Aufstand gegen Assad Arabische Liga fordert Uno-Blauhelme für Syrien

Die Arabische Liga glaubt nicht mehr an diplomatische Möglichkeiten, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Die Außenminister der Mitgliedstaaten fordern jetzt in einer Resolution den Uno-Sicherheitsrat auf, gemeinsam mit arabischen Ländern Friedenstruppen im Land zu stationieren.

Anti-Assad-Demonstration in Syrien: Die Arabische Liga will Blauhelme für Syrien
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Anti-Assad-Demonstration in Syrien: Die Arabische Liga will Blauhelme für Syrien


Kairo - Die Arabische Liga will dem Uno-Sicherheitsrat eine neue Syrien-Resolution vorlegen. Darin will das Bündnis eine internationale Friedensmission für das Land fordern. Blauhelmsoldaten sollten zusammen mit arabischen Friedenstruppen die Gewalt zwischen Aufständischen und dem syrischen Militär beenden. Die Ende Januar abgebrochene Beobachtermission der Arabischen Liga solle endgültig beendet werden. Die Liga wolle zudem die wirtschaftlichen Sanktionen gegen das Assad-Regime verschärfen und jegliche diplomatischen Beziehungen abbrechen. Über einen entsprechenden Resolutionsentwurf verständigten sich am Sonntag die Außenminister der Mitgliedsstaaten der Liga.

Der erste Resolutionsentwurf der Arabischen Liga mit einem Friedensplan für Syrien war im Uno-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas gescheitert.

Am Sonntagvormittag hatte der Chef der Beobachtermission der Arabischen Liga, der Sudanese General Mohammed al-Dabi, seinen Rücktritt erklärt. Al-Dabi war seit Beginn der Mission umstritten. Er empörte die Opposition schon bald nach seinem Eintreffen in Damaskus, als er das Regime von Präsident Baschar al-Assad lobte. In der heftig umkämpften Protesthochburg Homs konnte er nach eigenen Worten nichts Beunruhigendes entdecken. Später bestritt Dabi Aussagen anderer Beobachter, dass diese syrische Heckenschützen auf Dächern gesehen hätten.

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Bereits die Ernennung des Sudanesen am 20. Dezember zum Leiter der arabischen Delegation hatte die Regime-Gegner verärgert. Denn Dabi gilt als Vertrauter des sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, gegen den es wegen Kriegsverbrechen in Darfur einen internationalen Haftbefehl gibt.

Die Arabische Liga will nun offenbar einen Gesandten für Syrien ernennen. Liga-Chef Nabil Elarabi werde den ehemaligen jordanischen Außenminister Abdul Illah al Chatib für den Posten nominieren, hieß es in Kairo. Aus Kreisen der Organisation verlautete, der Sondergesandte solle mit der syrischen Führung verhandeln.

Tunesien lädt "Freunde Syriens" ein

Die tunesische Regierung will Ende des Monats einen internationalen Gipfel über die Lage in Syrien abhalten. Auf dem Treffen der "Freunde Syriens" solle nach Wegen aus der Gewalt gesucht werden. "Ich begrüße Tunesiens Einladung", sagte Katars Regierungschef Scheich Hamad bin Dschassim al-Thani am Sonntag in Kairo. "Dies wird eine gute Gelegenheit sein, eine klare Richtung vorzugeben, dem syrischen Volk aus der Krise zu helfen. Nach den Angaben des tunesischen Außenministers Rafik Ben Adessalam werden an dem Treffen arabische Staaten und andere Länder teilnehmen.

Al-Qaida fordert Unterstützung für die Rebellen

Als Unterstützer von Präsident Assad präsentierte sich am Wochenende ein weiteres Mal der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Er warnte die arabischen Länder am Samstag vor Hilfszahlungen an die syrische Opposition. Länder in der Region, die noch niemals faire Wahlen ausgetragen hätten, versuchten mit Hilfe der USA, ein "Rezept für Freiheit und Wahlen für andere" zu schreiben, sagte er vor Zehntausenden Anhängern am Jahrestag der Islamischen Revolution in Teheran. "Das ist ein sehr bitterer und der lächerlichste Witz in der Geschichte".

