Aufstand gegen Assad-Regime Sicherheitskräfte töten Demonstranten in Hama

In der syrischen Stadt Hama sind Proteste gegen das Assad-Regime erneut eskaliert. Einen Tag, bevor dort die Beobachter der Arabischen Liga erwartet werden, feuerten Sicherheitskräfte auf Demonstranten. Menschenrechtler berichten von mindestens sechs Toten.

AFP Photo / Youtube

Beirut - In der syrischen Stadt Hama sollen Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad in die Menge gefeuert haben, als am Mittwoch mehrere tausend Demonstranten einen Sitzstreik abhalten wollten. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden dabei mindestens sechs Menschen getötet und viele weitere verletzt.

Die Beobachter der Arabischen Liga werden laut Aktivisten am Donnerstag in Hama erwartet - doch offenbar hat sich seit ihrer Ankunft in Syrien wenig an der kritischen Situation geändert. Die Beobachtermission wird nach Ansicht von Menschenrechtlern gezielt getäuscht. Human Rights Watch warf dem Assad-Regime beispielsweise vor, Gefangene verlegt und Soldaten als Polizisten verkleidet zu haben.

Zudem trauen die syrischen Regimegegner den Beobachtern nicht. Bewohner von Homs hatten sich zunächst geweigert, die Delegation im Beisein eines regierungstreuen Offiziers zu treffen. Sie kamen schließlich ohne Begleitung in den Stadtteil Baba Amro und sprachen mit den Menschen vor Ort, hieß es nach Oppositionsangaben. Zuvor hatte ein Vertreter der syrischen Opposition in London die Mission kritisiert. "Die Mission der Arabischen Liga tut nichts, um der syrischen Bevölkerung zu helfen. Jeden Tag sterben Dutzende", sagte Rami Abdel Rahman von der syrischen Menschenrechtsbeobachtungsstelle in London.

Arabische Beobachter: Syrische Behörden sind kooperativ

Aktivisten zufolge wurden in den vergangenen zwei Tagen - seit Ankunft der Beobachtermission - mindestens 39 Menschen von syrischen Sicherheitskräften getötet. In Daraa nahe der jordanischen Grenze überfielen Deserteure aus der syrischen Armee nach Angaben von Aktivisten Regierungssoldaten und töteten vier von ihnen. Die arabischen Diplomaten gaben sich trotz der anhaltenden Gewalt zunächst optimistisch.

Der Chef der Beobachtermission, Mustafa al-Dabi, sagte nach dem Besuch in der seit Wochen umkämpften Stadt Homs, die Mission habe keine besorgniserregenden Entdeckungen gemacht. Ein Ende der Gewalt könne erreicht werden, bisher seien die syrischen Behörden kooperativ gewesen, sagte der sudanesische General gegenüber der panarabischen Zeitung "Al-Hayat" .

Bei den Protesten gegen Assad sollen seit Mitte März mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen sein. Angaben können derzeit nicht überprüft werden, da das Land internationale Journalisten nicht ungehindert einreisen und arbeiten lässt.

Die Initiative der Arabischen Liga sieht unter anderem vor, dass möglichst bald wieder Journalisten ungehindert ins Land reisen dürfen. Bis Ende Dezember soll die Zahl der Beobachter von derzeit gut 50 auf rund 150 steigen. Bis Ende Januar wollen sie den Abzug der Armee aus den Städten und die Freilassung politischer Gefangener überwachen. Nach der Protesthochburg Homs wollten die Beobachter im Laufe des Tages auch noch Daraa und die Unruheregionen rund um Idlib und Hama inspizieren.

Frankreich kritisiert bisherigen Verlauf der Beobachtermission

Die USA und Russland forderten Syrien auf, die Beobachter nicht zu behindern. Die USA drohten mit "weiteren Schritten", sollte Syrien der Liga die Zusammenarbeit verweigern. Auch die Regierung in Frankreich zeigte sich enttäuscht über den bisherigen Verlauf der Friedensmission der Arabischen Liga. Der Besuch von Beobachtern habe die Fortsetzung der blutigen Unterdrückung nicht verhindern können, kritisierte das Außenministerium in Paris. Die Kürze des Aufenthalts habe es der Delegation nicht einmal ermöglichen können, die tatsächliche Situation in der seit Wochen umkämpften Stadt einzuschätzen.

