Aufstand in Syrien Regime nimmt Hunderte Kritiker fest

Regierungskritiker demonstrieren, das Regime antwortet mit Gewalt: Beim Machtkampf in Syrien lassen sich die Demonstranten nicht einschüchtern - obwohl Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Damaskus und im Nordwesten des Landes brutal gegen sie vorgehen.

Regierungsgegner in Syrien: Sicherheitskräfte nehmen Hunderte Demonstranten fest
AP/CITIZEN JOURNALISM

Regierungsgegner in Syrien: Sicherheitskräfte nehmen Hunderte Demonstranten fest


Damaskus - An Zugängen zu manchen Stadtteilen errichtete die Armee Straßensperren, Soldaten durchkämmten Häuser auf der Suche nach Waffen: In Syriens Hauptstadt Damaskus haben Sicherheitskräfte nach Angaben eines Menschenrechtsaktivisten erneut Hunderte Menschen festgenommen. Das teilte der Chef der syrischen Menschenrechtsliga, Abdel Karim Rihawi, am Sonntag mit.

Auch in dem Stadtteil Rukn Eddin in Damaskus seien Menschen festgenommen worden. Der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman, sagte, mit Schnellfeuergewehren bewaffnete Soldaten kontrollierten die Zugänge zu Kabun und patrouillierten vor den Moscheen. Sicherheitskräfte nahmen in Kabun Anwohner fest.

Festnahmen gab es laut Rahman auch in der Stadt Sarakeb in der Provinz Idleb im Nordwesten. Dort hätten sich Anwohner versammelt, um aus Protest gegen die in der Stadt wegen der Proteste verhängten strikten Sicherheitsmaßnahmen eine Autobahn zu blockieren. Soldaten hätten die Ansammlung mit Schüssen aufgelöst, später seien in der Stadt rund 15 Menschen festgenommen worden.

Zudem stürmten Regierungssoldaten nach Angaben von Aktivisten ein Dorf, das ebenfalls im Nordwesten des Landes liegt. Die Truppen nahmen zahlreiche Menschen fest. Panzer hätten am Sonntagmorgen einen Fernmeldeturm in dem Dorf beschossen und die Wasser- und Stromversorgung gekappt, teilte das örtliche Koordinationskomitee mit, das die Proteste in Syrien dokumentiert. In der Region führt das syrische Militär seit Wochen Einsätze durch, um den wachsenden Aufstand gegen das Regime zu zerschlagen.

In der Protesthochburg Homs verstärkten Militär und Sicherheitskräfte ihre Präsenz auf den Straßen. Dort waren Armee und Sicherheitskräfte nach Angaben der syrischen Menschenrechtsliga in mehreren Stadtteilen mit einem Großaufgebot im Einsatz. Dabei waren demnach auch Panzer im Einsatz. Das 160 Kilometer nördlich von Damaskus gelegene Homs ist eine der Hochburgen der seit mehr als vier Monaten im Land stattfindenden Proteste gegen die Führung in Damaskus.

Zug entgleist nach Sabotageakt

Nahe Homs entgleiste in der Nacht zum Samstag ein Reisezug mit fast 500 Menschen an Bord. Ursache des Unfalls war ein Sabotageakt. Es gab einen Toten: Der Lokomotivführer verbrannte bei dem Unglück im Führerhaus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Unbekannte beschossen außerdem am frühen Morgen die Militärakademie in Homs mit Panzerfäusten. Niemand wurde verletzt, meldete die Website Syria News unter Berufung auf Militärkreise.

Der Schnellzug war auf der Fahrt von Aleppo in die Hauptstadt Damaskus. Die Täter, die in der Sana-Meldung lediglich als "Gruppe von Saboteuren" bezeichnet wurden, hatten Schienenstücke aus dem Gleiskörper entfernt. Auch zu den Panzerfaust-Angreifern lagen keine näheren Einzelheiten vor. Die Granaten trafen die Außenmauer des Komplexes.

