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27. Mai 2011, 15:47 Uhr

Aufstand in Syrien

Mehrere Tote nach Freitagsprotesten

Syrische Sicherheitskräfte haben nach den Freitagsgebeten das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Dabei sollen mindestens drei Menschen ums Leben gekommen sein. Die G-8-Staaten forderten bei ihrem Gipfel umfassende Reformen in Syrien - auf eine harte Haltung konnten sie sich nicht einigen.

Damaskus - Wieder hat es Tote gegeben in Syrien. Sicherheitskräfte haben am Freitag mindestens drei Menschen erschossen. Sie hätten in der Ortschaft Dael im Süden des Landes das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die auf Hausdächer gestiegen seien, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. In der Hauptstadt Damaskus und in Deir al-Sor im Nordosten des Landes lösten die Sicherheitskräfte nach Angaben der Syrischen Liga für Menschenrechte gewaltsam Demonstrationen auf.

In Deir al-Sor hätten sich rund 5000 Menschen nach dem Freitagsgebet zu Protesten versammelt, die Polizei habe Warnschüsse in die Luft abgegeben, teilten die Menschenrechtler mit. Im Stadtteil Rokn-Eddin im Norden von Damaskus gingen die Sicherheitskräfte demnach mit Schlagstöcken gegen Hunderte Protestierende vor. Aus Sabadani an der Grenze zum Libanon meldeten Anwohner fünf Verletzte. In der zentralsyrischen Stadt Homs waren Zeugen zufolge Schüsse zu hören, nachdem Tausende Menschen trotz eines Verbots zusammengekommen waren.

Seit dem Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad wurden nach Angaben von Menschenrechtlern bereits mehr als tausend Menschen getötet und rund 10.000 weitere festgenommen.

G8 schwächen Abschlusserklärung ab

Der Westen ringt noch immer um eine gemeinsame Position gegenüber dem Regime in Damaskus. Die beim G-8-Gipfel im französischen Deauville versammelten Staaten konnten sich auch dort nicht auf eine harte Haltung gegen die syrische Regierung einigen. Während der Führung des Landes in einem ersten Entwurf der Gipfelerklärung zunächst "Aktionen im Sicherheitsrat" angedroht wurden, sollte die Gewalt gegen Demonstranten nicht enden, ist in der Abschlusserklärung nur noch von "neuen Maßnahmen" die Rede. Diplomaten zufolge fürchteten die Regierungschefs, Russland könne sich einem Verweis auf den Uno-Sicherheitsrat widersetzen.

Die G-8-Staaten fordern nun, die Gewalt des Regimes gegen das syrische Volk und die Einschüchterungen müssten umgehend aufhören. Es müsse fundamentale politische Reformen geben.

ler/AFP/dpa/Reuters

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