"Die Beobachter der Arabischen Liga sollten ohne Verzögerung in die Stadt der Märtyrer zurückkehren können und (...) dort den notwendigen Kontakt mit der Bevölkerung herstellen", so das Außenministerium. Die internationale Gemeinschaft werde angesichts möglicher Verschleierungs- und Manipulationsversuche des syrischen Regimes wachsam sein; man sei an die Hinhaltetaktik gewöhnt, hieß es weiter aus Paris.

lgr/dapd/dpa/Reuters

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alnemsi 28.12.2011
1. Paris ist an die Hinhaltetaktik gewöhnt,
weil es von 1929 bis 1945/46 mehrere Aufstände im heutigen Syrien (damaliges UnoMandatsgebiet) brutal niederschlug. Die Franzosen verabschiedeten sich vom Barada mit einem Knall: Während der Räumung der Stützpunkte in Damaskus feuerte die Artillerie unablässig in Wohngegenden der Altstadt, um die Bevölkerung abzulenken. Dabei starben schätzungsweise 10.000 Menschen. Die Meldung über den Tod friedlicher Demonstranten ist mit großer Sicherheit frei erfunden. Es gibt keinen Grund, Abdel Rahman Glauben zu schenken. Er hat weder eine ruhmreiche Vergangenheit als Menschenrechtler noch irgendeine journalistische Qualifikation. Stattdessen betreibt er eine Einmannagentur, ohne Büroräume, Mitarbeiter oder erkennbarer Finanzierung. Weshalb man aus offizieller französischer Sicht Homs als "Stadt der Märtyrer" bezeichnet, nicht aber Algier, oder das gesamte ehemalige Indochina zum Märtyrergebiet erklärt, oder aber fast das gesamte westliche Afrika, bleibt unklar, schließlich haben sich all diese Staaten, Regionen und Städte gegen die brutale Unterdrückung und grenzenlose Ausbeutung eines ruchlosen und menschenverachtenden Regimes aufgelehnt. Anschließend wurden sie zumeist auf internationalen Druck hin von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen.
onkeldr 28.12.2011
2.
Zitat von alnemsiweil es von 1929 bis 1945/46 mehrere Aufstände im heutigen Syrien (damaliges UnoMandatsgebiet) brutal niederschlug. Die Franzosen verabschiedeten sich vom Barada mit einem Knall: Während der Räumung der Stützpunkte in Damaskus feuerte die Artillerie unablässig in Wohngegenden der Altstadt, um die Bevölkerung abzulenken. Dabei starben schätzungsweise 10.000 Menschen. Die Meldung über den Tod friedlicher Demonstranten ist mit großer Sicherheit frei erfunden. Es gibt keinen Grund, Abdel Rahman Glauben zu schenken. Er hat weder eine ruhmreiche Vergangenheit als Menschenrechtler noch irgendeine journalistische Qualifikation. Stattdessen betreibt er eine Einmannagentur, ohne Büroräume, Mitarbeiter oder erkennbarer Finanzierung. Weshalb man aus offizieller französischer Sicht Homs als "Stadt der Märtyrer" bezeichnet, nicht aber Algier, oder das gesamte ehemalige Indochina zum Märtyrergebiet erklärt, oder aber fast das gesamte westliche Afrika, bleibt unklar, schließlich haben sich all diese Staaten, Regionen und Städte gegen die brutale Unterdrückung und grenzenlose Ausbeutung eines ruchlosen und menschenverachtenden Regimes aufgelehnt. Anschließend wurden sie zumeist auf internationalen Druck hin von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen.
sehr gut geschrieben !! und jetzt steht die Bevölkerung gegen die Ausbeutung. Frankreich kann viel reden... hat aber kaum einfluss in Syrien ich vermute dass die Lösung von den Russen kommen wird, wenn der Asad zur persona non grata erklärt wird... über den Preis wird gerade verhandelt... nicht mit Frankreich sondern mit der USA