Staatschef Baschar al-Assad versucht, mit Personalwechseln seine Kritiker zu besänftigen. Er entließ den Gouverneur der Stadt Deir Essor, wie die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Assad hatte bereits zuvor als Reaktion auf Massenproteste in der Stadt Hama den dortigen Gouverneur entlassen. Bereits in den vergangenen Monaten hatte der bedrängte Staatschef die Gouverneure der von Protesten erschütterten Provinzen Hama und Homs im Zentrum und von Daraa im Süden des Landes ausgetauscht. Die seit Mitte März demonstrierende Bürgerbewegung hatte dies allerdings als reine Symbolpolitik aufgefasst.

Die Regierungskritiker hatten anfangs politische Reformen verlangt, fordern aber inzwischen das Ende des Assad-Regimes. Beim Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung wurden laut Menschenrechtsorganisationen landesweit bislang mindestens 1400 Zivilisten getötet und mehr als 12.000 weitere festgenommen.

ulz/AFP/dapd/dpa



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chris345 24.07.2011
1. Erst informieren
Erschreckend, wie wenig der Autor üner die Vorgänge in Syrien weiß. Die Gouverneure wurden nicht ausgetauscht, um die Bürger zu beruhigen, sondern weil sie zu nachsichtig gegen die Demonstranten vorgegangen waren.
ultimaratio1 24.07.2011
2. Die Entgleisung des Zuges
Zitat von sysopRegierungskritiker demonstrieren, das Regime antwortet mit Gewalt: Beim Machtkampf in Syrien lassen sich die Demonstranten nicht einschüchtern - obwohl Sicherheitskräfte*in der Hauptstadt Damaskus und im Nordwesten des Landes brutal gegen sie vorgehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,776343,00.html
Die Entgleisung des Zuges ist darauf zurückzuführen, dass die Sicherheitskräfte des Assads Regimes ihre Hände im Spiel hatten. Mit anderen Worten, die feige Tat ist die Tat des Regimes, um die Revolution des syrischen Volkes zu verleumden.
udaraj 24.07.2011
3. Wie bescheuert sind unsere Medien ?
Zitat von ultimaratio1Die Entgleisung des Zuges ist darauf zurückzuführen, dass die Sicherheitskräfte des Assads Regimes ihre Hände im Spiel hatten. Mit anderen Worten, die feige Tat ist die Tat des Regimes, um die Revolution des syrischen Volkes zu verleumden.
In Syrien kontrollierte der Geheimdienst alles . Um Homs ist alles abgeriegelt . Wer ausser dem Regime hat ein interesse daran einen Zug entgleisen zu lassen ? Ja es gibt terroristen in Syrien , sie dienen in einem der 16 Geheimdienste oder dienen als Offizier bei den Sicherheitskräften .Aber Saudi das die Deutschen Panzer erhalten soll, mordet, foltert und vergewaltigt ja auch eifrig in Bahrein .Wieso sollte man da Assad einen Vorwurf machen , er bringt ja wenigstens sein eigenes Volk um .
Arne11 24.07.2011
4. gegen titelzwang
Zitat von sysopRegierungskritiker demonstrieren, das Regime antwortet mit Gewalt: Beim Machtkampf in Syrien lassen sich die Demonstranten nicht einschüchtern - obwohl Sicherheitskräfte*in der Hauptstadt Damaskus und im Nordwesten des Landes brutal gegen sie vorgehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,776343,00.html
Manchmal habe ich den Eindruck solche Regime takten das gerade danach wie sehr europäische Medien mit anderen Themen beschäftigt sind... ich habe genausowenig Hoffnung wie für die Demonstranten im Iran...
Centurio X 25.07.2011
5. Wie loyal verhält sich das Militär gegenüber dem Regime?
Zitat von Arne11Manchmal habe ich den Eindruck solche Regime takten das gerade danach wie sehr europäische Medien mit anderen Themen beschäftigt sind... ich habe genausowenig Hoffnung wie für die Demonstranten im Iran...
Wenn es zu größeren Desertionen kommt, fällt das Assad-Regime wie ein Kartenhaus zusammen, und das wird dann zweiffelos Auswirkungen auf den Iran nach sich ziehen.
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