Aufstand im Jemen USA ziehen Diplomaten aus Sanaa ab

Die Sicherheitslage in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschärft sich. In der Nacht sollen Dutzende Menschen bei Kämpfen im Viertel al-Hasaba umgekommen sein. Washington zieht nun die meisten Mitarbeiter seiner Botschaft ab, am Flughafen werden erste Maschinen umgeleitet.


Sanaa - Die Sicherheitslage in Sanaa wird immer bedrohlicher. In der Nacht zum Donnerstag hörten die Bewohner der jemenitischen Hauptstadt mehrere Explosionen in den Vororten. Einige Flüge wurden nach Angaben der "Yemenpost" vom Flughafen Sanaa in die südliche Stadt Aden umgeleitet. Nach inoffiziellen Schätzungen wurden durch die Kämpfe zwischen dem Clan von Scheich Sadik al-Ahmar und den Regierungstruppen unter Präsident Ali Abdullah Salih seit Montag mehr als 50 Menschen getötet. Möglicherweise sind Dutzende weitere Menschen bei Kämpfen in der Nacht zu Donnerstag umgekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind mindestens 28 Menschen bei der Explosion eines Waffenlagers gestorben.

Salih ist seit 1978 an der Macht. Junge Demonstranten und die Opposition fordern seit Februar seinen Rücktritt. Der Präsident hat dies jedoch bisher abgelehnt und sich auch dem wachsenden Druck der USA und der arabischen Golfstaaten widersetzt. Am vergangenen Sonntag warnte er vor einem Bürgerkrieg. Am Mittwoch teilte er mit, er habe nicht die Absicht, den Jemen zu verlassen, selbst nach einem Rücktritt nicht. Beim gewalttätigen Vorgehen der Sicherheitskräfte und Salih-Anhänger wurden rund 170 von ihnen getötet und mehr als tausend verletzt.

Am Montag griffen die Regierungstruppen das Haus von Sadik al-Ahmar, dem Stammesführer der Haschid, an. Dessen Residenz soll bei den Kämpfen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Seither liefern sich der Ahmar-Clan und die Armee heftige Gefechte im Stadtviertel al-Hasaba, auch aus anderen Bezirken wurden Schießereien gemeldet.

Beobachter in Sanaa hoffen, dass sich ein Bürgerkrieg vermeiden lässt. Hoffnung gibt ihnen die Tatsache, dass Demonstranten und Parteien immer noch daran festhalten, dass ihr Protest, der Anfang Februar begonnen hatte, friedlich bleiben soll.

Das US-Außenministerium zieht aber wegen der Unruhen im Jemen alle nicht unbedingt für die Arbeit seiner Botschaft in Sanaa notwendigen Mitarbeiter ab. Wie das Ministerium am Mittwoch in Washington mitteilte, sollen auch Familiengehörige der Diplomaten und andere US-Bürger das Land verlassen. Vor Reisen in den Jemen wird gewarnt.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin forderte alle Beteiligten zu äußerster Zurückhaltung auf. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen müssten beendet werden. Zugleich verlangte die Bundesregierung von Staatschef Salih, endlich den Vermittlungsvorschlag der Golfstaaten für einen geordneten Machtwechsel zu unterzeichnen. Salih dürfe nicht weiter auf Zeit spielen, sagte der Sprecher. Dies schade dem jemenitischen Volk und der gesamten Region. Zeige sich Salih weiterhin starrsinnig, werde Deutschland entsprechende Maßnahmen ergreifen.

ffr/dpa/Reuters



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Rodri 26.05.2011
1. ...
Und wieder stellt sich die Frage an die USA: Warum Libyen? Warum nicht in Syrien und Jemen helfen? Eine Antwort wird Obama natürlich schuldig bleiben.
turekat 26.05.2011
2. Doppelmoral
Zitat von RodriUnd wieder stellt sich die Frage an die USA: Warum Libyen? Warum nicht in Syrien und Jemen helfen? Eine Antwort wird Obama natürlich schuldig bleiben.
Diese Frage musste man sich schon zu Beginn des Irak-Krieges stellen, auch wenn sich die vorgegebenen Gründe, nämlich angeblich im Irak vorhandenen Massenvernichtungswaffen, als falsch erwiesen haben. Letzlich wurde die Welt von einem Diktator befreit, aber lediglich von einem, wo es doch soviele andere gibt. Wie stark sich das Gewissen bei einem US-Präsidenten regt hängt vermutlich von der strategischen Bedeutung des anvisierten Landes ab. Der Irak und Libyen haben Öl und sind vielleicht auch leichter einzunehmen als z.B. der Iran. Auch von den meisten afrikanischen Ländern, die ja auch fast allesamt von Despoten regiert werden, sind die meisten wahrscheinlich strategisch uninteressant. Alle Hintergründe wird man wahrscheinlich nie erfahren, schade nur, dass die Doppelmoral wieder mal jegliche Vernunft verdrängt.
produster 26.05.2011
3. Deutsche Hilfe
Der Jemen und damit Präsident Saleh war Jahrzehnte eines der Schwerpunktländer deutscher Entwicklungshilfe. Der liebe Gott weiss, warum...
leberknecht 26.05.2011
4. Schwache Leistung!
Zitat von sysopDie Sicherheitslage in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschärft sich. In der Nacht sollen Dutzende Menschen bei Kämpfen im Viertel al-Hasaba umgekommen sein. Washington zieht nun die meisten Mitarbeiter seiner Botschaft ab, am Flughafen werden erste Maschinen umgeleitet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764999,00.html
Sehr schwache leistung! Ziehe ihre leute ab. schlechte arbeit der geheimdienste! Oder machen die bloß platz für neue Flugzeuge mit leichter tarnung. Ach,ne ! Die müssen noch ein bißchen in Libyen arbeiten!
meisterraro 26.05.2011
5. Das ist richtig!
USA müssen raus aus dem Mittleren Osten. Alle von ihnen unterhaltenen Diktatoren sind gefallen und die übrigen, die sich noch halten können, werden ebenfalls vom Volk gestürzt. Es zahlt sich nicht aus, mit fremden Mächten zu paktieren und ihre Interessen in die eigene Politik einfließen zu lassen! Die Völker werden wieder autonom, nur so kann es mittel und langfristig Stabilität geben in der Region. Fremdbestimmung ist Gift für jede Volksseele.
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