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30. Januar 2012, 07:27 Uhr

Aufstand in Syrien

Assads Truppen erobern Vororte von Damaskus zurück

Mit dem Ende der Beobachtermission der Arabischen Liga hat die Gewalt in Syrien dramatisch zugenommen. Regierungstruppen drängten die Rebellen aus den Außenbezirken von Damaskus zurück. Es gab viele Tote. Das Militär lässt seine Soldaten nun von Haus zu Haus ziehen.

Amman - Syrische Regierungstruppen haben von Rebellen kontrollierte Außenbezirke am östlichen Stadtrand von Damaskus zurückerobert. Die Freie Syrische Armee habe sich aus taktischen Gründen zurückgezogen, sagte ein Regierungsgegner. Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad hätten die Vororte der Hauptstadt besetzt, gingen von Haus zu Haus und nähmen Menschen fest, sagte ein Aktivist.

Unbeeindruckt vom internationalen Ringen um ein Ende der Gewalt in Syrien hatte die Regierung ihren Kampf gegen die Aufständischen verschärft. Einen Tag nach dem Stopp des arabischen Beobachter-Einsatzes schickte Assad am Sonntag Hunderte Soldaten in die von Rebellen kontrollierten Außenbezirke der Hauptstadt. Bei dem Einmarsch mit gut 50 Panzern seien mindestens 19 Zivilisten getötet worden, sagten Regierungsgegner.

Landesweit sollen allein am Sonntag mindestens 62 Menschen getötet worden sein, darunter 27 Zivilisten. Die Arabische Liga hatte am Samstag ihre Beobachtermission in Syrien abgebrochen.

Ein Sprecher der Deserteure berichtete am Sonntag von intensiven Gefechten nur wenige Kilometer vor der Hauptstadt Damaskus. Nach seinen Angaben waren es die heftigsten Auseinandersetzungen seit Beginn der Proteste gegen Präsident Assad vor mehr als zehn Monaten.

Zugleich ging die Armee nach seinen Angaben mit schwerer Artillerie gegen mehrere Orte in der Provinz Damaskus sowie gegen die Protesthochburg Hama vor. Augenzeugen berichteten von einer regelrechten Strafkampagne gegen Einwohner, die Regierungsgegnern Unterschlupf gewährt hätten.

Der Konflikt, der mit friedlichen Demonstrationen begann, wandelt sich zunehmend in einen Bürgerkrieg, weil mehr und mehr frustrierte Anhänger der Protestbewegung und Deserteure aus der syrischen Armee mit Waffengewalt gegen das Regime kämpfen.

Bei den Kämpfen um die Vororte von Damaskus sollen allein seit Donnerstag beinahe hundert Menschen umgekommen sein. Seit dem Beginn der Proteste hat Assads Regime Uno-Schätzungen zufolge mindestens 5400 Menschen töten lassen.

Die Bemühungen um eine friedliche Lösung scheitern derzeit vor allem an zwei Faktoren: Der Weigerung Syriens, sich einem Friedensplan der Arabischen Liga zu unterwerfen, weil der angeblich seine Souveränität untergraben würde. Und Russlands Bereitschaft, Sanktionen gegen Syrien im Uno-Sicherheitsrat mit seinem Veto zu blockieren.

Die Außenminister der arabischen Staaten treffen sich am 5. Februar in Kairo, um zu entscheiden, ob sie die Beobachter abziehen oder die Mission doch noch verlängern.

ler/Reuters/dapd

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