dheidermann@web.de 28.12.2011
3. frei erfunden?
Zitat von alnemsiweil es von 1929 bis 1945/46 mehrere Aufstände im heutigen Syrien (damaliges UnoMandatsgebiet) brutal niederschlug. Die Franzosen verabschiedeten sich vom Barada mit einem Knall: Während der Räumung der Stützpunkte in Damaskus feuerte die Artillerie unablässig in Wohngegenden der Altstadt, um die Bevölkerung abzulenken. Dabei starben schätzungsweise 10.000 Menschen. Die Meldung über den Tod friedlicher Demonstranten ist mit großer Sicherheit frei erfunden. Es gibt keinen Grund, Abdel Rahman Glauben zu schenken. Er hat weder eine ruhmreiche Vergangenheit als Menschenrechtler noch irgendeine journalistische Qualifikation. Stattdessen betreibt er eine Einmannagentur, ohne Büroräume, Mitarbeiter oder erkennbarer Finanzierung. Weshalb man aus offizieller französischer Sicht Homs als "Stadt der Märtyrer" bezeichnet, nicht aber Algier, oder das gesamte ehemalige Indochina zum Märtyrergebiet erklärt, oder aber fast das gesamte westliche Afrika, bleibt unklar, schließlich haben sich all diese Staaten, Regionen und Städte gegen die brutale Unterdrückung und grenzenlose Ausbeutung eines ruchlosen und menschenverachtenden Regimes aufgelehnt. Anschließend wurden sie zumeist auf internationalen Druck hin von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen.
Das Regime sperrt ja recht erfolgreich die internationale Presse aus. Ab und zu kommt doch mal ein Journalist in die Brennpunkte: in einigen Stadteilen Homs wird jeder(!) erschossen der sich nach 16uhr auf die strasse traut. Snipers rule the streets in the besieged Syrian city of Homs - CNN.com (http://edition.cnn.com/2011/12/28/world/meast/syria-homs-scene/index.html?hpt=hp_c1)
varberg11 29.12.2011
4. Rami Abdel Rahman
In diesem Artikel zitiert der Spiegel sogar direkt obigen Herren. Er und seine Organisation "Syrian Observatory For Human Rights", die angeblich auch nur aus ihm als Präsidenten bestehen soll, haben bereits nachweislich und vorsätzlich Falschinformationen über Syrien verbreitet und fast alle großen Medien stützen sich auf seine Aussagen, um Nachrichten zu machen. Einfach mal googeln "Brutkastenlüge" und "Rami Abdel Rahman". Wie kann es angehen, dass ein Mann die Nachrichten der (westlichen) Welt bezogen auf Syrien dominiert? Was soll uns hier verkauft werden?
dheidermann@web.de 29.12.2011
5.
Zitat von varberg11In diesem Artikel zitiert der Spiegel sogar direkt obigen Herren. Er und seine Organisation "Syrian Observatory For Human Rights", die angeblich auch nur aus ihm als Präsidenten bestehen soll, haben bereits nachweislich und vorsätzlich Falschinformationen über Syrien verbreitet und fast alle großen Medien stützen sich auf seine Aussagen, um Nachrichten zu machen. Einfach mal googeln "Brutkastenlüge" und "Rami Abdel Rahman". Wie kann es angehen, dass ein Mann die Nachrichten der (westlichen) Welt bezogen auf Syrien dominiert? Was soll uns hier verkauft werden?
Ausser Diffamierungen auf den üblichen Seiten kann ich nichts finden. Kaum verwunderlich das bei so einer Arbeit auch mal Fehler passieren. Entscheidend ist das Gesamtbild das sich ergibt. Nutzen Sie Ihren kritschen Geist doch mal dazu sich zu fragen, warum Assad keine Presse ins Land lässt. Dann wären solche "one man shows" ja gar nicht nötig.
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