdächtigen", die jetzt hoffentlich lautstark einen humanitären NATO-Einsatz für Freiheit und Demokratie verlangen wird, denselbigen aber nicht bekommen wird. Mangels vorhandener Rohstoff- Ressourcen in Syrien. Bin schon gespannt, wie man sich windet, wenn hier die Nato nicht eingreift. Popcorn !
Marginalius 29.09.2011
3. rdgs
Zitat von Babs50+Die "üblichen Verdächtigen" holen sich gerade die Popcorn Vorräte aus dem Schrank und warten auf die andere Fraktion der "üblichen Verdächtigen", die jetzt hoffentlich lautstark einen humanitären NATO-Einsatz für Freiheit und Demokratie verlangen wird, denselbigen aber nicht bekommen wird. Mangels vorhandener Rohstoff- Ressourcen in Syrien. Bin schon gespannt, wie man sich windet, wenn hier die Nato nicht eingreift. Popcorn !
Hmmm. Wir sind immer noch die einzigen. Vielleicht ist das ja hier unser privater Plauder-Thread. Wie geht's denn so bei Ihnen? Wie ist das Wetter so bei Ihnen? Hier scheint die Sonne. Blauer Himmel. Mittagspause ist gleich zu Ende. Popcorn ist hier bei uns aus Sicherheitsgründen leider nicht erlaubt. :-( Grüße
angst+money 29.09.2011
4. na bitte
Zitat von MarginaliusIch wundere mich, dass es hier eine halbe Stunde nach Erscheinen des Artikel immer noch keinen Eintrag gibt. Müssten denn jetzt nicht die üblichen Verdächtigen hier auftauchen und schreiben, dass die NATO jetzt also ihren bezahlten und manipulierten Schergen in Syrien den Angriffsbefehl gegeben hat? Grüße
da war doch schon der erste (Babs50)
Babs50+ 29.09.2011
5. .
"Die Erste" bitte ! "Der Babs" ist wirklich eine Frau, und muß jetzt leider zur Arbeit. Schade, sonst hätten wir wirklich ein wenig plauschen können, ganz entre nous :)))
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