Aufstand gegen Assad Uno will Beobachter nach Syrien schicken

Syriens Despot Baschar al-Assad führt Krieg gegen sein Volk. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört. Er will jetzt mit der Arabischen Liga eigene Kontrolleure in das Land schicken, um das Töten zu beenden.

Uno-Generalsekretär Ban: "Wie viele müssen noch sterben?"
AFP

Uno-Generalsekretär Ban: "Wie viele müssen noch sterben?"


New York/Damaskus - Es war ein eindringlicher Appell, den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon im Sicherheitsrat an die internationale Gemeinschaft richtete: Die Uno müssen dringend alles dafür tun, um die Gewalt in Syrien zu beenden. Die Vereinten Nationen prüften nun, ob sie eine Beobachtermission in das Land schickt. "Wir erwägen eine gemeinsame Mission mit der Arabischen Liga", sagte Ban in New York.

Er habe mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, gesprochen. Dieser habe gesagt, dass die Beobachtermission der Liga nach Syrien zurückkehren solle. "Er hat die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Wir überlegen das jetzt und auch, ob wir einen Uno-Sondergesandten nach Syrien entsenden." Details seien aber noch nicht geklärt. Die Liga hatte ihre erste Mission Ende Januar nach internationaler Kritik an ihrer Professionalität ausgesetzt.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad geht seit Monaten brutal gegen die eigene Bevölkerung vor. Seit März sind nach Uno-Schätzungen mehr als 5400 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben von Menschenrechtlern sollen es bereits mehr als 6000 Menschen sein. Eine Verurteilung Syriens durch den Sicherheitsrat kam nicht zustande, weil China und Russland ihr Veto eingelegt haben. Der russische Regierungschef Wladimir Putin warnte eindringlich vor einer Einmischung des Westens in die Belange Syriens und stellte sich am Mittwoch demonstrativ an die Seite des Landes.

Ban Ki Moon zutiefst enttäuscht

Der Uno-Generalsekretär nannte die gescheiterte Resolution zu Syrien im Sicherheitsrat "katastrophal" für die Menschen in dem Land. Dies habe die syrische Führung "ermutigt, den Krieg gegen ihr eigenes Volk zu verschärfen". Er sei zutiefst enttäuscht.

So deutliche Worte wählt der sonst als milde geltende Uno-Generalsekretär selten. "So viele sind getötet worden", sagte er. "Wie viele müssen noch sterben, bevor es eine politische Lösung gibt?", so der Koreaner nach der Sitzung des Sicherheitsrats. "Wir müssen dringender denn je eine Einigung finden. Wir haben zu viele gebrochene Versprechen gehört, sogar noch in den letzten 24 Stunden."

Die US-Regierung bekräftigte, sie strebe mit ihren internationalen Partnern eine politische Lösung im Syrien-Konflikt an. Das sei der richtige Weg, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Er kündigte für die kommenden Tage Gespräche mit Freunden und Verbündeten an. Ziel bleibe ein friedlicher politischer Übergang in dem Land.

"Anscheinend wahllose Attacken auf Wohngebiete"

In Syrien wurden am Donnerstag 31 Menschen getötet, berichtete der Sender Al-Arabija. Am Vortag waren nach Oppositionsangaben mindestens 117 Menschen ums leben gekommen. Allein in der Protesthochburg Homs waren 93 Menschen ums Leben gekommen. Assads Streitkräfte bombardierten die Stadt mit schweren Waffen.

Die Menschen in der syrischen Widerstandshochburg Homs sind nach Angaben von Bewohnern am Ende ihrer Kräfte. Aktivisten berichteten, das Viertel Baba Amr sei mit Raketen und Mörsern beschossen worden. Sie sprachen von Dutzenden Toten.

Milizionäre hätten zudem drei Familien in ihren Häusern massakriert, hieß es. Entsetzt äußerte sich die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, über den Einsatz von Artillerie und anderen schweren Waffen "bei anscheinend wahllosen Attacken auf Wohngebiete". Das Scheitern einer Syrien-Resolution im Uno-Sicherheitsrat scheine "die Bereitschaft der syrischen Regierung verstärkt zu haben, die eigene Bevölkerung zu massakrieren, um die Opposition zu brechen".

