Aufstand in Syrien Saudi-Arabien für Bewaffnung der Rebellen

Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Faisal stellt sich gegen US-Präsident Barack Obama: Bei der Konferenz der "Freunde Syriens" forderte er, den syrischen Rebellen Waffen zu liefern.
US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem saudi-arabischen Kollegen Prinz Saud al-Faisal

US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem saudi-arabischen Kollegen Prinz Saud al-Faisal

Foto: JASON REED/ AP

Beirut - US-Außenministerin Hillary Clinton fragte ihn, ob die Belieferung der gegen die Regierungstruppen kämpfenden Kräfte in Syrien eine gute Idee sei. Die Antwort des saudi-arabischen Außenministers war eindeutig: "Ich glaube, es ist eine ausgezeichnete Idee." Die Rebellen müssten sich selber beschützen, fügte Prinz Saud al-Faisal als Begründung hinzu. Damit ging al-Faisal weiter, als die anderen Teilnehmer der Konferenz der "Freunde Syriens", die am Freitag in Tunis zum ersten Mal zusammenkamen.

Die "Freunde Syriens", eine Gruppe aus mehr als 60 Staaten und internationalen Organisationen, drohte mit weiteren Sanktionen, falls das Regime von Baschar al-Assad die Gewalt gegen das eigene Volk nicht sofort beende. Von einer Militärintervention in Syrien wollten die Teilnehmer jedoch nichts wissen. Mehrere Oppositionelle äußerten sich enttäuscht.

Trotz deren Kritik lehnt US-Präsident Barack Obama - anders als Außenminister Prinz Saud al-Faisal - eine Bewaffnung der Rebellen weiter ab. "Eine weitere Militarisierung in Syrien ist zu diesem Zeitpunkt nicht klug", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, in Washington. Obama erklärte bei einem Treffen mit der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt im Weißen Haus weiter, die internationale Gemeinschaft suche nach jedem verfügbaren Mittel, um die Metzelei an Unschuldigen in Syrien zu verhindern. Es sei an der Zeit, dass das Töten von syrischen Bürgern durch die eigene Regierung beendet werde.

Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga ernannten den früheren Uno-Generalsekretär Kofi Annan zu ihrem gemeinsamen Sondergesandten für Syrien. Der Friedensnobelpreisträger und erfahrene Vermittler soll von einem Stellvertreter aus dem arabischen Raum unterstützt werden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer "klugen Wahl". Annan besitze "eine Autorität, an der auch Länder wie Russland und China nicht vorbeigehen werden".

Am Dienstag will sich der Uno-Menschenrechtsrat in Genf in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage in Syrien befassen. Allein am Freitag wurden in Syrien nach Angaben der Organisation LCC wieder mindestens 90 Menschen getötet, darunter zwölf Kinder. In mehreren Städten feuerten die Sicherheitskräfte auf Demonstranten. Seit Beginn der Proteste im März 2011 kamen nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen mehr als 7000 Menschen ums Leben.

Rotes Kreuz rettet Frauen und Kinder

Nothelfer des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds haben inzwischen Zugang zur belagerten syrischen Stadt Homs erhalten und konnten Frauen und Kinder aus dem umkämpften Stadtteil Baba Amr bringen: Hicham Hassan vom Roten Kreuz sagte dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, sieben Verletzte und 20 Frauen und Kinder seien zunächst in Sicherheit gebracht worden. Die Lage in Homs werde immer schlimmer und es werde mehr Hilfe für die Verletzten benötigt.

Der Konvoi von Ambulanzfahrzeugen des syrischen Roten Halbmonds und des Roten Kreuzes sei am Freitagnachmittag in den Stadtteil Baba Amr gefahren und habe die Menschen mitgenommen. Zu diesem Zeitpunkt habe jedoch keine Kampfpause geherrscht.

Die Evakuierung sei ein erster Schritt gewesen. "Wir wollen alle verletzten Personen in Sicherheit bringen", sagte Hassan. Die beiden verletzten ausländischen Journalisten seien nicht dabei gewesen, sagte er. Die französische Journalistin Edith Bouvier und der britische Fotograf Paul Conroy hatten Verletzungen am Bein erlitten.

Carla Haddad Mardini vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) sagte dem US-Nachrichtensender CNN, dass ihre Organisation die syrischen Behörden um eine täglich zweistündige Kampfpause bitten möchte. In dieser Zeit könnten Mitarbeiter in alle betroffenen Gebiete, darunter Homs, gehen, um dringend benötigte Hilfe zu übergeben, sagte die IKRK-Sprecherin telefonisch aus Genf.

Das Viertel Baba Amr lag in den vergangenen Tagen laut Berichten von Augenzeugen unter schwerem Beschuss durch syrische Regierungstruppen. Seit rund einer Woche hatte das Rote Kreuz die syrischen Behörden und die bewaffnete Opposition immer wieder aufgefordert, eine Feuerpause zur Versorgung der Verletzten und Notleidenden zu ermöglichen.

jjc/dapd
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