Der Führer des Terrornetzwerks al-Qaida forderte hingegen die Muslime in der ganzen Welt zur Unterstützung der Rebellen in Syrien auf. Diese dürften sich nicht allein auf die Hilfe des Westens verlassen, erklärte Aiman al-Sawahiri in einer am Samstagabend im Internet verbreiteten Videobotschaft. Er rief Muslime im Irak, in Jordanien, im Libanon und in der Türkei auf, sich dem Aufstand gegen das "verderbliche, krebsartige Regime" von Präsident Assad anzuschließen. Aus irakischen Geheimdienstkreisen verlautete, al-Qaida-Kämpfer aus dem Irak seien schon auf dem Weg nach Syrien. Bei einigen der Dschihadis handele es sich um Syrer, die zum Kämpfen in den Irak gekommen waren und nun wieder zurückkehrten. Bei anderen "Gotteskriegern" handele es sich um Iraker.

Assads Truppen bomben weiter

Regierungstruppen nahmen am Sonntag erneut mehrere syrische Oppositionshochburgen unter Beschuss. Mindestens elf Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten allein am Vormittag landesweit getötet, die meisten von ihnen in der Stadt Homs. Auch die Provinzen Daraa und Hama seien erneut angegriffen worden.

ler/dpa/dapd/AP/Reuters



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Seite 1
BurnOut_Generation 12.02.2012
1. sdf
Zitat von sysopREUTERSDie Arabische Liga verliert die Geduld, glaubt nicht mehr an diplomatische Erfolge, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Das Gremium will jetzt den Uno-Sicherheitsrat auffordern, gemeinsam mit der Liga Friedenstruppen im Land zu stationieren. Dies geht aus dem Entwurf der gemeinsamen Resolution hervor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814797,00.html
Wofür? Damit sie genau so wie die Beobachter der AL beschossen werden und danach aus dem Land geworfen wurden oder damit die freie Presse aus Syrien berichtet..like a SUN? Or News of the World?..Ne lasst mal jungs...legt die Waffen rundet und sucht den Dialog(den ihr nicht wollt). Da kommt nämlich das raus,was die Menschen aus Syrien berichten..Angst vor den Brüdern aus paar Bezirken aus Homs..
Wasnun 12.02.2012
2. Das ist ja wirklich erfreulich
Zitat von sysopREUTERSDie Arabische Liga verliert die Geduld, glaubt nicht mehr an diplomatische Erfolge, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Das Gremium will jetzt den Uno-Sicherheitsrat auffordern, gemeinsam mit der Liga Friedenstruppen im Land zu stationieren. Dies geht aus dem Entwurf der gemeinsamen Resolution hervor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814797,00.html
Endlich mal nicht die unterdrückten Araber gegen die westlichen Imperatoren. Jetzt hat man auch im arabischen Lager erkannt, daß Zugehörigkeit zu einem Volksstamm nicht automatisch heißt, alles zu tolerieren, was in dieser riesigen Völkergemeinschaft vor sich geht! Bravo so!
arinari 12.02.2012
3. dann passiert
Zitat von sysopREUTERSDie Arabische Liga verliert die Geduld, glaubt nicht mehr an diplomatische Erfolge, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Das Gremium will jetzt den Uno-Sicherheitsrat auffordern, gemeinsam mit der Liga Friedenstruppen im Land zu stationieren. Dies geht aus dem Entwurf der gemeinsamen Resolution hervor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814797,00.html
dasselbe wie in Libyen... Nach dem " Sieg" wird wieder der Westen als ungläubiger Sündenbock gehandelt...
Hape1 12.02.2012
4. ...
Zitat von sysopREUTERSDie Arabische Liga verliert die Geduld, glaubt nicht mehr an diplomatische Erfolge, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Das Gremium will jetzt den Uno-Sicherheitsrat auffordern, gemeinsam mit der Liga Friedenstruppen im Land zu stationieren. Dies geht aus dem Entwurf der gemeinsamen Resolution hervor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814797,00.html
Das wär`s....deutsche Blauhelmsoldaten die Schulter an Schulter gemeinsam mit irakischen Al-Kaida Terroristen kämpfen...jene, die in Afghanistan unsere Soldaten töten. Ich dachte immer die Euro-Hilfe ist kompliziert...aber das hier ist echt was für Professoren.
arinari 12.02.2012
5. Al Quaida
Zitat von sysopREUTERSDie Arabische Liga verliert die Geduld, glaubt nicht mehr an diplomatische Erfolge, um die Gewalt in Syrien zu stoppen. Das Gremium will jetzt den Uno-Sicherheitsrat auffordern, gemeinsam mit der Liga Friedenstruppen im Land zu stationieren. Dies geht aus dem Entwurf der gemeinsamen Resolution hervor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814797,00.html
hat den Rebellen schon Mut zugesprochen, wohin geht also die Reise?
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