Der Syrische Nationalrat wollte am Donnerstag im Golfemirat Katar beraten, wie das Blutvergießen gestoppt werden könnte. Der Übergangsrat setzt inzwischen stärker als bisher auf militärische Optionen, unter anderem wird über die Bewaffnung von Deserteuren diskutiert.

heb/dpa/AFP/dapd



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mr_supersonic 09.02.2012
1. Blauhelme
Zitat von sysopAFPSyriens Despot Baschar al-Assd führt Krieg gegen sein Volk vor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört. Er will jetzt mit der Arabischen Liga eigene Kontrolleure in das Land schicken, um das Töten zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814198,00.html
Die Kontrolleure sollten aber zumindestens bewaffnet oder sehr zahlreich sein, denn was nützt eine neuerliche Farce, wie es sie schon bei der letzten "Inspektionsmission" gab?
iskin 09.02.2012
2. .... na also, warum nicht gleich so?
Zitat von sysopAFPSyriens Despot Baschar al-Assd führt Krieg gegen sein Volk vor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört. Er will jetzt mit der Arabischen Liga eigene Kontrolleure in das Land schicken, um das Töten zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814198,00.html
Jetzt sollen Kontrolleure ins Land geschickt werden. Hört sich vernünftig an. Ich bin sicher, dass das garnicht im Sinne der Rebellen ist. Die wollen an die Macht, der
iskin 09.02.2012
3. .... na also, warum nicht gleich so?
Zitat von sysopAFPSyriens Despot Baschar al-Assd führt Krieg gegen sein Volk vor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört. Er will jetzt mit der Arabischen Liga eigene Kontrolleure in das Land schicken, um das Töten zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814198,00.html
Jetzt sollen Kontrolleure ins Land geschickt werden. Hört sich vernünftig an. Ich bin sicher, dass das garnicht im Sinne der Rebellen ist. Die wollen an die Macht, der Blutzoll ist ihnen dabei egal. Schließlich warten die Fleischtöpfe. Woher will man eigentlich wissen, dass es die Regierungstruppen sind, die Häuser in Brand stecken und Familien massakrieren. Das gibt doch garkeinen Sinn. Lt. einer studie aus katar sind die Mehrheit der Syrer auf Seiten ihrer Regierung und lehnt eine Einmischung von außen ab. Frage in die Runde: "Dürfen" Syrer auf Seite ihres Präsiden sein? Oder müssen sie akzeptieren, dass vom Ausland bezahlte und ausgebildete Rebellen ihr Land destabilisieren und ihnen eine andere Regierung aufzwingen? Auf Fotos sieht man ausgebrannte Panzer. Wer hat die angesteckt, die Soldaten selbst?! Und wer ist das, der Ölpipelines in die Luft jagt? In meinen Augen ist sowas Terrorismus. Warum zwingt niemand dieses Pack an den Verhandlungstisch unter intern. Vermittlung, was sie von Anfang an kategorisch ablehnen? Warum tun sie das? Wieviel tote hätte man schon verhindert können?
panzerknacker51, 09.02.2012
4. Nun ja
Zitat von sysopAFPSyriens Despot Baschar al-Assd führt Krieg gegen sein Volk vor. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört. Er will jetzt mit der Arabischen Liga eigene Kontrolleure in das Land schicken, um das Töten zu beenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814198,00.html
Man beachte die Wortwahl. Jetzt ist also auch Assad zum Despoten "befördert" worden. So fing es mit Libyen auch an ...
panzerknacker51, 09.02.2012
5. Bekanntes Muster
Zitat von iskinJetzt sollen Kontrolleure ins Land geschickt werden. Hört sich vernünftig an. Ich bin sicher, dass das garnicht im Sinne der Rebellen ist. Die wollen an die Macht, der Blutzoll ist ihnen dabei egal. Schließlich warten die Fleischtöpfe. Woher will man eigentlich wissen, dass es die Regierungstruppen sind, die Häuser in Brand stecken und Familien massakrieren. Das gibt doch garkeinen Sinn. Lt. einer studie aus katar sind die Mehrheit der Syrer auf Seiten ihrer Regierung und lehnt eine Einmischung von außen ab. Frage in die Runde: "Dürfen" Syrer auf Seite ihres Präsiden sein? Oder müssen sie akzeptieren, dass vom Ausland bezahlte und ausgebildete Rebellen ihr Land destabilisieren und ihnen eine andere Regierung aufzwingen? Auf Fotos sieht man ausgebrannte Panzer. Wer hat die angesteckt, die Soldaten selbst?! Und wer ist das, der Ölpipelines in die Luft jagt? In meinen Augen ist sowas Terrorismus. Warum zwingt niemand dieses Pack an den Verhandlungstisch unter intern. Vermittlung, was sie von Anfang an kategorisch ablehnen? Warum tun sie das? Wieviel tote hätte man schon verhindert können?
Wir schauen einfach mal nach Libyen; dann wissen wir, wie es in Syrien weitergeht...
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