Aufstand in Falludscha Würdenträger rufen zum Waffenstillstand auf

Religiöse, ethnische und kommunale Führer haben sich für eine Kampfpause in Falludscha ausgesprochen. Ab Sonntag, 10 Uhr, sollen die Angriffe auf die Besatzer ruhen. Die Rebellen kündigten derweil an, drei japanische Geißeln freizulassen. Die vermissten Deutschen dagegen sind wahrscheinlich ermordet worden.


Aufständische Iraker in Falludscha: Apell zum Waffenstillstand
AFP

Aufständische Iraker in Falludscha: Apell zum Waffenstillstand

BAGHDAD - Qahtan al-Rubaie, Mitglied der Irakischen Islamischen Partei und ein Teilnehmer der Verhandlungen um einen Waffenstillstand, sagte, dass die Kampfpause ab 10 Uhr ausgerufen würde.

El Rubaie kündigte den Aufruf am Abend in Bagdad an, nachdem die Delegation US-Zivilverwalter Paul Bremer über die Gespräche informiert hatte. Man hoffe, die Waffenruhe werde den Weg über Gespräche zu einem Rückzug der US-Truppen aus dem Zentrum der Stadt freimachen, sagte El Rubaie weiter. Nach den Verhandlungen in Falludscha hatte er als Forderung der Rebellen genannt, "dass die US-Kräfte sich bis auf ungefähr fünf Kilometer vor der Stadt zurückziehen".

Die Amerikaner hatten am Freitag ihrerseits einen Waffenstillstand angekündigt, doch die Hoffnungen auf ein Einlenken seitens der Rebellen erfüllten sich nicht. Hunderte Menschen wurden in der vergangenen Woche getötet.

Am Samstag hat eine irakische Gruppe auf einem im Fernsehen ausgestrahlten Videoband mit der Ermordung von 30 Geiseln gedroht, sollten die USA nicht ihre Blockade der Stadt Falludscha beenden. Auf dem Band, das der Fernsehsender El Arabija ausstrahlte, waren die angeblichen Geiseln nicht zu sehen. Sie sollen den Angaben zufolge aus Japan, Bulgarien, Israel, den USA, Spanien und Südkorea stammen.

Der arabische TV-Sender El Dschasira zeigte am Abend ein Video, das den entführten Amerikaners Thomas Hamill vor einer irakischen Flagge zeigt. Seine Entführer stellen sich in dem Band als "Mudschahedin-Gruppe - Entführungen" vor und drohten, der Geisel werde es schlimmer ergehen, als den vier US-Bürgern, die in Falludscha getötet und verbrannt wurden, wenn die US-Truppen nicht die Belagerung von Falludscha beendeten. Hamill war am Freitag entführt wurden. Ein australisches Fernsehteam filmte ihn, während Bewaffnete mit ihm davon fuhren.

Zugleich berichtete der Sender, die Entführer dreier japanischer Geiseln hätten deren Freilassung innerhalb von 24 Stunden angekündigt. Die Freilassung Japaner wurde dem Sender zufolge auf einem Fax angekündigt, das von einer Gruppe mit dem Namen "Saraja el Mudschahedin" unterzeichnet war. Unter diesem Namen hatten die Entführer am Donnerstag die Ermordung der Japaner, darunter einer 18-jährigen Frau, angekündigt, sollte Japan nicht bis Sonntag seine Truppen aus dem Irak abziehen. "Sie werden sie innerhalb von 24 Stunden freilassen und reagieren damit auf einen Aufruf der Vereinigung moslemischer Geistlicher", teilte der Sender mit. Die japanische Regierung hatte sich zuvor in einer Videobotschaft direkt an die Entführer gewandt und die Freilassung der Geiseln verlangt. Einen Rückzug der Truppen lehnte sie ab.

Seit Beginn des Aufstands gegen die Besatzungstruppen in dieser Woche werden mehrere Ausländer im Irak vermisst, ihr Schicksal ist jedoch in den meisten Fällen unklar. Zwei verschwundene Beamte des deutschen Bundesgrenzschutzes sind vermutlich tot. ARD-Berichten zufolge wurde in der Nacht die Suche nach ihnen unterbrochen.

Auf dem von El Arabija ausgestrahlten Band sagte ein maskierter Mann, der ein Kalaschnikow-Sturmgewehr hielt: "Wir haben japanische, bulgarische, israelische, amerikanische, spanische und koreanische Geiseln. Es sind 30." Sollten die USA ihre Blockade von Falludscha nicht aufheben, dann würden die Geiseln geköpft, drohte er. In der Stadt westlich von Bagdad sind in den vergangenen Tagen Hunderte Iraker getötet worden. Die US-Armee hatte die Stadt abgeriegelt, nachdem dort vier US-Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma getötet und ihre Leichen durch die Stadt geschleift worden waren.

Die beiden vermissten Beamten des Bundesgrenzschutzes sind einem irakischen Zeitungsbericht zufolge in der Nähe von Falludscha verschwunden. Sowohl das Innenministerium als auch das Auswärtige Amt in Berlin erklärten, es gebe keine Hinweise auf eine Entführung. Ein Sprecher des Innenministeriums schloss nicht aus, dass die beiden tot seien. Die ARD berichtete, dass nach ihren Gräbern gesucht werde. In Sicherheitskreisen hieß es, im Konvoi der beiden verschwundenen Männer seien weitere BGS-Beamte unterwegs gewesen. Diese seien aber inzwischen in Bagdad in Sicherheit. Die Beamten sollten Sicherheitspersonal an der deutschen Botschaft in Bagdad ablösen.



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