Aufstand gegen Gaddafi Rebellen kämpfen sich Richtung Tripolis vor

Im Kampf gegen Libyens Machthaber melden die Rebellen wichtige Erfolge: Sie kontrollieren nach eigenen Angaben nun weite Teile der Stadt Bir al-Ghanam, nur noch 80 Kilometer von Tripolis entfernt. Ihr Zugang zu Waffen ist weiter begrenzt - das Gaddafi-Lager aber wird durch Überläufer geschwächt.
Rebellen schießen Raketen ab (bei Misurata): Machtzirkel "täglich kleiner"?

Rebellen schießen Raketen ab (bei Misurata): Machtzirkel "täglich kleiner"?

Foto: Hassan Ammar/ AP

Jefren - Seit rund 100 Tagen fliegt die Nato Angriffe gegen das Regime von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, auch in der Nacht zu Montag wurden nach Angaben der staatlichen libyschen Nachrichtenagentur Ziele in der Hauptstadt des nordafrikanischen Landes bombardiert - offenbar kämpfen sich jetzt auch die Rebellen Richtung Tripolis vor: Laut einem Bericht des britischen Rundfunksenders BBC haben sie sich am Sonntag in der Stadt Bir al-Ghanam heftige Gefechte mit Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi geliefert. Bir al-Ghanam liegt rund 80 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Tripolis und gilt als strategisch wichtiger Posten.

Von Bir al-Ghanam seien es nur noch rund 30 Kilometer bis Zawiya, einem Einfallstor Richtung Tripolis, sagte Guma al-Gamaty, ein Sprecher der Rebellen. Die Gaddafi-Gegner hatten Zawiya schon einmal im März erobert, waren dann aber von Truppen des Regimes zurückgedrängt worden.

Die Rebellen würden die südlichen und westlichen Vororte von Bir al-Ghanam kontrollieren, sagte Juma Ibrahim, ein Sprecher der Aufständischen am Montag. Bei den Kämpfen mit den Gaddafi-Truppen hätten die Rebellen Ausrüstung des Militärs erbeutet

Anfang Juni waren die Rebellen einem BBC-Bericht zufolge aus den von ihnen kontrollierten Nafusa-Bergen weiter Richtung Tripolis vorgedrungen, dabei aber auf heftigen Widerstand der Regimekräfte gestoßen. Offenbar würden sie jetzt aber ihre Position rund um die Nafusa-Berge stärken.

Bei den jüngsten Kämpfen seien zwei Rebellen getötet worden, die Gaddafi-Truppen hätten deutlich höhere Verluste zu beklagen, sagte ein Arzt dem Bericht zufolge. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.

Jalal al-Dgheli, Verteidigungsminister der Rebellen, erklärte, dass sich seine Kräfte auf den Kampf von den Bergen aus schrittweise Richtung Tripolis konzentrieren würden - die Ausstattung mit Waffen sei weiterhin sehr begrenzt, weitere Offensiven seien deshalb kaum möglich.

Große Fortschritte konnten die Rebellen zuletzt kaum mehr erzielen. Sie kontrollieren den Osten, im Rest des Landes dominieren die Gaddafi-Truppen. Dennoch äußerte sich al-Dgheli zuversichtlich: Überläufer aus dem Gaddafi-Lager würden davon berichten, dass die Zahl der Unterstützer für den Diktator geringer werde, der innere Machtzirkel Gaddafis werde "täglich kleiner".

Zuletzt waren 16 Spitzenfußballer in das Lager der Aufständischen gewechselt. Dschuma Gtat, Torhüter der Nationalelf, sagte am Samstag über Gaddafi: "Er möge uns allein lassen, damit wir ein freies Libyen aufbauen können." Zuvor hatten sich bereits zahlreiche andere Persönlichkeiten von Gaddafi abgesetzt, darunter Außenminister Mussa Kussa und Ölminister Schukri Ghanim.

Gaddafis Sprecher Mussa Ibrahim betonte am Sonntag, dass das Militär seinen Kampf fortsetzen werde. "Wir kämpfen von Straße zu Straße, von Haus zu Haus." Gaddafi führe das Land. "Er wird Libyen nicht verlassen, er wird nicht zurücktreten", sagte Ibrahim.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag entscheidet an diesem Montag über die Ausstellung eines Haftbefehls gegen den libyschen Machthaber. Mitte Mai hatte der IStGH-Chefankläger Luis Moreno-Ocampo den Haftbefehl beantragt. Moreno-Ocampo führte unter anderem Beweise dafür an, dass Gaddafi persönlich Angriffe auf unbewaffnete Zivilisten angeordnet habe. Weitere Haftbefehle beantragte er gegen Gaddafis ältesten Sohn Saif al-Islam und den Geheimdienstchef. Es war erst das zweite Mal, dass der IStGH-Chefankläger Haftbefehl gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt beantragt: 2008 wurde diese Maßnahme gegen Sudans Präsidenten Omar al-Baschir ergriffen.

hen/AP/AFP